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Freitag, 09.11.2018

Osten holt bei Malergehältern auf

Für Maler und Lackierer gibt es neue Tarifverträge. Davon profitieren aber nur einige Angestellte im Landkreis.

Von Gunnar Klehm

Tarif für Malergesellen

Innungsobermeister Rüdiger Frohberg sieht in der gegenwärtigen Konjunktur eine Chance für die Lohnangleichung in Ost und West. Das war nicht abzusehen, als er diesen Schriftzug an ein Dresdner Kino malte.
Innungsobermeister Rüdiger Frohberg sieht in der gegenwärtigen Konjunktur eine Chance für die Lohnangleichung in Ost und West. Das war nicht abzusehen, als er diesen Schriftzug an ein Dresdner Kino malte.

© Archivfoto: Steffen Füssel

Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge. Da hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt dann doch etwas übertrieben. Diese Woche verkündete sie, dass 330 Maler und Lackierer im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge „jetzt mehr Geld einstreichen“. Die Doppeldeutigkeit mit dem Streichen ist dabei natürlich beabsichtigt. Anlass für die Pressemitteilung war der neue Tarifabschluss zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaft.

Demnach steigen die Tariflöhne rückwirkend zum Oktober in zwei Stufen um insgesamt 5,9 Prozent. Ein Malergeselle mit zweijähriger Berufserfahrung kommt dann rund 90 Euro mehr im Monat. „Im nächsten Jahr kommen noch mal 112 Euro hinzu“, erklärt Jörg Borowski, Bezirksvorsitzender der IG Bau in Dresden.

Tarif für Malergesellen

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Verhandelt wurde der sogenannte Ecklohn (Geselle nach zwei Berufsjahren). Tariflöhne für Angestellte mit mehr Berufsjahren oder für Berufseinsteiger variieren von Bundesland zu Bundesland. Das wird in der Landeslohntabelle gesondert festgelegt.

Der Stundenlohn Ost für Maler und Lackierer steigt auf 15,87 Euro (2745 Euro brutto/Monat), ab 1.10.2019 auf 16,52 Euro. Das sind dann 96,3 Prozent des Tarifs West.

Die Sonderzahlung zum Jahresende steigt auf 635 Euro im Osten und wird bis 2021 zu 100 Prozent an den Tarif West (1156 Euro) angeglichen.

Quelle: IG BAU

Dass 330 Maler und Lackierer jetzt mehr Geld bekommen, ist aber reines Wunschdenken der Gewerkschaft. Der Tarifabschluss gilt zum einen nur für Gewerkschaftsmitglieder und zum anderen für Betriebe, die in der Innung der Kreishandwerkerschaft sind. Die Zahl von 330 Malern und Lackierern geht laut Gewerkschaft auf eine Statistik der Arbeitsagentur zurück. Darin ist aber nicht ausgewiesen, wie viele dieser Arbeiter in Betrieben beschäftigt sind, die der Innung angehören.

Das sind im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zehn Betriebe im Maler- und Lackierer-Handwerk. „Man muss aber davon ausgehen, dass es um die 80 Betriebe gibt. Viele davon sind Einzelkämpfer“, sagt Innungsobermeister Rüdiger Frohberg. Dass die Mitarbeiter etwas mehr bekommen sollen, sei „schon okay“. Angesichts der sehr guten Konjunktur sei die Lohnerhöhung verkraftbar. „Die Lohnnebenkosten machen den Unternehmern viel mehr zu schaffen“, sagt Frohberg.

Darauf haben die Tarifparteien keinen Einfluss. In der IG Bau ist man aber stolz darauf, dass eine weitere Angleichung der Gehälter in Ost und West gelungen ist. Ab Oktober nächsten Jahres beträgt der Tariflohn Ost dann 96,3 Prozent des Tarifs West. „In der nächsten Verhandlungsrunde sollten wir dann endlich die komplette Angleichung geschafft haben“, sagt Thomas Kurtze, Branchensekretär Maler und Lackierer bei der IG Bau. In den nächsten Tagen werde noch die Landeslohntabelle für Sachsen und Sachsen-Anhalt verhandelt, dann wird rückwirkend gezahlt.

Bei der tariflich vereinbarten Sonderzahlung zum Jahresende sei jetzt schon die vollständige Angleichung beschlossen. Allerdings wird das schrittweise bis 2021 erfolgen. Aktuell erhöht sich diese Zahlung auf 635 Euro. 2021 sollen es dann 1 156 Euro sein. Handwerker sollten ihre Lohnabrechnung entsprechend prüfen, heißt es.