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Montag, 25.06.2018

Nur der Start ist perfekt

Von Alexander Hiller

Traumstart: Brice Coquin auf dem Weg zum Touchdown. Foto: Robert Michael
Traumstart: Brice Coquin auf dem Weg zum Touchdown. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Es sind gerade einmal 70 Sekunden gespielt, da keimt Hoffnung auf: Sollte die Überraschung tatsächlich gelingen? Dem Franzosen Brice Coquin gelingt für die Dresden Monarchs der erste Touchdown gegen den deutschen Serienmeister New Yorker Lions aus Braunschweig.

Knapp zweieinhalb Stunden später ist alles so wie immer. Oder wie meistens. Der frisch gebackene Europapokalsieger aus Niedersachsen triumphiert erneut im Heinz-Steyer-Stadion. Diesmal vor 1 930 Zuschauern relativ deutlich mit 44:24 (27:17). Damit hat der elffache deutsche Meister von den letzten zwölf Punktepartien gegen die Sachsen zehn für sich entschieden. Ein eindeutiges Kräfteverhältnis.

Das den Gastgebern auch an diesem nasskalten Sonnabend einmal mehr deutlich vor Augen geführt wurde. Vor allem in der zweiten Halbzeit. „Ja, wir haben einen sehr guten Start erwischt“, konstatierte Monarchs-Trainer Ulrich Däuber, „aber dann sind uns einfach zu viele Fehler unterlaufen. Das darf uns gegen einen solchen Gegner wie Braunschweig nicht passieren, die haben das knallhart bestraft“. In der Vorwärtsbewegung leistete sich Dresdens Quarterback Trenton Norvell zu viele schludrige Zuspiele – oder eben seine Pass-Abnehmer wurden von der Braunschweiger Abwehr einfach zu gut bewacht. Das kann man so oder so interpretieren. Auch der in der bisherigen Saison so zuverlässige Kicker Florian Finke, zuständig für die Zusatzkicks nach den Touchdowns sowie für die Fieldgoal-Versuche, patzte diesmal.

Für Ulrich Däuber ist die Erkenntnis des Spieltages sicher nicht neu: Braunschweig verfügt über den quantitativ und qualitativ breiteren Kader – und damit auch über ganz andere personelle Möglichkeiten. „Bei den Lions laufen eben insgesamt 45 Athleten auf, die jahrelang Football spielen und sich im Kraftraum gestählt haben. Bei unseren 45 Jungs“, erklärt der Monarchs-Trainer, „sind dann eben zehn dabei, die erst seit ein, zwei Jahren ernsthaft Football spielen“. Das äußerst sich vor allem in nervlich kniffligen Situationen oder in jenen Momenten, in denen die Start-Spieler der Hausherren mal eine Pause benötigen. „Das soll jetzt nicht böse klingen, aber unser Back-ups sind nicht so gut wie unsere Stammkräfte. Bei Braunschweig gibt es hingegen kaum Substanzverlust, wenn sie mal durchwechseln“, betont der gebürtige Würzburger.

Und die personelle Situation bei den Dresdnern ist tatsächlich angespannt. Der Schweizer Tim Hagmann fehlt seit dem Spiel im DDV-Stadion gegen Kiel mit gebrochener Hand, Martin Jacob fällt sogar für die ganze Saison aus, Florian Mirring verletzte sich im ersten Saisontraining und gegen Braunschweig fiel in der Mitte der Partie auch noch der Schwede Tim Hermansson verletzt aus. Zudem war Daniel Stechbarth im ersten Spiel nach seinem Jahresurlaub logischerweise noch nicht wieder bei 100 Prozent. „Diese Masse können wir gegen ein Spitzenteam wie Braunschweig nicht kompensieren“, haderte Däuber.

Immerhin kehrt der deutsche Nationalspieler Paul Seemann wohl am kommenden Wochenende wieder in den Kader zurück. Und auch dann werden die Dresden Monarchs wiederum als Spitzenreiter antreten. Denn an der Tabellenkonstellation hat sich trotz der Niederlage nichts verändert. Das liegt freilich nur daran, dass die Dresdner und Verfolger Berlin Rebels (jeweils 12:4 Punkte) eine Partie beziehungsweise zwei Spiele mehr bestritten haben als Köln (11:3) und Braunschweig (10:2).

„Jetzt ist es wichtig, dass wir weiter auf unserem Kurs bleiben“, fordert Däuber. Das Duell am kommenden Sonntag beim Tabellendritten aus Köln dürfte dafür wegweisend sein. Dafür muss sein Team vor allem die starken Momente aus der Partie gegen Braunschweig mental konservieren. „Wir haben sicher nicht unser bestes Spiel gezeigt, aber es dennoch geschafft, phasenweise mit der besten Mannschaft Europas mitzuhalten, sie zu stoppen und zu ärgern“, zählt der Trainer auf.

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