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Mittwoch, 12.09.2018

Nieskyer Waggonbau gehört Tatravagonka

Die Slowaken bauen selbst Güterwagen und Drehgestelle. Sie werden, anders als geplant, Tarif zahlen.

Von Carla Mattern

Für seine Spezialgüterwagen ist der Waggonbau Niesky nicht nur in Europa bekannt.
Für seine Spezialgüterwagen ist der Waggonbau Niesky nicht nur in Europa bekannt.

© André Schulze

Niesky. Am Montag bestätigt Insolvenzverwalter Jürgen Wallner den Verkauf der Waggonbau Niesky GmbH an das slowakische Unternehmen Tatravagonka (SZ berichtete). Bereits am Mittwoch vergangener Woche habe es dazu den Termin beim Notar gegeben. Am Donnerstag stimmte der Gläubigerausschuss zu. Trotzdem ist der Verkauf des insolventen Güterwagenherstellers noch nicht in trockenen Tüchern. Es stehe die kartellrechtliche Zustimmung noch aus, so die Information aus dem Dresdner Büro der Unternehmensgruppe Wallner-Weiß. Etwa in zwei bis drei Wochen ist mit einer Entscheidung des Kartellamtes zu rechnen. Deshalb ist in Niesky noch nicht wirklich Jubelstimmung zu vernehmen, die Freude eher verhalten.

Aber immerhin: Tatravagonka hat dem Nieskyer Waggonbau-Werk eine Bestandsgarantie von fünf Jahren gegeben. Diese sichert für diesen Zeitraum sowohl die Zahl der Arbeitskräfte als auch den Standort. Gegenwärtig sind in dem Traditionsunternehmen 296 Mitarbeiter beschäftigt. „Bis zu 290 Arbeitsplätze der klassischen Arbeitnehmer werden voll umfänglich erhalten“, so ein Sprecher aus dem Büro WallnerWeiß. Er bestätigt, dass dazu auch die Verhandlungen der Industriegewerkschaft Metall geführt hätten.

Für einiges Aufsehen hatte während der Verkaufsverhandlungen die Ankündigung von Tatravagonka gesorgt, über eine Absenkung der Tarifverträge zu verhandeln. Angetreten waren die Slowaken mit der Forderung, die Tarife um bis zu 60 Prozent zu drücken. Für die Nieskyer Beschäftigten hätte das Lohneinbußen von bis zu 3 000 Euro jährlich bedeutet, sagt Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. „Mit dem Mandat der Nieskyer Waggonbauer habe ich in der Insolvenz bereits mit einem möglichen Investor verhandelt“, so der Gewerkschafter. Das sei eher nicht üblich. In den Verhandlungen konnte aber klargemacht werden, dass es ohne gut ausgebildete Mitarbeiter nicht gehe, und die auch gut bezahlt werden müssten. In mehreren Gesprächen sei es darum gegangen, so Jan Otto, aber erst als der Eigentümer der Tatravagonka-Gruppe dabei war, sei es zu einer Einigung gekommen. „Mit ihm kam Bewegung rein“, berichtet der IG Metall-Ostsachsen-Chef. Trotzdem müsse die Belegschaft Zugeständnisse machen, beispielsweise in diesem Jahr beim Weihnachtsgeld. Sonderzahlungen werden im kommenden Jahr an das Ergebnis gekoppelt. Ab 2020 soll der bisherige Tarif gelten.

Für den Betriebsratsvorsitzenden Peter Jurke, der bei allen Verhandlungen immer mit am Tisch saß, zählt vor allem, dass das Insolvenzverfahren endlich abgeschlossen wird. Über den Waggonbau-Betriebsrat wurden auch die Mitarbeiter informiert, über Aushänge oder mündlich. Freude darüber, dass es weitergeht, das ist eine der Reaktionen. Außerdem die Freude, dass nicht die ursprünglich schlechten Gehaltsbedingungen zum Tragen kommen. Der bisher im Waggonbau Niesky gültige Tarif liegt unter dem Flächentarifvertrag der IG Metall. Wichtig aber ist vor allem jetzt, für die Kunden ein verlässlicher Partner zu sein. Im vergangenen Jahr im August, als in Niesky das hundertjährige Jubiläum Schienenfahrzeugbau gefeiert wurde, hatte der damalige Waggonbau-Geschäftsführer angekündigt, intensiv mit der Firma Groupe Eurotunnel S. A. weiter zu verhandeln. Das Unternehmen hatte beim Vertragsabschluss im Jahr 2015 über drei Züge mit 315 Waggons eine Option mit WBN über die Lieferung von weiteren sechs Zügen abgeschlossen.

Künftig soll der Waggonbau Niesky von der Firma Eisenbahnlaufwerke Halle GmbH & Co. KG geführt werden. Das ist eine deutsche Tochter von Tatravagonka. In Halle werden Drehgestelle produziert. Tatravagonka gehört zur Optifin Invest-Gruppe. Bei der Suche nach einem Investor für den Waggonbau Niesky waren zuletzt die Güterwagenhersteller aus Poprad und der chinesische Staatskonzern China Railway Rolling Stock Corporation im Rennen.