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Sonntag, 12.08.2018

Neustart in Mücka

Aus Bayern wechselt Lehrerin Katharina Schmidt nach Sachsen – und wird mit offenen Armen empfangen.

Von Carla Mattern

Katharina Schmidt unterrichtet jetzt an der Comenius-Oberschule in Mücka. Sie ist aus Nürnberg zurückgekehrt in die Oberlausitz.
Katharina Schmidt unterrichtet jetzt an der Comenius-Oberschule in Mücka. Sie ist aus Nürnberg zurückgekehrt in die Oberlausitz.

© André Schulze

Mücka. Schulleiter Torsten Weiß frohlockte bereits vor Schuljahresende bei der Aussicht auf eine neue Lehrerin für die Comenius-Oberschule in Mücka. Aber der Mann war „vorsichtig-optimistisch“, wie er das ausdrückt. Mittlerweile steht fest, dass zu dem 23 Lehrerinnen und Lehrer zählenden Kollegium in Mücka nun auch Katharina Schmidt gehört.

Die 34-Jährige steht am Montag zum ersten Mal vor Schülern – in Mücka. Denn sie ist – wie es in Sachsen heißt, grundständig ausgebildet. Nach dem Abitur ging Katharina Schmidt nach Nürnberg, studierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg an der erziehungswissenschaftlichen Fakultät. „Ich wollte damals was anderes sehen und einen Ortswechsel“, begründet Katharina Schmidt, warum sie nach dem Abitur in Bautzen wegging. Dass sie jetzt wieder zurück in die Oberlausitz kommt, hat mit dem neuen Zuhause für ihre Familie zu tun. Nach zehn Jahren in Nürnberg lebt sie jetzt mit Partner und Sohn in Guttau im Haus ihrer Großmutter. Das Haus haben sie nach dem Tod der Oma gekauft – und die Verwandten seien froh, dass es in der Familie bleibt. „Als Kind bin ich in Guttau großgeworden. Das ist mir sehr vertraut. Wir wohnen jetzt in einem Urlaubsgebiet. Bisher sind wir hierher in die Ferien gefahren. Unser Sohn freut sich total – er hat jetzt einen eigenen Garten und bald auch ein Baumhaus“, sagt sie.

Nur eine Woche Ferien von der Schule hatte Katharina Schmidt in diesem Jahr. Denn als verbeamtete Lehrerin in Bayern hörte sie in Nürnberg am 27. Juli auf, um hier in Sachsen am 6. August in die Vorbereitungswoche zu starten. Deutsch, Geschichte, Ethik ist ihre Fächerkombination. In Mücka unterrichtet sie Deutsch in den fünften, sechsten und achten Klassen, Ethik in allen Klassen. Gerade in Ethik muss sie sich einarbeiten, aber auch sonst gebe es einige Unterschiede zum Lehrplan in Bayern. Dort werde das Schuljahr auch langsam gestartet mit Veranstaltungen, Klassenfahrten. „Hier gehts sofort mit Unterricht los“, sagt sie.

Aber nicht für alle. Bei einem Begrüßungsfest am Donnerstagnachmittag waren die Fünftklässler schon ein erstes Mal in der Comenius-Schule. Während Väter und Mütter bei der ersten Elternversammlung Infos und Schulbücher bekamen, nahmen ältere Schüler als Paten die neuen in Empfang. Eine schöne Tradition. Katharina Schmidt allerdings war nicht dabei, sie räumte noch einige Umzugskisten aus. Und bereitete sich auf den Schulanfang vor. Denn auch für ihren Sohn Leander beginnt am Montag ein neuer Lebensabschnitt. Er geht in Malschwitz in die Grundschule. „Ich wurde nicht nur in Mücka mit offenen Armen empfangen, ebenso in Malschwitz“, erzählt die 34-Jährige. Leander ist sozusagen der Klassenteiler, weil er als 30. Kind an der Grundschule angemeldet wurde, werden zwei erste Klassen gebildet.

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Bei aller Vorfreude auf den Schulstart: Einfach wird er auch in diesem Jahr nicht. Gerade hat Sachsens Kultusminister Christian Piwarz verkündet, dass sachsenweit 230 Lehrer fehlen, der Lehrermangel im Bereich des Regionalschulamtes Bautzen mit 73 offenen Stellen besonders groß ist. Trotz der neuen Kollegin ist auch in Mücka alles andere als heile Welt. Insgesamt vier Varianten des Stundenplans waren nötig, um jetzt am Montag die 285 Mädchen und Jungen in Mücka unterrichten zu können. Eine Rothenburger Lehrerin wird Deutsch in Mücka unterrichten. Eine an die Förderschule nach Niesky gewechselte Lehrerin wird weiter in Mücka Musik geben. Von den drei Lehrerinnen, die mit dem Schuljahresende in Rente gegangen sind, kommt eine wöchentlich acht Stunden, um in ihrer bisherigen Klasse weiter Mathe zu unterrichten. Eine andere Lehrerin, die schon länger im Ruhestand ist, kommt sogar für 14 Wochenstunden an die Oberschule. „Da gibt es einen pädagogischen Hintergrund: Sie denken an die Kinder“, sagt Schulleiter Torsten Weiß.

Trotzdem müssen auch an der Comenius-Oberschule Kürzungen im Grundbereich vorgenommen werden, also in Fächern wie Deutsch, Mathe, Englisch oder auch im Fach Wirtschaft, Technik, Haushalt. WTH unterrichtet neben Torsten Weiß nur ein weiterer Lehrer an der Oberschule in Mücka. Zwar seien die Kürzungen gering, von fünf auf vier Wochenstunden, in Englisch nur in einzelnen Klassen. Aber es bleiben Kürzungen. Der Stundenplan sei eine logistische Leistung, so der Schulleiter.

Er verantwortet als beauftragter Schulleiter jetzt auch die Oberschule in Malschwitz. Der bisherige Schulleiter ist regulär zum Schuljahresende in den Ruhestand gegangen, der Stellvertreter erkrankt. Es gibt zwar Bewerber für den Schulleiterposten in Malschwitz, wie Angela Ruscher vom Landesamt für Schule und Bildung bestätigt, aber das Auswahlverfahren sei noch nicht abgeschlossen.Kommentar