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Mittwoch, 07.11.2018

Neustadt will sich weiter gegen Windkraft wehren

Trotz kritischer Naturschutz-Gutachten sollen am Wachberg in Neustadt neue Windräder entstehen. Notfalls mit Sondergenehmigung.

Von Nancy Riegel

Vier 200 Meter hohe Windräder könnten am Wachberg in Rückersdorf gebaut werden, wenn dies im Regionalplan so festgeschrieben wird. Noch stehen dort zwei kleinere Anlagen.
Vier 200 Meter hohe Windräder könnten am Wachberg in Rückersdorf gebaut werden, wenn dies im Regionalplan so festgeschrieben wird. Noch stehen dort zwei kleinere Anlagen.

© Symbolfoto: Steffen Unger

Neustadt. Die diesjährige Neustädter Einwohnerversammlung fand am Montagabend im Ortsteil Rückersdorf statt. In dem 300-Seelen-Dorf sorgt ein Thema seit Jahren für Zündstoff, und wird es auch weiterhin: die Windenergie. Kommende Woche wird die aktuelle Version des Regionalplans veröffentlicht, in der unter anderem festgelegt wird, wo und wie viele neue Windräder gebaut werden dürfen. Am Wachberg in Rückersdorf sind vier Anlagen mit einer Höhe von 200 Metern vorgesehen. Jeglicher Protest seitens der Bürger und der Stadtverwaltung konnte an dieser Planung nichts ändern.

„Ich habe das Gefühl, dass die von uns eingereichten Naturschutzgutachten überhaupt nicht gelesen wurden“, sagte Bürgermeister Peter Mühle (NfN) am Montag vor den rund 50 Neustädtern, die der Einladung zur Versammlung gefolgt waren. Zwar ist die neue Version des Regionalplans noch nicht einsehbar, wohl aber das Abwägungsprotokoll. In diesem sind alle eingereichten Stellungnahmen aufgeführt und ob diesen gefolgt wird – oder nicht. So lehnt die Grüne Liga Sachsen den Standort Rückersdorf für neue Windkraft ab, weil laut ihrem Gutachten Rotmilane in unter einem Kilometer Entfernung brüten.

In seiner Abwägung bestätigt der Planungsverband, dass brütende Milane in den vergangenen fünf Jahren in Rückersdorf nachgewiesen wurden. Den Neubau von Windrädern soll das aber nicht behindern. „Es wurde auf ein sehr hohes Konfliktpotenzial hinsichtlich des Rotmilans hingewiesen, sodass eingeschätzt wurde, dass voraussichtlich eine artenschutzrechtliche Ausnahmeregelung erforderlich wird“, heißt es in dem Schreiben. Weiterhin wird aufgeführt, dass nicht unbedingt Windräder Schuld sein müssen, wenn Brutplätze aufgegeben werden, zumal der Rotmilan über sogenannte Wechselhorste verfüge.

Die Bürgerinitiative „Wir für Natur“ Rückersdorf kündigte an, sich zusammen mit der Stadt Neustadt an der erneuten Auslegung mit einer weiteren Stellungnahme zu beteiligen. Peter Mühle rechnet damit, dass die Zurückweisung weiterer Windkraftflächen am Wachberg dieses Mal Gehör finden wird. „Landrat Michael Geisler will sich dafür einsetzen, dass unsere Stellungnahme Beachtung findet“, sagt er. Geisler, Vorsitzender des Regionalen Planungsverbands Oberes Elbtal/Osterzgebirge, war es allerdings auch, der den Neustädtern bei der September-Sitzung des Planungsverbandes kein Rederecht einräumen wollte, als diese eine Stellungnahme zur Windkraft in Rückersdorf verlesen wollten.

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