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Donnerstag, 14.06.2018

Neumarktwächter üben scharfe Kritik an neuen Hochhäusern

Der Verein sieht die Stadtsilhouette gefährdet und verlangt eine öffentliche Debatte.

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Auch am Großen Garten soll ein Hochhaus entstehen.
Auch am Großen Garten soll ein Hochhaus entstehen.

© René Meinig

Vierzehn Geschosse soll das neue Hochhaus am Hauptbahnhof zählen. Drewag und Enso wollen sich dort eine neue Firmenzentrale bauen. Noch eins drauf setzt der Bauherr am Straßburger Platz. Und auch am Lennéplatz ist ein Fünfzehngeschosser geplant. Über den neuen Hochhaus-Boom kann sich die Gesellschaft Historischer Neumarkt so gar nicht freuen. „Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, die Hochhausbauten würden willkürlich zugelassen“, schreibt Vereinsvorstand Torsten Kulke in einem Offenen Brief an Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne).

Insbesondere die geschützten Blickbeziehungen von der historischen Innenstadt auf die Elbhänge und von den Elbhängen auf die Stadtsilhouette seien von herausragender Bedeutung. „Sie bilden mit der überwiegend offenen Bauweise, in der Einzelhäuser überwiegen, ein besonderes Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt Dresden und sind deshalb besonders schützenswert.“ Größere Grünflächen würden den Eindruck von Offenheit und Weite vertiefen und darüber hinaus für frische Luft sorgen. „Auch wenn aus Investorensicht die maximale Bebaubarkeit von Grundstücken eine wesentliche Bedeutung hat und Antriebsmotor ist, darf die Landeshauptstadt nicht den Gesamtzusammenhang aus dem Blick verlieren“, so Kulke.

Er fordert im Namen der Neumarktgesellschaft den Nachweis, dass durch die geplanten Hochhäuser die Blickbeziehungen, die in den Gestaltungsgrundsätzen festgeschrieben seien, nicht weiter beeinträchtigt werden. Dies sei aus denbisher bekannten Unterlagen nicht ersichtlich. Außerdem solle die Stadt alle geplanten Hochhaus-Standorte bekannt geben.

Zumindest ein weiteres Vorhaben ist bekannt. In Rahmen eines Ideenwettbewerbs hatte sich die Stadt im vergangenen Jahr dafür ausgesprochen, den Ostteil des Wiener Platzes mit einem Hochhaus zu bebauen. 50 Meter soll es groß sein. Einen konkreten Zeitplan gibt es bisher aber ebenso wenig wie einen Investor. (SZ/sr)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 19 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. W H

    Irgendwie erinnert mich das ganze sehr stark an München: Vor ca. 15 Jahren wurde dort eine Gebäudehöhebegrenzung eingeführt, der Bau von noch mehr Wohnraum durch noch höhere Bauten war nicht mehr möglich und heute sind die Mieten dort wegen Wohnungsmangel die höchsten. In Dresden versucht man einem solchen Wohnungsmangel zu begegnen, indem die wenigen noch verbliebenen Bauflächen ideal genutzt werden (auch in der Höhe). Dabei gibt es in Dresden ohnehin schon Hochhäuser. Was soll bei weiteren Hochhäusern noch Schaden nehmen? Außerdem: Bei Hochhäusern bleiben durch die obligatorischen breiteren Abstandsflächen Grundflächen erhalten, bei kleinteiliger Bebauung wird die Grünfläche auf ein Minimum reduziert - da kommt erst recht keine frische Luft mehr durch die Stadt. Der Neumarkt ist schön dort, wo er ist, er muss sich meiner Meinung nach aber nicht über die ganze Stadt erstrecken. Soll Dresden ein teures Museum werden oder eine familienfreundliche grüne Stadt bleiben?

  2. StS

    Ich verstehe die Aufregung nicht, es stehen genügend 17-Geschosser aus DDR Zeiten in der Stadt, die immernoch höher sind als die geplanten (modernen) Hochhäuser. Wieso stört sich da keiner dran? Am Lennéplatz stehen dem geplanten 15-Geschosser bereits 2 (!) 17-Geschosser aus DDR Zeiten gegenüber, die auch nach dem Neubau immernoch größer sind. Aber DDR wahrscheinlich werden die großen DDR-Bauten mittlerweile auch als historisch angesehen ...

  3. Viel Lärm um nichts

    Was man Straßburger Platz noch verschlimmern kann, erschließt sich mir nicht. Autofabrik, Einkaufklotz, Wohnhochhäuser. Und nun noch ein Hochhaus dazu. Nicht schlimm. Die schönen Häuser des Botanischen Gartens wurden bis heute nicht wieder aufgebaut bzw. saniert. Was also woll man schützen? Bei den anderen Standorten sieht es ähnlich aus.

  4. Friedemann

    Die GHDN hat sich bleibende Verdienste um die Rekonstruktion historischer Bausubstanz erworben. Bei Neubauten ist sie schlichtweg nicht kompetent. Allerdings sollten Hochhäuser Hingucker sein. Bei unserer Baubereich ist allerdings eher zu befürchten, dass sie den Charme der im Umfeld existierenden Hochbauten noch unterbieten.

  5. Wolfram Kügler

    Zunächst möchte ich Hr.Kulke und seiner Gesundheit danken, dass er sich so wunderbar für Neumarkt und jetzt für das Elbufer/NeustMarkt einsetzt. Aber er sollte jetzt “bei seinem Leisten“ bleiben. Eine Einschränkung wegen Hochhäusern gabs ja schon beim WTC, statt 100 nur 50 m. Nun sollte es genug sein. Danke.

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