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Freitag, 29.06.2018

Neuling überrascht beim Sommerpreis der Steher

Von Daniel Förster

Steherfahrer Tom Hoffmann (l.) vom SSV Heidenau und Schrittmacher René Kluge vom SSV Heidenau fuhren beim Sommerpreis der Steher auf das Siegerpodest.Foto: Daniel Förster
Steherfahrer Tom Hoffmann (l.) vom SSV Heidenau und Schrittmacher René Kluge vom SSV Heidenau fuhren beim Sommerpreis der Steher auf das Siegerpodest. Foto: Daniel Förster

© Daniel Förster

Darauf hat das Publikum im Heidenauer Beton-Oval sehnsüchtig gewartet: Endlich mal wieder ein Radrennfahrer in den Farben des heimischen SSV auf dem Podest. Zuletzt war das im Oktober 2015 Steffen Kaiser als Drittplatzierter geglückt. Der Heidenauer hatte aber ein Jahr darauf seine aktive Laufbahn beendet. Nun freuten sich die Zuschauer beim Sommerpreis der Steher über und mit Tom Hoffmann.

Völlig überraschend wurde der 22-jährige Steher-Neuling nach der Runden-Hatz vor wenigen Tagen Gesamt-Dritter. So wie der gebürtige Großenhainer an der Rolle und im Windschatten des Heidenauer Tempogebers René Kluge den anderen Gespannen Paroli bot und gegenhielt, sorgte er mehrmals für Erstaunen.

Besonders wurde Hoffmann, der erstmals mit Kluge über die Betonpiste rauschte, im von den Kommissären von 25 auf 30 Kilometer (120 Runden) verlängerten dritten und letzten Lauf umjubelt. Den hatte er in einer knappen Entscheidung gewonnen.

Im letzten Viertel gab er noch mal „richtig Gas“ – so stark, dass er seine ärgsten Kontrahenten, den Rostocker Stefan Lange vom „Bike Market“-Team und den Berliner Marcel Bartsch von der Sportvereinigung Zehlendorfer Eichhörnchen abhängte – und bis auf diese beiden Verfolger die verbliebenen vier Gespanne sogar zweimal überrundete. „Die letzten Runden waren sehr anstrengend“, sagte der Zerspanungsmechaniker, der für sich resümiert „an dem Tag eine gute Form“ gehabt zu haben. Er gab zu, sich vor allem auf das Finale konzentriert zu haben.

Bescheiden erklärte Hoffmann: „Mein Schrittmacher hat eine super Linie gefahren. Damit bin ich gut zurechtgekommen.“ Dass er im Schlussspurt letztlich die Nase vorn hatte, wäre auch einem Glücksumstand zu verdanken gewesen.

Damit spricht er auf die Situation an, dass die von ihm Überrundeten auf den letzten Runden kurz vor dem Trio an der Spitze fuhren und Marcel Bartsch, der ebenso wie Lange zu Hoffmann aufgeholt hatte, während seiner finalen Attacke von der Rolle ging und dadurch auch Lange behinderte. Nur jeweils einen Punkt trennten die drei in der Schlusswertung.

Im Hinblick auf seinen Rennfahrer steht für Schrittmacher Kluge fest: „Der Junge hat Talent.“ Das war übrigens auch Ex-Weltmeister Rainer Podlesch, ehemals Bundestrainer, aufgefallen. Der hatte das Geschehen vom Fahrerlager aus beobachtet und beiden empfohlen, bei der Deutschen Steher-Meisterschaft, die am 10. und 11. August in Chemnitz ausgetragen wird, zu starten. Das Gespann sagte spontan zu.

Den Sommerpreis am Sonntag gewann indes Stefan Lange. „Alle guten Dinge sind drei – und ich bin jetzt das dritte Mal hier“, sagte der 29-Jährige. Für den BWL-Studenten hat es sich in den zurückliegenden Monaten gelohnt, in Heidenau bei einem Steherrennen mitzumischen: Bei seinem Debüt in der Elbestadt im vorigen Herbst Dritter, in diesem Frühjahr Zweiter und nun Sieger – so seine stetig verbesserte Bilanz.

Nach einem Triumph im ersten Lauf über 15 Kilometer (60 Runden) und einem zweiten Platz über die spontan von der Jury aufgerufenen „unbekannte Distanz“ von letztlich 16,5 km (66 Runden) reichte ihm und Schrittmacher-Ikone Peter Bäuerlein aus Nürnberg im Finallauf ein dritter Rang für den Gesamterfolg. „Das war alles in allem recht sportlich“, resümiert Lange, der den Berliner Marcel Bartsch hinter Gerd Gessler aus Nürnberg im Gesamtklassement auf den zweiten Platz verwies.

Die Kommissäre hatten am Renntag die Sportler und die Besucher gleich zweimal überrascht. Spontan hatten sie den zweiten Lauf zur unbekannten Distanz ausgeschrieben und den dritten Lauf verlängert. Das garantierte zusätzliche Spannung bei den Positionskämpfen. Die Veränderung machte Sieger Lange keine Probleme: „Schwierig wird es, wenn die Glocke ertönt und es sind nur noch zehn Runden zu fahren, und man hängt hinten fest und hat keine Möglichkeit mehr, nach von zu fahren.“

Obwohl es am Vormittag nicht so aussah, das Wetter spielte mit. Trotz Kälte hat es wenigstens nicht geregnet, war der sportliche Leiter Wilfried Kluge vom gastgebenden SSV Heidenau nach dem Rennen froh. Die dunkle Regenfront, die am Nachmittag aus Nordwesten auf Heidenau zusteuerte, hatte sich vor Dresden geteilt und rechts und links der Elbe einen trockenen Streifen gelassen, sodass die Steherrennen samt Programm planmäßig stattfanden.