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Donnerstag, 07.06.2018

Neue Talente für sächsische Bobs gesucht

Von Stephan Klingbeil

Die Schlitten stehen bereit: Schon im kommenden Winter könnten neue Talente durch die Altenberger Bobbahn düsen.Foto: Robert Michael
Die Schlitten stehen bereit: Schon im kommenden Winter könnten neue Talente durch die Altenberger Bobbahn düsen.Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Quereinsteiger sind genauso willkommen wie Anhänger von Funsportarten. Dass man schon in Bob- oder Rodelschlitten die Eisbahn hinunter gedonnert ist, sei laut den Organisatoren jedenfalls keine Bedingung, um beim zweiten Bob-Casting nach 2014 teilzunehmen. Am Sonnabend, dem 16. Juni, sucht der Landesverband RBSV nahe und auf der Altenberger WM-Bahn von 2020 erneut Talente, die sich in den kommenden Jahren für Olympia empfehlen könnten (SZ berichtete).

„Anders als es zunächst in den Pressemitteilungen hieß, suchen wir bei diesem Casting nicht nur mögliche künftige Bobfahrerinnen, sondern es können auch Männer teilnehmen“, betont Stützpunktrainer Andreas Zschocke. Denn nicht nur im Frauenbereich soll der Konkurrenzkampf angefeuert werden. Nach den gerade für Oberbärenburgs Bob-Asse erfolgreichen Winterspielen mit Doppel-Gold für das Team von Serien-Weltmeister Francesco Friedrich und Viererbob-Silber für Nico Walthers Crew sollen neue Talente entdeckt und am Landesstützpunkt im Kohlgrund möglichst zu Spitzensportlern geformt werden.

Denn in der zweiten Reihe hinter den Teams der momentan übermächtigen Top-Athleten Friedrich und Walther ist das Feld hoffnungsvoller Piloten und Anschieber überschaubar. Der aus Rosenthal-Bielatal stammende mehrfache Junioren-Weltmeister Richard Oelsner vom BSC Sachsen Oberbärenburg soll sich weiter an die erste Riege der deutschen Nationalmannschaft herankämpfen und den Anschluss finden. Mit dem Chemnitzer Nils Dabrust, der an seiner Pilotenausbildung feilt, und dem Ex-Rennrodler Max Illmann aus Zwickau stehen laut dem Stützpunkttrainer derzeit zwei weitere Nachwuchskräfte in der Spur. Doch der Landesverband hofft auf mehr.

Ferner ist Oelsners bester Anschieber Alex Schüller vom Nachwuchsbereich ins Team von Friedrich gewechselt. „Das er zu Franz geht, ist verständlich. So müssen wir aber jetzt für Richard einen neuen Anschieber suchen“, erklärt Zschocke. „Doch vielleicht ist ja beim jetzigen Casting einer dabei, der mit ihm bei der Junioren-WM fahren könnte, wo wir dann sagen: Der ist es.“

Prominenter Besuch kündigt sich an

Ganz ähnlich verhält es sich bei den sächsischen Bobfahrerinnen. Hier ist die Olympiavierte Stephanie Schneider beim BSC das Zugpferd im Frauenbereich. Die 27-Jährige hatte sich kurz vor den Rennen in Pyeongchang am Rücken verletzt und kämpft sich nach einer Reha in Bayern nun im Aufbautraining zurück. Sie muss aber künftig auf ihre Stamm-Anschieberin verzichten.

Die nach Berlin umgezogene Lisa Buckwitz vom SC Potsdam wechselt nach ihrem sensationellen Olympia-Gold mit der Thüringerin Mariama Jamanka selbst an die Lenkseile. Auch die Spitzen-Anschieberin, Annika Drazek vom BSC Winterberg liebäugelt mit einer Ausbildung zur Bobpilotin.

Da wollen die Sachsen nicht hintenanstehen. Gegenwärtig gibt es hier mit Sabrina Duljevic nur eine weitere Pilotin. Doch die Dresdnerin hatte sich nach einer Kreuzbandverletzung samt monatelanger Pause im vorigen Winter am Rücken verletzt – und ist noch nicht richtig fit. „Das zieht sich leider alles länger hin als vermutet“, bedauert die 21-Jährige vom BSC Sachsen. Da die Oberbärenburgerin und Vize-Juniorenweltmeisterin Lavinia Pittschaft jedoch weiter mit der Winterberger Pilotin Laura Nolte fährt und Duljevics bisherige Bremserin Lisa Sophie Gericke nach Bayern zog, sucht der RBSV auch neue Anschieberinnen. Duljevic wird wohl vorerst mit Bobhoffnung Vivian Hanusch (Halle) starten.

Um den Kader zu verbreitern, könnte das Casting am 16. Juni helfen. Ein 50-Meter-Sprint, Schlussweitsprung und Drei-Kilogramm-Medizinballwürfe bilden die Basis. Danach kann man sich am Bobanschub auf Schienen probieren. Alle Übungen werden den Teilnehmern erklärt und vorgemacht. Wer zu den vier Besten gehört, darf sich auf eine Fahrt im Sommergästebob freuen. Dann geht es für sie mit über 80 km/h auf Rädern durch die eisfreie Bahn.

Beim letzten Casting 2014, bei dem ausschließlich nach weiblichen Talenten gesucht wurde, setzte sich die Marbacherin Vivian Bierbaum durch. Sie feierte früh erste Erfolge. Doch dann stagnierte ihre Entwicklung, „vor allem im athletischen Bereich und bei den Starts“, sagt Zschocke. 2017 beendete die Altenberger Einser-Abiturientin ihre kurze Bobkarriere und studiert seither Medizin in Halle. Als Reaktion darauf schauen die Trainer bei der jetzigen Sichtung am 16. Juni verstärkt auf das athletische Niveau. Und vielleicht gibt es für die Kandidaten auch ein paar Tipps von Friedrich und Co. Der Pirnaer Champion will sein Training am Castingtag in Altenberg absolvieren. Und womöglich schauen auch noch Walther und Schneider vorbei.

Mehr zur Casting-Anmeldung: www.rbsv.de/aktuelles