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Donnerstag, 09.08.2018

Neue Fassade für alte Orangerie

Der Bau am Herzogin Garten wird Ende des Jahres beendet. In der traditionellen Freianlage können Spaziergänger flanieren.

Von Johannes Baumert

Symbolischer Akt an der Orangerie im Herzogin Garten: Bauherr Reinhard Saal mit Sohn Robin vor der Vase, die später per Kran auf das Portal gehievt wird.
Symbolischer Akt an der Orangerie im Herzogin Garten: Bauherr Reinhard Saal mit Sohn Robin vor der Vase, die später per Kran auf das Portal gehievt wird.

© Rene Meinig

Bauherr Reinhard Saal schaut nach oben, als der Kran die Steinvase auf das Portal der ehemaligen Orangerie im Herzogin Garten setzt. Es ist der Schlusspunkt der Fassadenrekonstruktion. Nur innen sind die Handwerker noch aktiv. „Bis zum Ende des Jahres werden wir hier fertig sein“, sagt Saal. Bis dahin sollen die Arbeiten an dem historischen Gebäude abgeschlossen sein, dessen Zukunft so lange unklar war.

Denn die ursprüngliche Orangerie von 1841 wurde rund hundert Jahre später bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 zerstört. Nur der Kopfbau direkt an der Ostra-Allee blieb erhalten. Er diente auch als Vorbild für die Rekonstruktion der Fassade des traditionsreichen Gebäudes.

Acht Steinmetze der Bamberger Natursteinwerke Herrmann Graser haben sie errichtet. Die Sandsteine kommen aus dem eigenen Bruch bei Lohmen in der Sächsischen Schweiz.

„Mit einem Handscanner haben wir die Formen von der alten Fassade gescannt und von den Steinmetzen übertragen lassen“, erläutert Thomas Bauer den ersten Schritt. Als Ingenieur leitet der 50-Jährige das Projekt. Auch für ihn ist der Wiederaufbau der Orangerie ungewöhnlich: „Dass man bei einem Bau so sehr ins Detail geht, haben wir sonst nicht. Das ist in dieser Form schon etwas ganz Besonderes“. Zumal es laut Bauer einer der letzten Bauten in Deutschland ist, die so aufwendig rekonstruiert werden.

Dabei sollte alles eigentlich viel früher fertiggestellt sein. 1954 wurde die Ruine der alten Orangerie abgerissen. Seitdem verging kein Jahrzehnt, in dem nicht neue Ideen für die Bebauung des Areals debattiert wurden. Schon in den sechziger Jahren wurde der Wiederaufbau der Orangerie geplant. Doch daraus wurde nichts. Die Planungen der staatlichen Kunstsammlung, die 1987 auf dem Gelände Werkstätten bauen wollte, konnte ebenfalls nicht umgesetzt werden. Auch nach der Wende scheiterte der Plan, eine Kunsthalle auf dem Areal zu bauen. Jahrelang verwilderte das Gelände gegenüber vom Zwinger.

Idee für Kulturnutzung geplatzt

Bis 2013 Investor Reinhard Saal den mittlerweile verwilderten Garten von den Wettinern kaufte. Hier hat der 66-jährige Unternehmer nun die alte Orangerie fast originalgetreu aufbauen lassen. Wegen der Bebauung hinter dem Gelände ist der Neubau aber deutlich kürzer als das Original.

Ursprünglich war geplant, die Orangerie für kulturelle Zwecke zu nutzen. Das hätten auch die Stadträte gern gesehen. Dafür hat Saal jedoch keine Interessenten gefunden. In dem Haus sollen stattdessen 13 Wohnungen mit einer Größe von bis zu 200 Quadratmetern entstehen.

Einzig der Garten, der einst zu den bedeutendsten Lustgärten Europas zählte, wird den Dresdnern offen stehen. „Es wird auch kein Eintritt verlangt werden“, versichert Bauherr Saal.

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