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Samstag, 13.10.2018

Neue B 6 kommt noch später

Der Oberbürgermeister zeigt wenig Verständnis für die Sorgen der Bürger aus Mobschatz und Umgebung.

Von Juliane Richter

An der heutigen Bundesstraße B6 in Cossebaude fühlen sich die Bewohner vom Verkehr nur noch belästigt. Eine Lösung ist mit der neuen B6, nur wenige hundert Meter entfernt, greifbar nahe. Deren Bau wird nach vielen Debatten von den Betroffenen getragen. Sie wünschen sich aber Anpassungen der Pläne.
An der heutigen Bundesstraße B 6 in Cossebaude fühlen sich die Bewohner vom Verkehr nur noch belästigt. Eine Lösung ist mit der neuen B6, nur wenige hundert Meter entfernt, greifbar nahe. Deren Bau wird nach vielen Debatten von den Betroffenen getragen. Sie wünschen sich aber Anpassungen der Pläne.

© Norbert Neumann (Archiv)

Kein Vorwort, kein Geplänkel. Die Zeit ist knapp – eine Stunde haben die Bürger am Donnerstagabend, um Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ihre Fragen zu stellen. „Ring frei“, sagt er – noch mit einem Lächeln. Der Ausspruch ist passend gewählt. Weiß Hilbert doch, dass das drängendste Thema, der Neubau der Bundesstraße B 6, in den Ortschaften im Dresdner Westen schnell in einen Kampf ausartet.

Zu viele Interessen prallen aufeinander: Jene der Bürger in Cossebaude und Stetzsch, die seit Jahren über zunehmenden Verkehr und Lärm vor ihrer Haustür klagen. Und die Interessen der anderen, die durch den Bau der geplanten neuen B6, parallel zu den Bahnschienen, betroffen sein werden. OB Hilbert hat sich Verstärkung in den gut gefüllten Dorfclub Mobschatz mitgebracht. Matthias Mohaupt, Leiter der Verkehrsentwicklungsplanung, erklärt den aktuellen Planungsstand. Schnell ist klar, dass sich das mehr als 80 Millionen Euro teure Großprojekt des Bundes zwischen der Autobahnabfahrt Altstadt und der Brücke Niederwartha noch etwas verzögert. Das bestätigt auch Werner Breinig, Projektleiter des bundeseigenen Planungsunternehmens Deges auf SZ-Anfrage. Bis zum Jahresende will die Deges die Entwurfsunterlagen an das Bundesverkehrsministerium schicken, das sein Okay geben muss. Das sollte schon viel früher passieren. „Aber Abstimmungen mit der Deutschen Bahn, die Entwässerungsproblematik am Hang und auch die Suche nach den richtigen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen haben viel Zeit gekostet“, sagt Breinig.

Deshalb wird das Planfeststellungsverfahren nun vermutlich nicht mehr 2019, sondern wohl erst 2020 beginnen. Das sei das wichtige Verfahren für die Bürger, sagt nicht nur Breinig, sondern wiederholt auch der städtische Verkehrsplaner Mohaupt bei der Versammlung in Mobschatz gebetsmühlenartig. An diesem Punkt könnten Einsprüche geäußert und auch ohne Not Änderungen in die Pläne eingearbeitet werden. So bezieht sich Werner Breinig von der Deges noch einmal auf die Frage der Straße „Am Hang“. Diese sollte eigentlich ausgebaut werden, um das Tierheim Stetzsch anzubinden. Denn dessen heutige Zufahrtsstraße soll mit dem B6-Neubau gekappt werden. Nur wollen viele Bürger nicht, dass die Straße „Am Hang“ ausgebaut wird. Denn das würde zulasten einiger Grundstücke und Kleingärten gehen. Die Idee: Das Tierheim soll verlegt werden. Die Stadtverwaltung sucht eine neue Fläche, laut Mohaupt im gesamten Stadtgebiet. Eine endgültige Lösung gibt es noch nicht. „Wir befürworten das. Dann brauchen wir die Straße Am Hang nicht auszubauen. Das ist eine Kettenreaktion“, sagt Breinig von der Deges. Darauf, bis diese Detailfrage geklärt ist, könne er aber nicht warten. Diese Änderung werde auch später eingearbeitet.

Die Bürger haben trotz aller Beteuerungen die Angst, dass ihre Einwände später nicht mehr erhört werden. Viele befürchten im „Oberland“, vor allem in Mobschatz und Merbitz, abgehängt zu werden. Denn die bisherigen Zufahrten von der alten B6 können in ihrer jetzigen Form nicht beibehalten werden, weil dann eben die neue B6 neben den Bahnschienen liegt und viel Raum einnimmt.

Peter Bartels, Sprecher jener Bürgerinitiativen, die Veränderungen an den Planungen für die neue B6 will, attackiert den OB. Mit falschen Aussagen sei das Vorhaben in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen worden. Dort werde der Anschein erweckt, dass es durch den Bau keine direkt betroffenen Bürger gibt. Das stimme aber nicht, sagt Bartels und sieht den Rechtsstaat in Gefahr. Die Bürgerinitiativen sind für den Neubau der B6, fordern aber „Erleichterungen“. So soll die Überfahrt am Urnenfeld auch weiterhin für Autos möglich sein.

Hilbert, mit verschränkten Armen dasitzend, äußert sich nicht im Detail zu den Vorwürfen. Er sieht den Widerstand der Bürger aber kritisch: „Es ist immer so, dass jeder natürlich seine Rechte wahrnehmen kann. Aber am Ende verlängert das alle Thematiken. Wir bauen heute nichts mehr. Gerade Anfang der 90er-Jahre waren wir viel pragmatischer unterwegs – da ist auch was passiert. Heute macht hier jeder seine Maximalforderungen auf und am Ende des Tages torpedieren wir uns.“

Eine Zuhörerin entgegnet enttäuscht, dass sich die Menschen durch die Bürgerinitiativen auf eine konsolidierte Meinung geeinigt haben. Von einzelnen Maximalforderungen könne keine Rede sein. Man hoffe einfach, Gehör zu finden. Hilbert verweist relativ ungerührt auf gesetzliche Anforderungen, die einzuhalten sind. „Dass hier nach Lösungen gesucht wird, ist ja ausgeführt worden“, sagt er.

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