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Montag, 11.06.2018

Neue Altenpflege-Schüler fühlen sich wohl

Nach dem Ende bei der Datey-Schule in Weißwasser geht es für einige Auszubildende am BSZ weiter.

Von Hagen Linke

Die amtierende Schulleiterin Petra Weidner (sie opferte sich für den Platz auf der Liege) und Lehrerin Andrea Waurig (stehend rechts) inmitten der AP 17.
Die amtierende Schulleiterin Petra Weidner (sie opferte sich für den Platz auf der Liege) und Lehrerin Andrea Waurig (stehend rechts) inmitten der AP 17.

© Hagen Linke

Weißwasser. Als es um das Zeitungsfoto geht, ist schnell jemand gefunden, der sich in eines der fünf Pflegebetten legt: die amtierende Schulleiterin Petra Weidner. Die Frauen und Männer, die sich im Halbkreis um sie herum aufgestellt haben, sind noch recht neu am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) in der Jahnstraße in Weißwasser. Neun Schüler gehören zur „AP 17“. Das heißt, sie haben 2017 ihre Altenpflegeausbildung aufgenommen. Und so hat das Foto auch einen Symbolwert. „Wir sind dankbar, dass wir als Klasse so gut aufgenommen wurden“, heißt es. Denn bewegte Zeiten liegen hinter den Schülern.

Mitten im Schuljahr gewechselt

Eigentlich wollte das BSZ erst im September dieses Jahres mit der Altenpflegeausbildung starten. Beim Tag der offenen Tür Anfang Februar konnte die Zulassung durch das Landesamt für Schule und Bildung verkündet werden. Doch dann ging alles recht schnell, auf Grund der Probleme einer anderen Schule. Das Amt entzog der freien Berufsfachschule Datey e. V. in Weißwasser die Genehmigung zur Ausbildung. Als Gründe nannte es unter anderem mangelndes fachlich qualifiziertes Lehrpersonal, Mängel in der Vermittlung des Unterrichtsstoffes und die Nichtabsicherung der Abschlussprüfung durch Lehrkräfte der Berufsfachschule (Die SZ berichtete von den Vorgängen).

Die neun Schüler der AP 17 nahmen die Empfehlung an, mitten im Schuljahr an das BSZ zu wechseln. „Wir haben gemerkt, dass sie sehr verunsichert waren“, sagt Petra Weidner. Aber auch für die Schule war der plötzliche Umstieg eine Herausforderung, die aber gut gemeistert werden konnte. Gänzlich neu war das Thema Altenpflege an der Schule natürlich nicht. So befassen sich zum Beispiel auch die angehenden Krankenpflegehelfer mit diesem Thema. Zum 1. April begann eine neue Medizinpädagogin mit ihrer Arbeit an der Schule, und Kollegin Andrea Waurig, die zuvor an das BSZ in Görlitz teilabgeordnet worden war, kehrte zurück und freut sich darüber, nun auch in Weißwasser Altenpfleger unterrichten zu dürfen.

Etwa 800 Schülerinnen und Schüler lernen in der Jahnstraße in den Fachbereichen Holz, Metall, Elektrotechnik, Fachoberschule, Pflege und Soziales. Die „Neuen“ fielen auf, obwohl sie so wenige waren. „Manche dachten, wir sind die Lehrer“, sagt Katrin König, die selbst eine 16-jährige Tochter hat. Die Mischung aus Jugendlichen und Erwachsenen bis Mitte 40 kommt gut an in der kleinen Klasse. „Wir können auch viel voneinander lernen“, sagt Katrin König, die bereits Erfahrung in der Altenpflegehilfe hat. Sie ist eine der UmschülerInnen in der Klasse. Andere waren zuvor Verkäuferin oder Bürokauffrau. Nun erwerben sie vielfältigste sozialpädagogische und pflegerische Kompetenzen. Gelernt wird in größeren Blöcken an der Schule und im praktischen Teil in den jeweiligen Ausbildungsbetrieben. Katrin König sagt, der Umgang mit alten Menschen sei für sie genau das Richtige. „Wir wollen die Lebensfreude erhalten oder wiedergeben“. Die Ausbildung am BSZ finden sie abwechslungsreich. Zum 1. September startet eine neue Altenpflegeklasse mit rund 20 Schülern. Und der Jahrgang danach ist der letzte, der als „klassische“ Altenpflege-Klasse beginnt. Mit dem 2017 beschlossenen Pflegeberufegesetz werden ab 2020 die Ausbildungen in der Kranken- und Kinderkrankenpflege einerseits und Altenpflege andererseits zusammengelegt. Neben dem generalistischen Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ und „Pflegefachmann“ können Azubis künftig mit Vertiefung im Bereich Alten- oder Kinderkrankenpflege für das dritte Lehrjahr auch eine Spezialisierung mit dem Abschluss „Altenpfleger/in“ oder „Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in“ wählen.

BSZ stellt sich noch breiter auf

Koordiniert wird die Umstellung durch das Landesamt. „Wir sind in die Veränderungen fließend eingebunden“, sagt Petra Weidner. Um nach guter, erfolgreicher Ausbildung eine Arbeitsstelle zu bekommen, müssen sich die Frauen und Männer der AP 17 am BSZ wohl keine Sorgen machen. Die Nachfrage ist groß. „Heute müssen die Arbeitgeber kämpfen, damit die Schüler bleiben“, sagt Katrin König.

Was die Klasse AP 17 nach dem Wechsel ihrer Schule alles am BSZ gelernt hat, wird sie neugierigen Besuchern beim nächsten Tag der offenen Tür zeigen. Der Termin, der 9. Februar 2019, steht schon fest. Im Zusammenhang mit der geplanten Schließung der Ausbildungsstätte der Leag in Boxberg, mit der das BSZ kooperiert, stellt Petra Weidner klar, dass ihre Schule nicht direkt davon betroffen ist. Das Gerücht, das BSZ würde schließen, stimme natürlich nicht. „Nein, im Gegenteil: Das BSZ in Weißwasser stellt sich durch den Bildungsgang der Berufsfachschule Altenpflege noch breiter auf, als es schon ist“, sagt sie.