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Dienstag, 09.10.2018

Nervenkitzel bei 600 Grad

Erstmals probte die Feuerwehr im Brandcontainer den Ernstfall. Für weitere Übungen muss ein neuer Standort her.

Von Nancy Riegel (Text) und Steffen Unger (Fotos)

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Wird die Tür im Inneren des Brandcontainers geöffnet, lodern Flammen über die Köpfe der Kameraden. Das Szenario gleicht einem Wohnungsbrand.
Wird die Tür im Inneren des Brandcontainers geöffnet, lodern Flammen über die Köpfe der Kameraden. Das Szenario gleicht einem Wohnungsbrand.

© Steffen Unger

An den dicken, schwarzen Rauchschwaden erkennen die Feuerwehrleute, dass sich das Feuer ausgebreitet hat. Der Container ist nun bereit für die Simulation.
An den dicken, schwarzen Rauchschwaden erkennen die Feuerwehrleute, dass sich das Feuer ausgebreitet hat. Der Container ist nun bereit für die Simulation.

© Steffen Unger

Im Inneren des Containers gibt es eine Kammer, in der sich Holzpaletten und anderes brennbares Material befinden. Die Ausbilder entzünden in dem Raum ein Feuer.
Im Inneren des Containers gibt es eine Kammer, in der sich Holzpaletten und anderes brennbares Material befinden. Die Ausbilder entzünden in dem Raum ein Feuer.

© Steffen Unger

Bei 600 Grad kommt man schon mal ins Schwitzen, so wie Chris Kretschmer von der Feuerwehr Langburkersdorf nach seinem Einsatz.
Bei 600 Grad kommt man schon mal ins Schwitzen, so wie Chris Kretschmer von der Feuerwehr Langburkersdorf nach seinem Einsatz.

© Steffen Unger

Neustadt. Wenn der Rauch pulsiert, in schwarzen Wolken aufsteigt, ist es unerträglich heiß. Dann ist es für die Kameraden der Feuerwehr besonders gefährlich, die Tür zu öffnen – das gilt bei einem Brandübungscontainer ebenso wie bei einer brennenden Wohnung. „Die Kameraden müssen lernen, den Rauch zu lesen“, sagt Neustadts Gemeindewehrleiter Holger Heckmann. Sonst ist ihr Leben in Gefahr. Genau deshalb wurden am Wochenende erstmals Kameraden der Neustädter Wehr im Brandübungscontainer ausgebildet.

In diesem unscheinbaren Metallgehäuse kann ein sogenannter Flashover simuliert werden. Dies bezeichnet die schlagartige Ausbreitung eines Feuers in einem Raum hin zu einem großen Brand. Diesen zu löschen, erfordert Erfahrung, die die Freiwilligen oft nicht mitbringen. „Die Zahl der Wohnungsbrände nimmt ab, was eine gute Entwicklung ist. Allerdings haben die Kameraden so kaum Übung für den Ernstfall“, erklärt der Gemeindewehrleiter.

Die Stadt Neustadt investierte deshalb bereits vor rund drei Jahren in den Brandübungscontainer, der an der Bischofswerdaer Straße im Ortsteil Niederottendorf aufgestellt wurde. Doch erst jetzt fand die erste richtige Übung statt. Sieben Kameraden aus Neustadt, die hauptberuflich bei Feuerwehren arbeiten, wurden von einem Ausbilder der Berufsfeuerwehr Wiesbaden in den Container eingewiesen. Ab kommendem Jahr sollen sie mit diesem Wissen ihre Mitstreiter anleiten können.

Der Container besitzt im Inneren eine Kammer, in der ein Feuer entfacht wird. Bis zu 600 Grad wird es dadurch heiß, wie in einer brennenden Wohnung. Die Kameraden dürfen sich nur am Boden kriechend fortbewegen, um sich vor der unerträglichen Hitze und den an der Decke lodernden Flammen zu schützen. „Bei der Übung ging es vor allem darum, sich an die Hitze zu gewöhnen und die Nerven zu bewahren. Bei 600 Grad, einer Maske im Gesicht und schwerer Kleidung fällt die Orientierung schwer“, erläutert Holger Heckmann.

Die erfahrenen Feuerwehrleute wissen zwar, wie man sich bei einem Wohnungsbrand verhält, doch für die Auffrischung und das praxisnahe Ausprobieren waren alle dankbar. „Und natürlich ist da auch Nervenkitzel dabei.“ Heckmann hofft, dass der Container nächstes Jahr öfters angeheizt werden kann, damit alle Atemschutzträger aus Neustadt und später vielleicht auch die Wehren aus den Nachbargemeinden geschult werden können. Allerdings sei dies an diesem Standort nur schwer möglich, weil direkt daneben Wohnhäuser stehen. Auch gibt es keine sanitären Anlagen vor Ort. „Die Stadt sucht mit Hochdruck nach einem neuen Standort“, berichtet der Gemeindewehrleiter.

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