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Samstag, 13.10.2018

Naturschutzstation soll nach Wolfsangriff schnell entschädigt werden

Ministerpräsident Kretschmer sagt Förstgen Hilfe zu. Außerdem will er im Bundesrat schon in Kürze eine Initiative starten.

Von Frank-Uwe Michel und Steffen Gerhardt

Sie haben etliche ihrer Artgenossen an den Wolf verloren. Die Naturschutzstation in Förstgen soll jetzt schnell entschädigt werden.
Sie haben etliche ihrer Artgenossen an den Wolf verloren. Die Naturschutzstation in Förstgen soll jetzt schnell entschädigt werden.

© André Schulze

Förstgen. Eilig hatte es Michael Kretschmer am gestrigen Freitag. Auf seinem Terminplan standen verschiedene Besuche in der Heimatregion. Einen ganz wichtigen hatten die Lausitzer Wölfe quasi mit hineingeschoben. Durch ihren Angriff auf eine Schafs- und Ziegenherde des in Förstgen ansässigen Fördervereins für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft in der Nacht von Montag zu Dienstag bemühte sich der Ministerpräsident vor Ort gleich selbst um Schadensbegrenzung.

Wichtigstes Ergebnis für die Mitarbeiter der Naturschutzstation: Der Schaden mit 90 toten beziehungsweise vermissten Tieren soll schnell geregelt werden. Damit habe er seinen zuständigen Minister beauftragt, bekräftigt der sächsische Ministerpräsident gegenüber der SZ.

Für die Leiterin der Naturschutzstation, Annett Hertweck, ist das ein wichtiger Punkt. Ein anderer, den sie ansprach, umfasst die Präventions- und Herdenschutzmaßnahmen für die Nutztierhalter. Diese sollen künftig zu 100 Prozent gefördert werden, das ist ihre Forderung. Bisher sind das nur 80 Prozent. Damit stimmt sie mit dem Ministerpräsidenten überein. Er sprach davon, dass Verhandlungen mit der EU geführt werden sollen, um solche Maßnahmen zum Schutz der Tiere künftig in voller Höhe fördern zu können.

Und er macht noch etwas anderes deutlich: „Es geht generell um den weiteren Umgang mit dem Wolf. Bisher passiert mir da zu wenig.“ Deshalb werde der Freistaat Sachsen gemeinsam mit dem Land Niedersachsen eine Initiative im Bundesrat starten. Es gehe nicht darum, den Wolf aus Deutschland wieder zu vertreiben. „Aber wir brauchen Regeln, wie mit ihm zu verfahren ist, weil seine Population immer dichter wird.“ Der Wolf sei ein intelligentes Tier, das lerne und Schwachstellen auszunutzen verstehe. Das habe der jüngste Vorfall in Förstgen gezeigt.

Bei der geplanten Entschließung von Sachsen und Niedersachsen geht es unter anderem um die Änderung des Naturschutzgesetzes. Hierbei will man erreichen, dass Wölfe nicht mehr erst dann getötet werden dürfen, wenn ein „erheblicher Schaden“ droht, sondern schon dann, wenn ein „ernster Schaden“ zu erwarten ist. Außerdem möchte man einen Passus einfügen, nachdem unter strenger Kontrolle, selektiv in beschränktem Ausmaß, die Entnahme einer begrenzten Zahl von Exemplaren geschützter Arten – also auch des Wolfes – möglich wird. Darüber hinaus wird die Bundesregierung aufgefordert, für Rechtssicherheit in jenen Bereichen zu sorgen, in denen Wolfsschutzmaßnahmen nicht oder nur eingeschränkt realisiert werden können. Annäherungen an von Menschen genutzte Gebäude sollen unterbunden werden. In einem weiteren Punkt wird die Überprüfung der Wolfspopulation nicht mehr alle sechs Jahre, sondern jedes Jahr gefordert. Kretschmer und Hertweck stimmten überein, dass die Offenland-Tierhaltung auch künftig als eine wichtige Bewirtschaftungsform erhalten bleibt. Der Bund soll diese Nutztierhaltung mit Weide- und Landschaftspflegetierprämien finanziell fördern. Schließlich, so Annett Hertweck, geht es ihr um die Anerkennung und Förderung der Arbeit aller Schäfereien.