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Donnerstag, 13.09.2018

Naturschutz vor der Haustür

Über 45 Jahre kümmert sich Eberhard Stange um Vögel und Märzenbecher rund um Hohnstein. Er fordert zum Umdenken auf.

Von Anja Weber

Eberhard Stange aus dem Hohnsteiner Ortsteil Cunnersdorf ist seit 45 Jahren ehrenamtlicher Naturschutzhelfer. Dafür wurde er jetzt ausgezeichnet.
Eberhard Stange aus dem Hohnsteiner Ortsteil Cunnersdorf ist seit 45 Jahren ehrenamtlicher Naturschutzhelfer. Dafür wurde er jetzt ausgezeichnet.

© Dirk Zschiedrich

Hohnstein. Eberhard Stange ist in seinem Garten im Polenztal der Natur ganz nah. Schmetterlinge, Vögel, unzählige Blumen und Gräser verwandeln das Stück Erde praktisch in ein Paradies. Und Eberhard Stange weiß auch, dass man etwas dafür tun muss, um es zu erhalten, um die Natur als Ganzes. Und eben nicht nur reden, sondern auch aktiv werden. Dazu hatte sich der Tierarzt im Ruhestand vor reichlich 45 Jahren entschlossen.

Für sein ehrenamtliches Wirken im Naturschutz wurde er jetzt vom Sächsischen Umweltministerium ausgezeichnet. „Die Ehrung hätte auch anderen Naturschutzhelfern gebührt“, sagt der Cunnersdorfer in der ihm eigenen bescheidenen Art. Wichtig sei für ihn, dass nicht nur über Naturschutz geredet, sondern auch etwas dafür getan wird, nicht nur durch die ehrenamtlichen Helfer. Alle müssten mit ins Boot, die Landwirtschaft, die Wirtschaft. Dass dies ein weiter Weg sein wird, weiß er. Deshalb hat er sich entschieden, nach seinen Möglichkeiten, sozusagen im Kleinen, etwas für den Naturschutz zu tun.

Seit zwei Jahren gehört es zu seinen Aufgaben, innerhalb des Wiesenbrüterprogrammes die Braunkehlchen-Population unter anderem in Ehrenberg und Cunnersdorf zu beobachten. Die Vögel sind zwar noch da, aber nur in geringer Anzahl. Deshalb sollten sie geschützt werden. „Sie brüten meist in Randbereichen der Felder und Wiesen. Deshalb bin ich in ständigem Kontakt mit Landwirten“, sagt Stange. Und es sei schon Überzeugungsarbeit notwendig gewesen, damit diese „nur“ wegen eines Braunkehlchennestes die Wiesen später mähen. „Manche denken da einfach nicht daran. Deshalb sind eben auch Gespräche so wichtig.“ Wurde er dafür von manchen anfangs belächelt, bemerkt er inzwischen schon ein Umdenken.

Ein weiteres Aufgabengebiet liegt direkt vor Eberhard Stanges Haustür. Die Betreuung der Flächennaturdenkmale im Polenztal und des Naturschutzgebietes Märzenbecherwiesen. Das Vorkommen der Frühblüher geht zurück. Eberhard Stange hat dafür eine Erklärung. „Das Hauptproblem ist, dass die Polenz begradigt wurde. Der Wasserhaushalt stimmt nicht“, sagt er.

Doch gerade auf diesem Gebiet freue er sich, dass sich immer wieder freiwillige Helfer finden, die bei der behutsamen Pflege mit Hand anlegen. Vor allem der Cunnersdorfer Einwohner Uwe Giebe sei eine große Unterstützung.

Wenn Eberhard Stange auf seiner Terrasse hinterm Haus sitzt, vor ihm die Wiesen im Polenztal, dann kommt er mitunter ins Grübeln, vor allem darüber, weshalb der Naturschutz keine Lobby hat, wie er meint. Eine Antwort hat er noch nicht gefunden. Er werde aber auf jeden Fall weiter dabei sein, um wenigstens ein Stück Natur zu erhalten, unter anderem auch für seine Lieblingsvogelarten, die Wasseramsel, das Braunkehlchen und die Baumfalken.

Eberhard Stange hat auch ein ausgefallenes Hobby: Er beobachtet Blattläuse. Dabei kam er zu dem ganz einfachen Schluss: Blattläuse nicht mit Gift bekämpfen, sondern einfach den Strandort oder den Lebensraum der befallenen Pflanze wechseln, ganz im Sinne des Naturschutzes.