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Donnerstag, 11.10.2018

Nach dem Wolfsriss: Ein Verlust von 90 Tieren

61 Schafe haben den Wolfsangriff überlebt. Ein Dutzend davon ist aber schwer verletzt. Der Ministerpräsident will am Freitag die Naturschutzstation Förstgen besuchen.

Von Steffen Gerhardt

Mitarbeiter Gerold Starke suchte auch am Mittwoch nach toten oder entflohenen Tieren aus der Naturschutzstation Förstgen.
Mitarbeiter Gerold Starke suchte auch am Mittwoch nach toten oder entflohenen Tieren aus der Naturschutzstation Förstgen.

© André Schulze

Förstgen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will sich am Freitag selbst ein Bild von den Folgen des verheerenden Wolfsangriffs in Ostsachsen machen. Er wird die Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ in Förstgen am Vormittag besuchen. Das teilte Regierungssprecher Ralph Schreiber am Mittwoch mit. Die Leiterin der Naturschutzstation knüpft an den Besuch die Erwartung, dass auch die Frage der Entschädigung durch den Ministerpräsidenten klar beantwortet wird. Denn die Bilanz, die Annett Hertweck am Mittwochnachmittag zog, ist verheerend: „Von den einst 139 Mutterschafen haben 61 überlebt. Wobei 13 schwere Verletzungen davongetragen haben, sodass ihr Überleben ungewiss ist. Dienstagabend mussten wir bereits eines einschläfern lassen.“ Dem gegenüber steht der Verlust von 40 toten Tieren, dazu zählen auch sechs Ziegen, die von den Wölfen ebenfalls angefallen und getötet wurden. Plus den 50 Schafen, die seitdem als vermisst gelten. „Unser Schäfer Felix Wagner konnte am Dienstagabend noch zwei lebende Schafe einfangen, aber der Großteil wird wohl verschollen bleiben“, berichtet die Leiterin.

Dazu kommt, dass die Mehrzahl der Mutterschafe trächtig war. „Wir haben mit der Geburt von 151 plus x Lämmern gerechnet. Nun müssen wir sehen, was die verbliebenen Muttertiere uns noch bringen werden“, sagt Annett Hertweck. Die Moorheidschnucken werden zur umweltgerechten Pflege der Wiesenflächen im Biosphärenreservat eingesetzt, indem sie darauf weiden. Mit der Dezimierung der Herde auf knapp ein Drittel ihres Bestandes werden alle Flächen nicht mehr zu bewirtschaften sein, befürchtet Hertweck. Sie setzt dabei auch auf die Unterstützung durch das Land Sachsen, zumal Michael Kretschmer seit Längerem auf eine zügige Lösung für die Probleme mit den Wölfen in der Lausitz drängt. Denn diese bedienen sich immer häufiger an Schafen und Ziegen. Auch deshalb, weil die Oberlausitz nach Aussage der Staatsregierung die inzwischen höchste Dichte an den streng geschützten Wölfen in Europa hat.

Alexander Dierks, Generalsekretär der Sächsischen Union, äußert sich nach dem Vorfall im Biosphärenreservat wie folgt: „Dieser Vorfall macht erneut den dringenden Handlungsbedarf deutlich. Wir brauchen eine Lockerung der Abschussregeln für den Wolf, um auffällige und besonders aggressive Tiere schneller und einfacher schießen zu können.“ Dem Christdemokraten ist bewusst, dass die Menschen in den Regionen, in denen der Wolf lebt, von der Politik erwarten, dass „wir dafür die nötigen Regelungen schaffen. Das Bundesumweltministerium muss endlich tätig werden! Das wollen wir mit unserer Petition erreichen.“ Mit dieser fordert die CDU in Sachsen eine Lockerung der Abschussregeln für den Wolf und stellt den strengen Artenschutz infrage.

Seit einigen Tagen wirbt die Union im Internet für Unterstützer. Vier Forderungen hat die Sachsen CDU an den Bund formuliert: 1. Bundeseinheitliche Regelungen für den Umgang mit dem Wolf. 2. Jährliche Überprüfung des Erhaltungszustandes des Wolfes, auch länderübergreifend. 3. Klare Rechtsgrundlagen für eine schnelle Umsetzung notwendiger Abschüsse. 4. Vollständige Übernahme der entstehenden Kosten für Prävention und Schadensfälle der Tierhalter durch den Bund.

Zu dem jüngsten Vorfall äußern sich viele Bürger und SZ-Leser auf Facebook oder per E-Mail. Gudrun Derlin teilt mit: „Ich beschäftige mich seit Jahren mit den Themen Wölfe und Herdenschutzhunde. Die besten Informationen bekam ich von Menschen, die traditionell immer noch mit Wölfen leben. Ein Freund vom Balkan prophezeite schon vor drei Jahren kommende Blutbäder in Deutschland, wenn nicht regulierend eingegriffen würde.“

Dani Bauer schreibt: Die müssen kapieren, dass die Population Wolf genauso eingedämmt werden muss wie bei Wildschweinen oder Rot-Damwild. Nur dass da kein Hahn danach kräht, wenn die abgeschossen werden oder Füchse.