• Einstellungen
Donnerstag, 17.05.2018

Mus aus Gemüse

In ihrer Bio-Manufaktur stellt Annett Schwarze vegane Aufstriche her. Die gibt es längst nicht mehr nur in Dresden.

Von Jana Mundus

2

Annett Schwarze produziert rein pflanzliche Brotaufstriche mit ihrem Unternehmen Vegannett.
Annett Schwarze produziert rein pflanzliche Brotaufstriche mit ihrem Unternehmen Vegannett.

© Christian Juppe

Der Austernpilz war schuld. Oder besser gesagt, der Brotaufstrich in genau dieser Geschmacksrichtung. Dem war Annett Schwarze verfallen. „Er war lecker und machte wunderbar satt“, erzählt sie. Jahrelang kaufte sie ihn im Bioladen. Doch viel zu oft war er vergriffen. Also eine andere Quelle finden? Sie recherchierte, wo er eigentlich hergestellt wird: bei der Firma Sonne Naturkostspezialitäten in der Nähe von Nürnberg. Doch der Anruf dort verlief anders als gedacht. Der Firmeninhaber wollte die Produktion einstellen. Annett Schwarze fasste einen Entschluss: Sie wollte die Aufstriche retten – und krempelte ihr berufliches Leben dafür komplett um. Heute stellt sie die veganen Brotaufstriche der Marke Vegannett in ihrer eigenen Bio-Manufaktur in Dresden her.

Die Wandlung ist kurios. Wo früher Schweine verarbeitet wurden, wird heute ausschließlich Gemüse zubereitet. Die Produktion von Vegannett kommt komplett ohne Tierisches aus. Doch die Räume der alten Fleischerei an der Bautzner Landstraße 144, gleich in der Nähe des Ullersdorfer Platzes, fand Annett Schwarze schon als Kind besonders. Sie ist ganz in der Nähe aufgewachsen. Der Verkaufsraum mit den schönen Fliesen von Villeroy & Boch hat seinen ganz eigenen Charme.

Kleben im Akkord

Den öffnet sie nun jeden Mittwoch zum Werksverkauf. Der Firma in Bayern kaufte sie 2016 alle Rezepte ab und verfeinerte sie noch etwas. Im September des gleichen Jahres wurden die ersten Gläser der gemüsigen Aufstriche made in Dresden ausgeliefert. 2 000 Gläser stellt sie derzeit mit Unterstützung von zwei Mitarbeitern pro Monat in Handarbeit her. Schon bald sollen es 6 000 sein.

„Dabei bin ich gar keine Köchin“, sagt Annett Schwarze mit einem Lächeln. Eigentlich ist sie Landschaftsarchitektin, hat vorher therapeutisch gearbeitet und mit Menschen gegärtnert. Mit umgebundener Schürze steht sie nun in ihrem Laden, sortiert die Aufstriche in ein Regal. Es war Kochtag. Drei- bis viermal in der Woche wird Gemüse klein geschnitten und abgewogen. Alles kommt in einen riesigen Topf, erst der Kaltansatz, dann wird maximal fünf Minuten gekocht. Schonend soll alles passieren.

Mit einem riesigen Schneebesen werden anschließend frische Gewürze untergerührt. Zum Schluss kommt ein Mus aus Cashew- und Erdnüssen hinzu. Eine halbautomatische Abfüllmaschine muss heute beim Befüllen der Gläser helfen. Anders ist es nicht zu schaffen. Nachdem die Gläser im Ofen vakuumiert wurden, werden sie noch von Hand mit Etiketten versehen. „Bei einem veganen Produkt achten wir auch dabei darauf, dass der verwendete Leim frei von Tierischem ist.“ 2 000 Gläser bekleben, das dauert. Da packt auch der Vater von Annett Schwarze mal mit an.

Anfangs lieferte die Chefin noch alles persönlich aus. Diese Zeiten sind längst vorbei. Lediglich die Filialen von Frida, Konsum und Vorwerk Podemus in Dresden fährt sie noch an. Vieles geht heute über den Bio-Großhandel. Von dort werden die Bio-Geschäfte in der Landeshauptstadt beliefert. Auch in Halle, Leipzig oder Berlin steht Vegannett in den Regalen. Interesse gibt es auch in Bayern. Viele Kunden nutzen aber auch den Online-Shop. „Bis zu 10 000 Gläser pro Monat könnten wir hier in unseren Räumen herstellen“, sagt die Gründerin. Mehr soll es gar nicht werden. Keine riesige Produktionsstätte. Sie will einfach klassisch kochen. „Diese Einfachheit ist der Erfolg unserer Arbeit.“ In der Natürlichkeit liege das Glück.

Operation Nusslos

Sechs Sorten sind derzeit im Angebot. Mit Tomate, Karotte oder auch Roter Bete. Was Annett Schwarze in der Region an Gemüse beziehen kann, besorgt sie hier. Künftig soll das Angebot wachsen. Dafür probiert sie mit ihrem Team neue Rezepturen aus. Dann dürfen auch die Kunden vorkosten und die künftigen Sorten testen. „Das Feedback ist mir wichtig. Schließlich soll der Aufstrich am Ende den Geschmack der Leute treffen.“ Weil nicht alle Menschen Nüsse vertragen, soll bald eine nussfreie Variante zu haben sein. Auch an einer Sorte mit Aubergine arbeitet Annett Schwarze gerade.

Insgesamt 200 000 Euro hat sie in den vergangenen zwei Jahren in ihre Firma gesteckt. Bereut hat sie den Schritt ins Unbekannte aber nicht. Wer sie in ihrer Manufaktur erlebt, spürt, dass sie liebt, was sie tut. Dass sie ihre Aufgabe gefunden hat. „Ich habe nie etwas halbherzig gemacht“, sagt sie. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig.“ So ist aus der Landschaftsarchitektin eine Aufstrich-Köchin und Geschäftsfrau geworden. Einen großen Vorteil hat die Sache sowieso: Ihr Lieblingsaufstrich mit Austernpilzen ist heute nicht mehr vergriffen. Sie macht ihn einfach selbst. Nachschub gesichert.

www.vegannett.de

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Werberat

    Die SZ verkommt immer mehr zu einem Werbeblätt'l für einen bestimmten Lebensstil...

  2. Radebeuler

    @1: Weitsichtig, umweltbewusst, ressourcenschonend, vernünftig, ... Ja! Und das ist auch gut so!

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.