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Donnerstag, 21.06.2018

Müllabfuhr wechselt

Ein Familienunternehmen aus Hessen soll künftig die Tonnen abholen. Doch es gibt noch einige Hürden zu nehmen.

Von Peter Anderson

Oft werden die Mitarbeiter beim Wechsel von Entsorgungsunternehmen übernommen. Ab Oktober soll im Kreis Meißen mit Knettenbrech und Gurdulic ein neues Unternehmen die Müllabfuhr übernehmen.
Oft werden die Mitarbeiter beim Wechsel von Entsorgungsunternehmen übernommen. Ab Oktober soll im Kreis Meißen mit Knettenbrech und Gurdulic ein neues Unternehmen die Müllabfuhr übernehmen.

© Sven Ellger

Meißen/Riesa/Großenhain. Das Elbland sei ein interessanter Markt. Das ist der Schluss des Geschäftsführers des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Oberes Elbtal Raimund Otteni aus der jüngsten Ausschreibungsrunde. Gesucht wurde ein Entsorger, der über die nächsten bis zu acht Jahre Restmüll, Bioabfälle, Sperrmüll und Elektroaltgeräte einsammelt sowie befördert. In einem zweiten Los kamen Papier und Pappe hinzu – allerdings zeitlich enger begrenzt. Beide Aufgaben wurden getrennt für die Regionen Meißen und Riesa-Großenhain ausgeschrieben.

Am Donnerstagnachmittag hat die Verbandsversammlung des ZAOE eigenen Angaben zufolge entschieden, dass ein bislang in der Region noch nicht aktiver Entsorger drei von vier dieser Aufgaben im Landkreis Meißen übernehmen soll. Es handelt sich um das Unternehmen Knettenbrech und Gurdulic aus der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Der Hauptgrund für den Wechsel liegt in dem Kostenvorteil für die Kunden des Zweckverbandes. Dieser hatte sich genötigt gesehen, die ursprüngliche Ausschreibung aufzuheben, da die Angebote nicht dem finanziellen Rahmen entsprachen. Anschließend wurde verhandelt. Nach Angaben von ZAOE-Geschäftsführer Raimund Otteni ist Knettenbrech und Gurdulic daran interessiert, sich im Markt der kommunalen Entsorgung breiter aufzustellen.

Die Firma geht zurück auf ein 1951 in Wiesbaden gegründetes Fuhrunternehmen. Seitdem kamen immer neue Bereiche hinzu. In den letzten Jahren beschleunigte sich das Wachstum. Seit Ende 2015 ist Knettenbrech und Gurdulic Entsorgungsdienstleister für den Frankfurter Flughafen. Die Gesellschaft erweiterte ihr Portfolio unter anderem um den Bereich Daten- und Aktenvernichtung. Geschäftsführer Steffen Gurdulic ist Mitglied des Vorstandes des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungswirtschaft.

„Wir haben es hier also mit einem erfahrenen Unternehmen zu tun“, sagt Raimund Otteni. Nichtsdestotrotz rechnet er damit, dass es beim Übergang ab Anfang Oktober zu Anfangsschwierigkeiten kommen könnte. Die Pläne müssten neu geordnet werden.

Am Ende geht es dem Verband jedoch darum, die Gebühren für die Bürger stabil halten zu können. Erleichternd wirkt sich aus, dass die Mülltonnen dem Zweckverband gehören und deshalb nicht ausgewechselt werden müssen.

Gerichtsbeschluss steht aus

Ob es tatsächlich – wie geplant – bereits ab Oktober zum Wechsel der Müllabfuhr kommt, ist unteressen nicht sicher. Mindestens ein Bieter hat bereits im Vorfeld gegen die Aufhebung der Ausschreibung seinen Einspruch eingelegt. Auch die restlichen Bieter haben jetzt noch zehn Kalendertage Zeit, sich gegen die beabsichtigte Vergabe zu wehren. Es steht mindestens ein Urteil der zuständigen Vergabekammer in Leipzig aus. Diese hat die Entscheidungsfrist bereits zweimal verlängert.

ZAOE-Chef Raimund Otteni zufolge sollen diese juristischen Schwierigkeiten jedoch für die Kunden nicht spürbar sein. Es werde schon jetzt daran gearbeitet, Ausweichvarianten nach einem dafür vorgegebenen Prozedere zu erstellen. Niemand müsse befürchten, dass seine Tonnen nicht abgeholt würden. Verschiedene Lösungen stünden zur Debatte. Es könnte sowohl der bisherige Entsorger als auch das neue Unternehmen beauftragt werden.

Parallel zur Information über den Stand des Vergabeverfahrens hat der ZAOE am Donnerstag seine Abfallbilanz für 2017 veröffentlicht. Zum Verbandsgebiet gehören die Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge. Als Erfolgsgeschichte hat sich demnach die Einführung der kostenfrei geleerten braunen Tonne erwiesen. 2016 wurden 35 300 Tonnen Bio- und Grünabfälle geleert. Vergangenes Jahren waren es bereits 60 000.

Trotz der umfangreichen und teilweise gebührenfreien Angebote, die Abfälle ordnungsgemäß zu entsorgen, kommt es immer wieder zu wilden Ablagerungen. 2017 mussten daher 867 Tonnen illegal entsorgter Abfälle beseitigt werden. Die Kosten hierfür tragen alle mit ihren Gebühren.