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Freitag, 08.06.2018

Möschls überraschender Abstieg auf Raten

Es hat so gut angefangen und Dynamos Österreicher sofort das Stammleiberl inne. Im Winter ändert sich alles.

Von Tino Meyer

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Es hat alles so gut angefangen. In den ersten Spielen gehört Patrick Möschl zur Stammformation – und jubelt zum Auftakt gegen Duisburg mit Lucas Röser über dessen Siegtor.
Es hat alles so gut angefangen. In den ersten Spielen gehört Patrick Möschl zur Stammformation – und jubelt zum Auftakt gegen Duisburg mit Lucas Röser über dessen Siegtor.

© Robert Michael

Eine Erklärung vom Trainer hat er haben wollen. Der meinte: alles gut.
Eine Erklärung vom Trainer hat er haben wollen. Der meinte: alles gut.

© Robert Michael

Den Kopf in den Sand stecken – oder in die Tonne – ist bei Möschl die Ausnahme.
Den Kopf in den Sand stecken – oder in die Tonne – ist bei Möschl die Ausnahme.

© Robert Michael

Trotzdem endet die Saison für den Österreicher enttäuschend. Seine sportlichen Höhepunkte erlebt er in Testspielen – wie diesem bei Stahl Riesa im Januar.
Trotzdem endet die Saison für den Österreicher enttäuschend. Seine sportlichen Höhepunkte erlebt er in Testspielen – wie diesem bei Stahl Riesa im Januar.

© Robert Michael

Er lächelt einfach weiter, immer weiter. Und vielleicht ist das auch ein Teil des Problems von Patrick Möschl. Dass er so freundlich ist, zu lieb für den Profifußball. Einen Wutanfall, wenn ihn beispielsweise der Trainer während der gesamten Rückrunde nicht eine einzige Minute auf den Platz lässt, kann man sich bei dem Mittelfeldspieler von Dynamo Dresden beim besten Willen nicht vorstellen.

Dabei hätte er allen Grund, richtig wütend zu sein. Denn Möschl hat in der Rückrunde wirklich keine einzige Minute gespielt. Sein letzter Punktspieleinsatz ist vom 9. Dezember 2017 datiert, eingewechselt vier Minuten vor Schluss beim 1:0-Sieg gegen Union Berlin. Das allein ist schon reichlich ungewöhnlich, da es Möschl bei den 16 Partien zuvor auf zehn Einsätze gebracht hatte. Dazu kommt, dass der Österreicher auch danach nie angeschlagen oder gar verletzt gewesen ist und vor allem seine Mitspieler alles andere als überzeugende Leistungen gezeigt haben.

Sein Platz: Bank oder Tribüne

Wenn einer Grund zu meckern hätte, dann er. Und wann gäbe es für eine Abrechnung eine passendere Gelegenheit als nach dem Saisonende? Also los! „Schade, dass ich keine Chance mehr bekommen habe. Ich war fit und selbst überrascht, dass es so gekommen ist“, meint Möschl stattdessen, und er ergänzt mehr für sich selbst erklärend: „Wir haben einen großen Kader und viele gute Spieler.“

So kann man das auch sehen.

Doch natürlich hat sich der 25-Jährige mit dem Rückrundenstammplatz abwechselnd auf der Ersatzbank (fünfmal) und der Tribüne (zwölfmal) nicht einfach abgefunden – auch wenn es so klingt, was vermutlich mit dem Dialekt zu tun hat; so weich, nett, fast liebevoll. Klar können Österreicher auch grantelig sein, können zetern, schimpfen. Beim in allen Lebenslagen optimistischen Möschl hört sich jedoch selbst das sympathisch an – wenn er betont, dass es schon frustrierend sei, Woche für Woche auf der Tribüne zu hocken. Lächeln fällt dann sogar ihm schwer.

Zwei, drei Wochen habe es schließlich schon gegeben, in denen er sich im Training hat hängenlassen, in denen es schwer gewesen sei, topmotiviert an die Arbeit zu gehen. Doch Möschl ist Profi und weiß um dieses Privileg. Das sei nicht selbstverständlich, genauso wie der Vertrag bei Dynamo. „Ich bin stolz, für diesen Verein zu spielen. Hier in Dresden regiert der Fußball“, meint er. Dabei hat alles so gut, so verheißungsvoll angefangen.

Das Stammleiberl, wie es zu Hause in Österreich heißt, hat er sich sofort überstreifen dürfen, die ersten Spiele komplett bestritten, mit dem Führungstor beim 1:1 gegen Braunschweig im November seinen persönlichen Höhepunkt erlebt. Spätestens danach beginnt jedoch sein Abstieg auf Raten, in dem Ausmaß ein völlig überraschender. Denn Möschl hat zwar keineswegs überragend gespielt, aber eben auch nicht schlechter als die Kollegen Horvath und Berko, die seine Position im rechten Mittelfeld danach besetzt haben. Warum er also ab dem 18. Spieltag überhaupt nicht mehr gespielt hat, ist und bleibt ein Rätsel, insbesondere für ihn.

Er hat beim Trainer nachgefragt, hat sich seine Situation erklären lassen wollen. Doch Uwe Neuhaus hat ihm zu verstehen gegeben, dass alles gut sei, er gut trainiere und unbedingt so weitermachen soll. Und das hat er dann also auch so getan. Möschl ist keiner, der intern querschießt. Möschl ist Mannschaftsspieler, genießt das Miteinander in der Gruppe – und stellt rückblickend fest, dass die gute Stimmung durchaus auch ein Problem gewesen sein könnte. „Ich will nicht den großen Experten spielen, aber wir haben uns alle richtig gut verstanden, vielleicht sogar zu gut.“

Befragt nach seinem Fazit nach einem Jahr antwortet er: „Insgesamt fühle ich mich pudelwohl. Der Verein, das Umfeld, die Kulisse, das Stadion – das ist alles mehr als positiv. Und auf mich bezogen...“ Jetzt wird es spannend. Eine Generalabrechnung ist von Möschl aber nicht zu bekommen. Er sagt: „Im Frühjahr habe ich gar nicht mehr gespielt. Da mache ich mir natürlich einen Kopf, was ich falsch gemacht haben könnte.“ So viel Eigenreflexion und Selbstkritik ist selten in der Branche.

In der neuen Saison, der Schluss liegt nahe, kann und soll alles besser werden – weil es kaum schlechter geht. Dass sich Möschl im letzten Training auch noch verletzt hat, macht die Katastrophenrückrunde perfekt. „Ich wollte abschalten, in die Heimat fahren“, erzählt Möschl. Nur hatte der Oberschenkel etwas dagegen und gestattete sich zehn Minuten vor Ende der Einheit einen Muskelfaserriss. „Damit waren die ersten Wochen in der Sommerpause gelaufen“, sagt Möschl, der stattdessen die Physiotherapeuten in Dresden und bei seinen Eltern in Salzburg besucht hat.

Sie sind es auch gewesen, die ihn in den schweren Monaten aufgefangen und aufgebaut haben. „Ich muss mir nichts vorwerfen. Ich bin ein Kämpfer und denke immer positiv. Wenn es so schlecht läuft, hat sicher auch das einen Sinn. Nach einem Tief kommt außerdem immer ein Hoch.“

Dynamo vorzeitig verlassen – für Möschl, dessen Vertrag noch bis Juni 2019 gilt, ist das gar kein Thema. „Es gibt immer Überlegungen, doch ein Wechsel steht überhaupt nicht im Raum. Ich will hier Fußball spielen, mich durchsetzen und beweisen“, sagt er. Für einen Optimisten wie ihn sind solche Sätze kein Problem, sie kosten bestenfalls ein Lächeln.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Manders

    Auch für mich hat Patrick Möschl nicht enttäuscht.Das er auf der Tribüne oder Bank saß ist die Entscheidung des Trainers! Und nachfragen kommt bei diesem Trainer ganz schlecht an. Möschl reiht sich nahtlos in die Reihe von Wiegers,Lumpi,Röser,Kreuzer..... ein.Das Konrad den 3 Jahresvertrag von Dynamo nicht unterschrieben hat ,mit der Begründung nicht der Notnagel für Hartmann sein zu wollen ,auch weil er keinen echten Konkurrenzkampf sah ,zeigt seinen ehrlichen Charakter. Wer kein Standing bei Neuhaus hat ,wie Schwäbe oder Aosman ,hat Pech. Auch für die fehlende Hierarchie in der Mannschaft ist Neuhaus verantwortlich.Ich wünsche Patrick Möschl alles gute bei Dynamo!!! Eine faire Chance werden er oder viele andere Mitspieler erst durch einen längst fälligen Trainerwechsel bekommen! Allen kritischen Fragen weicht dieser Trainer ständig aus!Bin mal gespannt wieviele Nachwuchsspieler nächste Saison unter Neuhaus Einsatzzeiten bekommen!

  2. Tomas K.

    @Manders, genau, das stimmt. Bei Guardiola oder Zidane hätte er und die Anderen viel mehr gespielt. Und so stark , wie Konrad immer gespielt hat , verstehe ich , dass er nicht der Notnagel für Hartmann, der eigentlich wie ein Sack und Fremdkörper auf dem Platz stand, sein wollte. Nur mit dem Standing von Aosman hab ich so meine Probleme, hab ich den nur nicht gesehen oder war er verletzt im letzten Spiel? Ps Wer Ironie findet ......

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