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Donnerstag, 11.10.2018

Mit der Kamera über dem Nebelmeer

Eine neue Kampagne soll Fotografen in die Sächsische Schweiz locken. Fürs perfekte Bild gibt es Hilfe.

Von Nancy Riegel

Die abgeknickte Zwergkiefer auf einem Riff in den Affensteinen und dazu Nebelschwaden – schöner geht es kaum. Fotografen, die sich mit ihrer Kamera ins Elbsandsteingebirge aufmachen, suchen nach genau solchen Motiven.
Die abgeknickte Zwergkiefer auf einem Riff in den Affensteinen und dazu Nebelschwaden – schöner geht es kaum. Fotografen, die sich mit ihrer Kamera ins Elbsandsteingebirge aufmachen, suchen nach genau solchen Motiven.

© Tourismusverband/Stephan Wiesner

Sächsische Schweiz. Morgens um drei, in aller Herrgottsfrühe, bewegt sich etwas im Elbsandsteingebirge. Schwer bepackte Menschen, meistens allein, manchmal in der Gruppe, laufen schnurstracks auf den Pfaffenstein, den Gohrisch oder die Affensteine. Ihr Ziel: das perfekte Bild in der „blauen Stunde“ zu schießen, der kurzen Zeit zwischen völliger Dunkelheit und Morgendämmerung. Für Hobby- und Profifotografen aus aller Welt ist die Sächsische Schweiz mehr als nur eine Urlaubsdestination. Hier lassen sich atemberaubende Bilder schießen, die alle Strapazen wert sind.

Um noch mehr Fotografen anzulocken, hat der Tourismusverband Sächsische Schweiz nun eine neue Marketingkampagne ins Rollen gebracht: „Fotoland Sächsische Schweiz“.

Welche Schritte beinhaltet die Kampagne?

Für den Tourismusverband sind Fotos die beste Werbung – und die Macher eine attraktive, stetig wachsende Zielgruppe, die durch ihre Arbeit wiederum die Region bewirbt. „Seit vergangenem Jahr bereiten wir die Kampagne vor. Ziel ist es, eine gute Infrastruktur für Fotografen im Elbsandsteingebirge aufzubauen“, erläutert Nicole Hesse, die das Projekt betreut. Eine fünfstellige Summe, die die Ostsächsische Sparkasse Dresden zur Verfügung stellt, werden dieses und nächstes Jahr in das Marketing gesteckt. Los geht es mit einem Fotowettbewerb, der sofort startet und ein Jahr lang läuft. In zwei Wochen wird ein Fotocamp mit rund 150 Teilnehmern in Bad Schandau veranstaltet. Gleichzeitig beginnt der Verleih von Kamera-Objektiven im Aktiv-Zentrum. Zudem ist eine Broschüre in Planung, mit Tipps und Verhaltensregeln beim Knipsen im Nationalpark und im Landschaftsschutzgebiet. Hinzu kommt die Vermarktung in den sozialen Netzwerken, in Zeitschriften und auf Messen. Ebenso wichtig: die Arbeit mit Bloggern sowie Fotografen aus der Region. Kooperationen mit Herstellern von Kameratechnik sollen ebenso folgen.

Ist die Sächsiche Schweiz fotografenfreundlich?

Die Idee von speziellen Angeboten für Fotografen ist nicht neu. Der Tourismusverband selbst bietet seit rund anderthalb Jahren die kostenfreien Photowalks an, bei denen die Teilnehmer an interessante Motive geführt werden. Workshops und sogar komplette Fotoreisen gibt es ebenso. Neu ist, dass die Infrastruktur für diese Zielgruppe verbessert werden soll. „Wir wollen uns Unterkünfte zum Partner nehmen, die auf die speziellen Bedürfnisse der Fotografen eingehen können, ihnen zum Beispiel das Frühstück einpacken, wenn sie ganz früh losziehen wollen und sie verpflegen, wenn sie spät am Abend zurückkehren“, nennt Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbands, als Beispiel. Perspektivisch ist eine Zusammenarbeit dahingehend mit der Böhmischen Schweiz angedacht. Auch in Planung: interessante Fotopunkte im Elbsandstein als solche markieren. Möglich wären hier Halterungen für Handys, ein Podest oder ein Rahmen. Schließlich sollen „Störfaktoren“ für Bilder eliminiert werden. „Das kann ein Banner sein, eine Fahne oder ein Plastikeimer, der das Foto kaputt machen kann. Wir wollen diese Störer ausmachen und entfernen und die Touristiker für den Fotoblick sensibilisieren“, sagt Nicole Hesse. Die Ideen für diese Maßnahmen hatte Sara Nestler. Sie ist Studentin im Tourismusverband und hat sich für ihre Bachelorarbeit mit dem Thema Fotomarketing beschäftigt.

Wie verträgt sich die Kampagne mit dem Naturschutz im Nationalpark?
Mehr Fotografen bedeutet automatisch eine höhere Chance auf schwarze Schafe – solche zum Beispiel, die Äste abknicken, wenn sie ins Bild ragen, oder unerlaubterweise Drohnen starten lassen. Der Tourismusverband will dem mit Verhaltensregeln entgegenwirken und versuchen, keine allzu großen Gruppen in die Kernzone zu führen. Vorsitzender Klaus Brähmig betont, dass der Verband eng mit der Nationalparkverwaltung zusammenarbeite, um den Naturschutz zu gewährleisten.