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Donnerstag, 11.01.2018

Mission Titelverteidigung

Anders als beim EM-Triumph vor zwei Jahren zählen Deutschlands Handballer diesmal zu den großen Favoriten.

Von Tino Meyer

Krakau am 31. Januar 2016. Es ist vollbracht, Deutschlands Handballer mit ihrem damaligen Bundestrainer Dagur Sigurdsson melden sich in der Weltspitze zurück. Und wie! Der 24:17-Sieg im EM-Finale gegen Spanien ist eine Demonstration. Foto: dpa/Jens Wolf
Krakau am 31. Januar 2016. Es ist vollbracht, Deutschlands Handballer mit ihrem damaligen Bundestrainer Dagur Sigurdsson melden sich in der Weltspitze zurück. Und wie! Der 24:17-Sieg im EM-Finale gegen Spanien ist eine Demonstration. Foto: dpa/Jens Wolf

© dpa

Von wegen Sonderflug und gar ein eigenes Teamquartier. Die Deutschen sind zwar Europameister, von den Annehmlichkeiten ihrer fußballspielenden Kollegen ist die Handball-Nationalmannschaft jedoch weit entfernt. Per Billiglinie haben sich die sogenannten Bad Boys am Donnerstagvormittag auf den Weg zur EM nach Kroatien gemacht – und damit auch offiziell die Mission Titelverteidigung gestartet.

„Was soll es für eine andere Zielsetzung geben? Alle träumen davon, so ein Märchen zu wiederholen“, meint Verbandsvize Bob Hanning – während Prokop zunächst ein anderes Ziel ausgibt. Vorm Auftakt beantwortet die Sächsische Zeitung die wichtigsten Fragen zur EM.

Kann die deutsche Mannschaft ihren Titel von 2016 verteidigen?

Ja, sie kann. Und weil das Team um Kapitän Uwe Gensheimer, der vor zwei Jahren wie einige andere Spieler fehlte, bisher von verletzungsbedingten Ausfällen verschont geblieben ist, gehören die Deutschen zum Favoritenkreis. Vor allem im Rückraum ist die Mannschaft sowohl qualitativ als auch in der Breite erstklassig besetzt.

Doch nur von der Goldmedaille zu reden, hält Prokop für respektlos gegenüber den anderen 15 Teams. „Ich bin nicht der Freund, mit Parolen von großen Zielen Schlagzeilen zu produzieren“, sagt er. Der neue Bundestrainer, seit Mai 2017 im Amt, dämpft nicht die Erwartungen, er will mit Leistungen überzeugen. Nach der Nichtberücksichtigung von Abwehrchef Finn Lemke wird aber auch er jetzt mehr als ohnehin schon im Fokus stehen.

Welche Rolle spielt Prokops umstrittene Nominierung?

In der Mannschaft gar keine. „Wenn Leute heim müssen und nicht mehr wiederkommen, ist ein bisschen komische Stimmung. Aber das ist jedes Jahr so. Darauf kann man keine Rücksicht mehr nehmen“, erklärt Rechtsaußen Patrick Groetzki. Dass vor allem Lemke, aber auch Fabian Wiede und Rune Dahmke im 16 Spieler umfassenden Kader nicht dabei sind, mag überraschen. Prokop, ein ausgewiesener Taktiktüftler, verdeutlicht damit aber seine Philosophie. Er setzt – wie schon bei seinem Ex-Verein SC DHfK Leipzig – auf eine bewegliche, aggressiv-dynamische Abwehr und daraus resultierende Tempogegenstöße.

Dafür hat der Bundestrainer mit Maximilian Janke und Bastian Roschek anstelle der Europameister Wiede und Lemke zwei Leipziger Neulinge nominiert – zur großen Überraschung in der Szene. Doch Janke, meint Göppingens Bundesliga-Trainer Rolf Brack, sei der am meisten unterschätzte Spieler in der stärksten Liga der Welt. Und Roschek ist der Abwehrspieler mit den besten statistischen Werten. Außerdem können im Laufe des Turniers bis zu sechs Spieler aus dem im Dezember benannten 28-Spieler-Kader nachnominiert werden.

Wer sind die Stars und Wortführer in der Mannschaft?

Prokop setzt klar auf mannschaftliche Geschlossenheit, er will die Verantwortung auf möglichst viele Spieler verteilen. Die Unberechenbarkeit soll die größte deutsche Stärke sein. Und trotzdem gibt es unter den vielen Guten besonders wichtige: die jeder für sich charismatischen Torhüter Silvio Heinevetter und Andreas Wolff, Kapitän Gensheimer natürlich sowie die Kreisspieler Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler. Und dann ist da noch mit Philipp Weber ein dritter Leipziger, der bei der EM den Durchbruch schaffen kann – und soll.

Wie schwer ist die deutsche Vorrundengruppe?

Montenegro, Slowenien und Mazedonien heißen die Gegner – sportlich mindestens lösbar, emotional jedoch eine ganz gehörige Herausforderung. Gegner sind das, sagt Prokop, „die mit unheimlich viel Nationalstolz spielen“. Zudem dürften die Balkanstaaten in Kroatien in Sachen Zuschauerunterstützung deutlich im Vorteil sein.

Grundsätzlich gilt: Bei einer EM gibt es keine leichten Spiele. Dennoch sollte der Einzug in die Hauptrunde für den Titelverteidiger, der seine Vorrundenspiele in Zagreb bestreitet, nicht mehr als eine Pflichtaufgabe sein. Dafür reicht Gruppenplatz drei. Prokop hat die Maximalausbeute von drei Siegen als erstes Teilziel ausgegeben.

Und wie wird man am Ende dann Europameister?

Der Modus ist simpel. Die besten drei aus vier Vierergruppen erreichen die Hauptrunde – und nehmen die erzielten Punkte gegen die anderen zwei qualifizierten Vorrundengegner mit. Deutschland würde in Varazdin die Hauptrunde spielen. Als Kontrahenten kommen Spanien, Dänemark, Ungarn und Tschechien (mit dem Dresdner Zweitligaspieler Roman Becvar) infrage.

Die jeweils besten zwei aus den Hauptgruppen I und II stehen sich im Halbfinale in Zagreb gegenüber. Und auch das Finale findet in der 15 000 Zuschauer fassenden Arena der Hauptstadt statt – am 28. Januar.

Gibt es außer der deutschen Mannschaft noch andere Favoriten?

Selbstverständlich, und wieder steht Frankreich an erster Stelle. Der Weltmeister von 2015 und 2017 ist der Top-Favorit – neben Olympiasieger Dänemark sowie den Kroaten mit dem Heimvorteil. Und sicher gibt es auch diesmal eine Überraschungsmannschaft wie 2016 die Norweger, die es bis ins Halbfinale schafften und dort erst in der Verlängerung an dem anderen Überraschungsteam scheiterten: Deutschland.

Sind die Spiele der Deutschen diesmal im Fernsehen zu sehen?

Ja, und nicht nur die. Anders als bei einer WM ist die Rechtelage klar. Das heißt: ARD und ZDF übertragen im Wechsel die Spiele mit deutscher Beteiligung. Los geht’s im ZDF am Samstag, 17.15 Uhr, gegen Montenegro. Und alle anderen EM-Partien zeigt sportdeutschland.tv via Live-Stream.

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