• Einstellungen
Donnerstag, 14.06.2018

Minister Dulig und sein Küchentisch

Der Wirtschaftsminister kommt am Donnerstag nach Löbau. Mit einer ungewöhnlichen Form der Diskussion will er die Sorgen der Einwohner erfahren.

Von Romy Altmann-Kühr

Martin Dulig ist Sachsens Wirtschaftsminister. Heute diskutiert er in Löbau mit Einwohnern. Der Löbauer OB ist auch dabei.
Martin Dulig ist Sachsens Wirtschaftsminister. Heute diskutiert er in Löbau mit Einwohnern. Der Löbauer OB ist auch dabei.

© dpa

Martin Dulig und sein Küchentisch sind in Sachsen keine Unbekannten. Seit einigen Jahren schon tourt der SPD-Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr mit dem Möbelstück durch den Freistaat und lädt immer wieder zu Diskussionsrunden ein. Jetzt auch in Löbau. SZ fragte ihn vorab, was Besucher bei der Gesprächsrunde heute Abend in der Begegnungsstätte „Lausitzer Granit“ erwarten können.

Herr Dulig, bringen Sie tatsächlich einen alten Küchentisch mit?

Ja, der Tisch, den wir seit fast drei Jahren überall mit auf die Küchentisch-Veranstaltungen nehmen, stand lange Jahre in meiner heimischen Küche. Meine Familie hat an diesem Tisch gegessen und diskutiert. Meine Kinder haben an diesem Tisch ihre Hausaufgaben gemacht. Er stand lange im Mittelpunkt unseres familiären Lebens. Aber keine Sorge, wir haben natürlich mittlerweile einen neuen Küchentisch zu Hause.

Warum kommen Sie mit dem Möbelstück? Mit den Bürgern unterhalten könnten Sie sich doch auch ohne.

Meine besten Berater sitzen am Küchentisch und die besten Gespräche finden am Küchentisch statt – das habe ich schon zu Hause gemerkt. Und merke es jetzt überall, wo wir den Küchentisch aufstellen. Er ist mein Angebot an die Bürger, mit mir vor Ort auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen. Natürlich kann ich auch ohne Küchentisch mit den Menschen sprechen – das mache ich auch. Ich habe aber festgestellt, dass die Menschen durchaus Freude daran haben, an meinem alten Küchenmöbel mit mir und meinen Gästen über ihre Anliegen zu diskutieren. Deshalb ist das Format so erfolgreich und wir sind schon im dritten Jahr mit dem Küchentisch unterwegs.

Steht die Diskussionsrunde unter einem bestimmten Thema?

Nein. Und genau darum geht es mir ja auch: Die Menschen bestimmen mit ihren Anliegen selbst, worüber wir am Küchentisch sprechen. Das kann alles sein: die Bildung der Kinder, die Sicherheit in grenznahen Regionen, die Busanbindung an die nächste größere Stadt oder die Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung.

Haben Sie schon eine Vorstellung, welche Probleme die Löbauer umtreiben?

Die Löbauer erleben die gleichen Herausforderungen wie viele andere Sachsen auch. Es geht ihnen darum, dass sie und ihre Familien gut leben können, alle einen sicheren und anständig bezahlten Job haben und sie sich keine Sorgen um die Zukunft machen müssen. Sie wollen sicher von A nach B kommen, sei es mit dem eigenen Auto oder mit dem ÖPNV. Den Menschen ist wichtig, dass ihre Kinder in gut ausgestatteten Schulen von motivierten Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden. Von der Politik erwarten sie zu Recht, dass wir uns darum kümmern.

Wie können Sie konkret bei einzelnen Problemen helfen?

Klar ist, in zwei Stunden kann man keine Probleme lösen und ich habe auch nicht auf jede Frage sofort eine Antwort parat – aber wenn man miteinander redet, hat man schon den ersten Schritt getan. Einer Sportgemeinschaft aus Mittweida etwa konnten wir helfen, einen Rechtsstreit zwischen Bund und Land zu klären, nachdem sich die Sportgemeinschaft am Küchentisch an uns gewandt hatte. Der Streit hatte verhindert, dass der Verein Fördermittel für den Ausbau ihrer Sportstätte bewilligt bekam. Wir haben auch einen Großvater in einer Auseinandersetzung mit den örtlichen Schulbehörden unterstützt, nachdem er die Geschichte seines Enkels am Küchentisch erzählte. Auch der Breitbandausbau in Schleife geht jetzt voran, weil wir am Küchentisch darüber mit einer Bürgerinitiative gesprochen hatten. Und genau darum geht es beim Küchentisch: Das Vertrauen in unsere Arbeit kann erst dann wieder wachsen, wenn wir die Probleme der Menschen verstehen, aufgreifen und versuchen, sie zu lösen.

SPD-Küchentischtour „Wir müssen reden“; Donnerstag, 14. Juni, 19 Uhr, Begegnungsstätte „Lausitzer Granit“ in Löbau, Äußere Bautzner Straße 47 b; die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei

Mit dabei: Ministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping (SPD), Oberbürgermeister von Löbau, Dietmar Buchholz (parteilos);

Desktopversion des Artikels