• Einstellungen
Dienstag, 09.10.2018

Meinung: Polen zeigt, dass und wie es geht

SZ-Redakteur Tilo Berger.
SZ-Redakteur Tilo Berger.

© Wolfgang Wittchen

An wohlklingenden Worten mangelt es nicht, wenn von guter Nachbarschaft im europäischen Haus die Rede ist. Brücken bauen, einander näherkommen, gemeinsame Interessen – und, und, und. Die Theorie ist klar, nur mit der Praxis hapert es hier und da.

Zum Beispiel beim grenzüberschreitenden Zugverkehr. Da ist das Bestverfügbare ein Regionalexpress, der für die rund 280 Kilometer zwischen den beiden europäischen Metropolen Dresden und Breslau fast vier Stunden braucht. Und dass es diesen Zug überhaupt gibt, ist nicht etwa den großen staatseigenen Verkehrsunternehmen beider Länder zu verdanken, sondern kleineren Zugdienstleistern und den Verwaltungen des Freistaates Sachsen und der Woiwodschaft Niederschlesien. Und selbst diese umsteigefreie Verbindung wird es bald nicht mehr geben. Die Argumente der polnischen Seite sind nachvollziehbar: Ihre elektrischen Triebzüge sind schneller, komfortabler und umweltfreundlicher. Ab Dezember 2019 werden sie zwischen Zgorzelec und Breslau pendeln.

Deutschland müsste die Strecke zwischen Dresden und der deutsch-polnischen Grenze elektrifizieren, um diese Stromlücke im europäischen Eisenbahnnetz zu schließen. Warschau macht derzeit seine Hausaufgaben, Berlin guckt zu.

E-Mail an Tilo Berger