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Donnerstag, 09.08.2018

Mehr als nur Ersatz

Jannis Nikolaou ist womöglich der am meisten unterschätzte Neuzugang. Dabei hat Dynamo für ihn sogar Ablöse gezahlt.

Von Tino Meyer

Schneller als vermutet ist er mittendrin: Jannis Nikolaou in Erwartung eines Freistoßes zwischen Linus Wahlqvist (li.) und Dario Dumic, zwei weiteren Neuzugängen.
Schneller als vermutet ist er mittendrin: Jannis Nikolaou in Erwartung eines Freistoßes zwischen Linus Wahlqvist (li.) und Dario Dumic, zwei weiteren Neuzugängen.

© Robert Michael

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Dass er aber mal im Dynamo-Trikot ins Dresdner Stadion einlaufen würde, hatte auch Jannis Nikolaou vor ziemlich genau drei Jahren nicht erwartet. Die Profi-Karriere des Defensivspezialisten, der in der Abwehr als auch im Mittelfeld spielen kann, stand im August 2015 schließlich ganz am Anfang.

In Erinnerung geblieben sind von jenem Abend, an dem Dynamo das Ostduell in der 3. Liga gegen Rot-Weiß Erfurt mit 3:1 gewann, ohnehin andere. Carsten Kammlott zum Beispiel, dessen sensationeller Hackentreffer später zum Tor des Jahres gewählt worden ist, oder auch Aias Aosman und Justin Eilers, die mit späten Toren doch noch den Heimsieg sicherstellten. Marco Hartmann wird dagegen vielleicht an den gelben Turban denken, den er nach einem Zweikampf trug, während Nikolaou diese Partie 90 Minuten lang als Reservist verfolgte – womit sich der Kreis ins Hier und Heute schließt.

Am Montagabend beim 1:0-Sieg gegen Duisburg, also seinem zweiten Punktspiel in Dresden, sind die Temperaturen ähnlich heiß wie damals, Nikolaou sitzt wieder auf der Bank – und Hartmann ist einmal mehr verletzt. Diesmal aber lässt auch ein Verband das Weiterspielen nicht zu, ein Muskelfaserriss im Oberschenkel kann tatsächlich schwerwiegendere Folgen haben als eine Kopfverletzung, kurzfristig zumindest.

Hartmanns Pech ist Nikolaous Chance, und das noch vor dem Halbzeitpfiff und sowieso viel eher als gedacht. Den Deutsch-Griechen, der in der vergangenen Woche 25 Jahre alt geworden ist, mag Dynamo als ersten Neuzugang für diese Saison präsentiert haben, doch nicht mal Sportchef Kristian Walter sah in ihm eine wirkliche Verstärkung – sondern zunächst vielmehr den jungen Spieler, der das „Entwicklungspotenzial noch nicht ausgeschöpft“ hat und „den nächsten Schritt machen“ soll.

„Es gab auch andere Möglichkeiten, aber ich wollte gerne zu Dynamo“, erklärt der gebürtige Bonner, an dem unter anderen auch Ligakonkurrent Kiel großes Interesse hatte. Einen Zweitliga-Einsatz konnte Nikolaou nicht vorweisen, dafür aber eine auffällig gute Vorsaison beim Drittligisten Würzburg. Die Parallelen zu Hartmann liegen also nicht nur in der Position, auch Dynamos nun abermals verletzter Kapitän kam 2013 als Drittligaspieler zum Zweitligisten nach Dresden. Inzwischen ist er unumstrittener Kopf der Mannschaft und Nikolaou seine Vertretung, so ist es nach dem ungewollten Abgang von Manuel Konrad geplant gewesen.

Hartmanns Ausfall aber hat die Gedankenspiele der Verantwortlichen schon am ersten Spieltag über den Haufen geworfen und der Neue gleich angedeutet, dass er sogar mehr als ein Ersatz sein könnte. Was wiederum nur logisch ist, denn Dynamo hat immerhin eine knapp sechsstellige Ablöse gezahlt und Nikolaou zudem einen Drei-Jahres-Vertrag gegeben.

In der 44. Minute kommt er schließlich gegen Duisburg ins Spiel. Und auch wenn der Linkfuß kurz danach die Chance zum 2:0 besitzt, braucht er Anlaufzeit. „Doch in der zweiten Halbzeit hat er ein klasse Spiel gemacht“, attestiert ihm Trainer Uwe Neuhaus. Nikolaous Stärken, Balleroberung, Passspiel und Spielaufbau, sind auf Anhieb zu sehen. Seine Reserven sieht er indes in der Kommunikation, und zwar vorrangig auf dem Spielfeld. Dass er auch abseits des Platzes eher zurückhaltend bis schüchtern wirkt, habe mit seiner Rolle als Neuzugang zu tun. „Am Anfang ist das doch ein bisschen schwieriger, ehe man sich dann noch mehr integriert hat“, meint er.

Auch das dürfte nun viel schneller gehen, denn Hartmann wird mindestens die nächsten drei, vier Spiele fehlen und deshalb an Nikolaou kein Weg vorbeiführen. Sogar als Innenverteidiger, betont er, könne er der Mannschaft helfen. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm also auch nicht.

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