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Montag, 15.10.2018

Mehr als nur eine Straße

Ein Grenzübergang von Neustadt ins tschechische Lobendava soll endlich realisiert werden. Dafür braucht es mehr als nur Asphalt.

Von Nancy Riegel

Bisher kommt man von Langburkersdorf nur zu Fuß oder mit dem Rad ins benachbarte Lobendava.
Bisher kommt man von Langburkersdorf nur zu Fuß oder mit dem Rad ins benachbarte Lobendava.

© Wikimedia Commons/Lutz Maertens

Neustadt. Lobendava, manche nennen es beim deutschen Namen Lobendau, ist die nördlichste Gemeinde Tschechiens und optisch kaum von seinen deutschen Nachbarn Langburkersdorf und Steinigtwolmsdorf zu unterscheiden: viele Einfamilienhäuser, jede Menge Grün, umgeben von Wald. Optisch und wirtschaftlich könnte sich aber in der 300-Seelen-Gemeinde einiges tun. Nämlich dann, wenn die Idee eines offiziellen Grenzübergangs von Neustadt ins Nachbarland realisiert wird.

„Einen Grenzübergang zu bauen bedeutet mehr, als nur eine Schicht Asphalt aufzutragen“, sagt Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN). Ein geplantes Gespräch Ende des Monats mit dem Regierungspräsidenten des Bezirks Usti, Oldrich Bubenicek, bringt das Thema wieder auf den Tisch des Stadtoberhauptes. Da auch das Wirtschaftsministerium und das Landesamt für Straßenbau großes Interesse am Ausbau der Grenze bei Langburkersdorf haben, wird auch jeweils ein Vertreter dieser Institutionen teilnehmen.

Vor allem das Ministerium hatte kürzlich mit einem Strategiepapier für die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs wieder Schwung in die Diskussion gebracht. Darin war von einer grenzüberschreitenden Buslinie nach Lobendava die Rede. „Ich finde es unrealistisch, dass eine Straße über die Grenze gebaut werden soll, auf der nur ein Bus fahren darf und nichts weiter“, schätzt Mühle die Pläne ein. Er hält es für wahrscheinlicher, dass die Strecke für den gesamten Verkehr freigegeben werden müsste – auch für Lkws. Und genau das wollen die Langburkersdorfer unbedingt vermeiden. Seit Jahren wehren sie sich dagegen, wegen der vielen Engstellen im Dorf. Mühle betont, dass das Rathaus sich nicht gegen einen Grenzübergang verwehrt. „Wir lehnen ihn nicht kategorisch ab. Nur die Variante, die einen Ausbau der Staatsstraße vorsieht. Wir müssen unsere Bürger vor Lärm und Verkehr schützen.“ Bei dem Gespräch sollen deshalb auch Varianten der Verkehrsführung diskutiert werden. Vorstellbar: eine Straße, die von der Sebnitzer Straße aus hinterm Schloss entlangführt und dadurch Langburkersdorf umgeht.

Abgesehen von der Trassenführung weiß der Bürgermeister, dass ein neuer Grenzübergang infrastrukturelle Veränderungen mit sich bringt, und zwar auf beiden Seiten. „Der Bezirk Usti will den Schluckenauer Zipfel beleben, dazu zählt auch die Wirtschaft.“ Kürzere Wege nach Deutschland und damit zur Autobahn könnten helfen, Unternehmen in die Region zu holen. Auch die Betriebe auf deutscher Seite könnten beim Transport Kilometer einsparen. Weiterhin ist es wahrscheinlich, dass sich in Lobendava Tankstellen und Supermärkte ansiedeln, ähnlich wie in Dolni Poustevna. Bautzener und Bischofswerdaer werden dann wahrscheinlich nicht mehr bis nach Sebnitz fahren, um die Grenze zu passieren. In Dolni könnte der Umsatz der Händler also theoretisch sinken und Schließungen die Folge sein.

Das Thema Grenzübergang Langburkersdorf sollte gut durchdacht sein, plädiert Peter Mühle.