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Donnerstag, 16.08.2018

Medaillen im Visier

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Laufen war schon immer eine Leidenschaft von Nico Krumbholz. Foto: D. Keller
Laufen war schon immer eine Leidenschaft von Nico Krumbholz. Foto: D. Keller

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Bei nationalen Wettkämpfen wird aus 20 Metern Entfernung geschossen. Im Winter nimmt Nico Krumbholz auch an Wettkämpfen im Bogenschießen teil Foto: Dennis Keller
Bei nationalen Wettkämpfen wird aus 20 Metern Entfernung geschossen. Im Winter nimmt Nico Krumbholz auch an Wettkämpfen im Bogenschießen teil Foto: Dennis Keller

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Als zweifacher Vize-Europacuplauf-Gewinner in der Altersklasse U 20 im Bogenlaufen, kehrte der 17-jährige Nico Krumbholz kürzlich aus Tallinn (Estland) zurück. Das Bogenlaufen ist eine Disziplin im Bogensport, die das Laufen mit dem Bogenschießen verbindet. Nach einer Laufstrecke werden mit dem Bogen, der beim Laufen mitgeführt werden muss, auf eine 20 Meter entfernte Scheibe drei Pfeile geschossen. Fehlschüsse führen zu einer Strafrunde. In einem Wettkampf absolviert der Bogenläufer fünfmal die etwa 850-m-Laufstrecke und schießt viermal mit dem Bogen. International ist das Regelwerk anders gestaltet. Erst vor zwei Jahren berief der Deutsche Bogensport Verband (DBSV) erstmals ein Nationalteam, zudem nun auch der Pirnaer Nico Krumbholz zählt.

Herr Krumbholz, wie kommt ein junger Mann zum Bogenlaufen?

Durch meinen ehemaligen Klassenlehrer an der Pestalozzi-Oberschule, Siegmar Schoß. Er hat eine AG Bogenlaufen an der Schule gegründet. Ende 2015 habe ich zum ersten Mal mit dem Bogen geschossen, bis dahin hatte ich nie etwas mit diesem Sport zu tun. Mit dem Bogenlaufen ging es dann ein paar Monate später los.

Wer ist Ihr Trainer und wie oft müssen Sie in der Woche trainieren?

Ich trainiere jetzt bei der SG BEZ Lohmen. Mein Trainer ist immer noch Herr Schoß. Schießtraining ist zweimal pro Woche, im Garten meiner Eltern steht auch eine Scheibe. Die Laufeinheiten mache ich meistens selbstständig in meiner Freizeit. Ich habe früher schon oft an Laufwettbewerben teilgenommen.

Wie teuer ist Ihre Ausrüstung?

Bogenschießen ist ein ziemlich kostenintensives Hobby. Ich schieße aber immer noch mit meinem allerersten Bogen. Meiner kostete etwa 100 Euro, aber das ist wirklich die unterste Grenze, also das Einsteigermodell.

Wann haben Sie Ihren ersten Wettkampf im Bogenlaufen bestritten?

Das war vor zwei Jahren gleich die Deutsche Meisterschaft in Rinklingen, in Baden-Württemberg. Herr Schoß hat uns damals für die Wettkämpfe der U 17 gemeldet und ich habe Silber geholt. Damit war ich so richtig auf den Geschmack gekommen.

Seit 2016 gibt es auch ein Auswahlteam im Bogenlaufen. Wann sind Sie dazugestoßen?

Mein Ziel war es, in die Nationalmannschaft zu kommen. Bei einem Wettkampf in Lübbenau sprach mich die Auswahltrainerin an. 2017 haben wir dann in Pirna die Deutschen Meisterschaften ausgerichtet. Dort habe ich zweimal Gold in de U 17 männlich und mit der Staffel Bronze geholt, und der Weg ins Auswahlteam war damit geebnet.

Welche Disziplinen gibt es beim Bogenlaufen?

National gibt es die Klassen Standard und Traditionell. Beim Standard-Schießen befindet sich ein Visier am Bogen und wir schießen dabei aus 20 Meter Entfernung auf Scheiben, die einen Durchmesser von 20 Zentimeter haben. Traditionell ist dann ohne Visier auf 40 Zentimeter große Scheiben zu schießen. In der Staffel, die aus drei Sportlern besteht, kann jeder selbst wählen, ob er Standard oder Traditionell schießen möchte.

Und in welchen Disziplinen haben Sie in Tallinn Silber gewonnen?

Da muss man erst einmal wissen, dass international nur Standard geschossen wird. Und man schießt von 18 Metern Entfernung auf 16 Zentimeter-Scheiben. Dort gibt es den Sprint-Wettkampf und die lange Distanz als Einzel-Wettbewerb sowie eine Mix-, eine Herren- und eine Frauen-Staffel. Ich könnte also in vier Kategorien an den Start gehen, habe aber in Estland verletzungsbedingt nur an den Einzel-Wettkämpfen teilgenommen.

Warum sind Sie in der U 20 gestartet?

Es gibt international nur eine Nachwuchsklasse, eben diese U 20. Da ist es egal, ob man 16 oder 18 Jahre alt ist. Genauso könnte ich als Nachwuchsathlet in die Herren-Wertung eingehen, sollte ich dort ganz vorn dabei sein.

Werden auch Europameisterschaften ausgetragen?

Nein, der Europacup ist der höchste Wettkampf, besteht aus zwei Veranstaltungen. Der erste war in Tallinn, der zweite findet im Oktober in Fontainebleau, 55 Kilometer südlich von Paris, statt.

Wie finanzieren Sie so eine Reise?

Einen Teil trägt der Verband, aber die Übernachtungskosten muss ich selbst begleichen. Es ist eben noch eine Nischensportart und Sponsoren leider rar gesät.

Wie viele Vereine in Deutschland bieten das Bogenlaufen an?

Sechs Vereine sind da federführend und jeweils auch der Gastgeber für den Deutschlandcup. Im September gibt es dann auch noch die Deutsche Meisterschaft in Dallgow-Döberitz, in der Nähe von Berlin.

In welchen Ländern wird diese Sportart betrieben?

In Europa auf jeden Fall Russland, Holland, Estland, Frankreich und Tschechien. Weltweit kommen die USA, Brasilien, Argentinien und sicher auch noch Länder aus dem asiatischen Raum dazu. Es gibt jetzt wohl auch Bestrebungen, den ersten Weltcup auszutragen.

Was machen Sie im Winter?

Die Freiluftsaison geht von April bis Oktober. Im Winter trainiere ich im „Bogensport- & Event-Zentrum“ in Lohmen und starte bei Wettkämpfen im Bogenschießen. Mein Hauptaugenmerk gilt aber dem Bogenlaufen. Es gibt übrigens auch die Kombination mit dem Skilanglauf und das nennt sich Ski-Archery.

In welche Richtung gehen Ihre beruflichen Ambitionen?

Ich befinde mich derzeit in der dreijährigen Ausbildung zum Forstwirt. Dazu gehört auch die Berufsschule in Morgenröthe-Rautenkranz. Dort wohne ich im Internat, sonst noch bei meinen Eltern.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.