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Samstag, 11.08.2018

Manager mit rüden Methoden

Michael O’Leary hat Ryanair zur größten Billigfluglinie in Europa gemacht. Doch jetzt stößt er an Grenzen.

Von Christoph Meyer, Dublin

Michael O’Leary geht knallhart mit Mitarbeitern um
Michael O’Leary geht knallhart mit Mitarbeitern um

© dpa

Er ging schon immer mit dem Kopf durch die Wand. Als die Straßen um die irische Hauptstadt Dublin Anfang der 2000er-Jahre immer stärker durch Stau verstopft waren, kaufte sich Michael O’Leary kurzerhand eine Taxilizenz, um auf der Busspur fahren zu können.

Seit 1994 steht er an der Spitze der irischen Fluggesellschaft Ryanair, die er mit einer konsequenten Discounter-Strategie zur größten Billigairline Europas ausbaute. Der 57-Jährige setzte auf niedrigere Kosten durch vereinfachte Abläufe und ein beschränktes Angebot. Mit Blick auf den Konkurrenten Easyjet sagte er der Financial Times einmal: „Wir sind Lidl und Aldi. Mit uns willst du nicht in einen Preiskampf geraten.“

O’Leary ist bekannt für unkonventionelle Ideen, neue Einnahmequellen zu erschließen – und für sein loses Mundwerk. Maßnahmen wie Extrakosten für die Gepäckaufgabe, Verkauf von Speisen und Getränken an Bord und die Abschaffung der Businessklasse stammen aus dem O’Leary-Arsenal. Vor einigen Jahren machte er Schlagzeilen mit der Meldung, Passagiere künftig für Toilettenbesuche an Bord extra bezahlen lassen zu wollen. Kunden, die eine Erstattung des Flugpreises forderten, verprellte er zuweilen mit mehr als deutlichen Worten. Doch als Ryanair vorübergehend in die roten Zahlen rutschte, lernte O’Leary, dass selbst ein Billiganbieter mit Kunden anständig umgehen muss.

Gegenüber Mitarbeitern ist O’Leary knallhart. Er verlange denselben hohen Einsatz von seinen Angestellten wie von sich selbst, heißt es. Gewerkschaften verunglimpfte er lange als fünfte Kolonne von Konkurrenten. Erst im vergangenen Jahr lenkte er ein und stimmte Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern zu. Erstmals etwas kleinlaut wirkte er, als Ryanair im vergangenen Jahr – angeblich wegen Planungsfehlern – Tausende Flüge streichen musste. (dpa)

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