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Freitag, 09.11.2018

Mammutbäume für den Findlingspark

Von Constanze Knappe

Wolfgang Engels, Wilhelm Stock und Klaus Becker (v.li.) pflanzten im Findlingspark Nochten vier Setzlinge. Es sind Nachkommen jener Bäume, die auf der rekultivierten Sophienhöhe im Rheinischen Revier seit 30 Jahren zu einem „Mammutwald“ wachsen. Foto: joachim Rehle
Wolfgang Engels, Wilhelm Stock und Klaus Becker (v.li.) pflanzten im Findlingspark Nochten vier Setzlinge. Es sind Nachkommen jener Bäume, die auf der rekultivierten Sophienhöhe im Rheinischen Revier seit 30 Jahren zu einem „Mammutwald“ wachsen. Foto: joachim Rehle

© J.Rehle

Aus Gästen werden Fans, das trifft sicher auf viele der 1,3 Millionen Besucher im Findlingspark Nochten seit dessen Eröffnung vor 15 Jahren zu. Auf drei von ihnen aber in besonderer Weise. Im Juni weilten Wilhelm Stock, Wolfgang Engels und Klaus Becker, ihres Zeichens Bergbauingenieure aus dem Rheinischen Braunkohlerevier, zu einem Erfahrungsaustausch in der Lausitz. Bei der Gelegenheit besuchten sie auch den Findlingspark Nochten. Ihre Begeisterung über die Einzigartigkeit, über „die Idee des Parks und die herrliche Umsetzung“ kannte keine Grenzen. Spontan kam Wolfgang Engels auf die Idee, Mammutbäume aus dem Rheinischen Revier im Findlingspark zu pflanzen. Gesagt, getan. Zwischen Waldsee und Steppenbereich haben vier Setzlinge jetzt ihren Platz gefunden.

Die Mini-Bäume sind Nachkommen jener vor etwa 30 Jahren auf der „wunderbar rekultivierten Sophienhöhe“ gepflanzten Bäume. Dabei handelt es sich um den auf einer Hochkippe des einstigen Tagebaus Bergheim angelegten künstlichen Bergs. In jenen ausgekohlten Tagebau wurde bis 2009 Abraum aus dem Tagebau Hambach verkippt, dem größten der RWE Power AG. Die Bäume auf der Sophienhöhe sind inzwischen 18 Meter hoch und zu einem „Mammutwald“ herangewachsen. Sie bilden einen kleinen Urwald nach und lassen einen Eindruck davon entstehen, wie es vor 10 bis 20 Millionen Jahren hierzulande ausgesehen haben mag.

Auch die Lausitzer Braunkohle entstand aus riesigen Mammutbäumen, die abstarben und verkohlten. Der Findlingspark wurde auf dem ausgekohlten Teil des Tagebaus Nochten errichtet. Die vier jungen Bäume sind also mehr als nur eine Erweiterung des dortigen Pflanzenbestands.

Energie aus fossilem Erbe

Bilder aus dem Hambacher Forst von der polizeilichen Räumung der Baumhäuser der Aktivisten und ebenso der Rodungsstopp sorgten bundesweit für Diskussionen. „Mit unserer Pflanzaktion gilt es, eine andere Dimension aufzuzeigen“, sagte Wilhelm Stock. „Bergbau besteht seit Jahrtausenden, Rohstoffe und Energie haben unsere Entwicklung zur modernen, offenen und demokratischen Gesellschaft erst ermöglicht“, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbands Rheinische Braunkohle im Ring Deutscher Bergingenieure (RDB). Mit der Energie, die aus dem fossilen Erbe der Erdgeschichte verfügbar wurde, übernahmen Maschinen nach und nach schwere körperliche Arbeit. „Die steigende Produktivität erlaubte Umweltschutz, der heute in Deutschland Weltmaßstäbe setzt. Die Bergbaufolgelandschaften, die seitdem entstanden sind, haben einen hohen ökologischen und auch ökonomischen Wert“, betonte Wilhelm Stock beim neuerlichen Besuch im Findlingspark. Er gab aber auch zu bedenken, dass Produktivität durch preiswerte und zuverlässige Energie „die Entwicklung eines beispielhaften Sozialsystems erlaubte, das seinesgleichen sucht“.

Nach seiner Aussage erfülle die Braunkohleindustrie als wohl einziger Industriezweig in Deutschland alle Anforderungen an den Klimaschutz der Regierung. „2050 wird kein CO2-Molekül mehr ein deutsches Braunkohlekraftwerk verlassen, dann werden Bergleute in der Energiebranche endgültig Geschichte sein“, sagte er. Der Ring Deutscher Bergingenieure kritisiert, dass der Bund bisher keinen Masterplan für die Energiewende habe und dass durch die Strukturwandelkommission ein früherer Kohle-Ausstiegstermin diskutiert werde, ohne Verpflichtungen anderer Branchen für den Klimaschutz einzufordern.

Die Pflanzaktion betrachten sowohl die Bergbauingenieure aus dem Rheinischen Revier als auch der Förderverein Lausitzer Findlingspark Nochten als „eine Geste der Verbundenheit“, auch des Zusammenhalts im Hinblick auf einen möglichen vorzeitigen Kohle-Ausstieg.

Mit einem Meter Höhe sind die vier Setzlinge im Findlingspark so klein nicht mehr, in Bezug auf ihre spätere ausgewachsene Größe von 95 Metern aber doch ziemlich winzig. „In den ersten Jahren wachsen die Mammutbäume vor allem in die Breite. Ihr Stamm kann fünf Meter im Durchmesser werden “, erklärt Simone Diedrich. Als Gewächse aus der Familie der Zypressen besitzen sie eine rote Rinde, die für sich schon etwas hermacht, so die Chefgärtnerin des Findlingsparks. Mammutbäume, brauchen lockeren Boden. Weil wegen der milden Witterung für Pflanzen quasi noch Sommer ist, müssen die Setzlinge regelmäßig gegossen werden. „Jede Woche“, sagt Simone Diedrich. Das sei fürs Anwachsen wichtig. Einen ordentlichen Schluck Wasser erhielten die Bäume von den drei Bergbauingenieuren. „Wenn im Rheinischen Revier wie hier in Nochten nichts mehr an Bergbau erinnert, werden sie ein Stück unserer gelebten Verantwortung für die Nachwelt in sich tragen“, so Wilhelm Stock.