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Samstag, 11.08.2018

Lüften, lüften, lüften

In so manchen Klassenzimmern in Görlitz dürfte das Lernen gerade nicht leichtfallen. In anderen Städten startet das Schuljahr deshalb mit Hitzefrei.

Von Susanne Sodan

Fenster auf in der Aula vom Haus Augustum. Schulleiter Friedhelm Neumann entscheidet nach aktueller Wetterlage und den Temperaturen in den Räumen über Hitzefrei.
Fenster auf in der Aula vom Haus Augustum. Schulleiter Friedhelm Neumann entscheidet nach aktueller Wetterlage und den Temperaturen in den Räumen über Hitzefrei.

© pawelsosnowski.com

Görlitz. Hausmeister können solche Spielverderber sein. Wenn sie frühmorgens die Fenster der Görlitzer Schulhäuser aufsperren, um ein bisschen kühle Luft rein und ein bisschen Hitze rauszulassen. Ließen sie das bleiben, dann würde sich die Chance erhöhen, dass das Görliter Schuljahr startet wie in einigen Schulen in Trier oder Hildesheim oder Hannover diese Woche: mit Hitzefrei. Oder wie es heute heißt, mit verkürztem Unterricht. Aber die Görlitzer Schulen versuchen gerade viel, um das neue Schuljahr doch lieber in geregelten Bahnen starten zu lassen. Lüften, lüften, lüften.

Die gelben Gardinen beim Augustum-Annen-Gymnasium flattern ein kleines bisschen im Wind. Das kühlere Wetter am gestrigen Freitag macht’s möglich. Offene Fenster, das Bild sah bei vielen Görlitzer Schulen ähnlich aus dieser Tage. An der Oberschule Rauschwalde war der Hausmeister dafür in den vergangenen Tagen sogar schon ab 5.30 Uhr auf den Beinen, „wir lüften gerade intensiv“, sagt Schulleiterin Winnie Scholz-Kunitz. Auch bei der Oberschule Innenstadt standen die letzten Tage die Fenster morgens auf Durchzug. Den brauchte gerade die Südseite Richtung Elisabethstraße. Im Büro von Angelika Hahn, stellvertretende Schulleiterin, herrschten am Donnerstag trotzdem 32 Grad.

Ein generelles Hitzefrei gibt es nicht, die Schulleiter entscheiden selber, aufgrund der Temperaturen, die im Schulgebäude herrschen. In anderen Städten hat alles Lüften nichts genützt. Für die erste Schulwoche in Görlitz steht noch nichts fest. Das Wochenende soll Abkühlung bringen, andererseits sind für Montag schon wieder 29 Grad angesagt. Ob es nächste Woche verkürzten Unterricht gibt, wird nach der aktuellen Wetterlage entschieden, sagen die Schulen.

32 Grad, dieselbe Zahl wie bei Angelika Hahn zeigte am Donnerstag auch das Thermometer bei Wolfgang Mayer, Leiter des Joliot-Curie-Gymnasiums, an. Auch hier hat der Hausmeister dieser Tage morgens ordentlich durchgelüftet. Andererseits war gerade die Frontseite des Gebäudes wochenlang Sonne und Hitze ausgesetzt. Deshalb wird der Montag für die Curie-Schüler ein verkürzter erster Schultag sein. Der allererste Schultag ist bei vielen Schulen ohnehin kürzer, weil die Schüler nach den organisatorischen Dingen wieder nach Hause gehen dürfen. Beim Curie-Gymnasium dagegen geht es normalerweise bereits am ersten Tag mit dem regulären Unterricht nach Stundenplan los. Diesmal nicht. Der Montag beginnt für die Schüler vom Curie um 9.50 Uhr, für die Sechstklässler etwas früher, um das Begrüßungsprogramm für die Fünftklässler zu proben. Das findet statt, ebenso das Organisatorische wie die Klassenleiterstunden, gegen 11.20 Uhr wird Schluss sein. Wie es dann im Laufe der Woche weitergeht, entscheidet sich nach aktueller Wetterlage, sagt auch Wolfgang Mayer. Sollte es verkürzten Unterricht geben, heißt das am Curie, dass die Unterrichtsblöcke von 90 auf 60 Minuten verkürzt werden, dadurch muss kein Fach ganz ausfallen.

Verkürzung der einzelnen Unterrichtsstunden, so hält es auch das Annen-Gymnasium, wenn die Hitze zu groß wird. Im Erdgeschoss des Hauses Augustum ist es mit der Temperatur ganz in Ordnung, aber in der Aula ist es doch etwas stickig, trotz Lüften. Das Gebäude steht verhältnismäßig frei, besonders ist auch hier die Südfront betroffen, sagt Schulleiter Friedhelm Neumann. Aber alle Kapazitäten bei den Räumen werden gebraucht, die Anne startet mit sechs neuen fünften Klassen. Der erste Schultag endet am Annen-Gymnasium generell, wenn die organisatorischen Fragen geklärt sind, und über den Dienstag wird aktuell entschieden.

Während viele Schüler bestimmt nichts gegen Hitzefrei hätten, ist Friedhelm Neumann davon direkt zu Schulbeginn weniger begeistert. „Die meisten Schüler gehen mit großer Motivation an den Schuljahresbeginn ran“, sagt er. Und die leide schnell, wenn es durch die Hitze nur mit halber Kraft an den Start gehen kann.

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