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Donnerstag, 09.08.2018

Licht ins Porzellan gebracht

Die Porzellan-Biennale beweist, dass sich aus dem Material mehr machen lässt als Kaffeepötte.

Von Peter Anderson

Wie leuchtet mein Lachen? Feine Sensoren in den dünnwandigen Porzellan-Flaschen der Bamberger Künstlerin Christina Toewe verwandeln Geräusche in Lichttöne. Andreas Ehret, vom Meißner Verein zur Förderung zeitgenössischer Porzellankunst, schaut fasziniert zu. Der Verein lädt ab Sonntag zur Porzellan-Biennale in die Albrechtsburg.
Wie leuchtet mein Lachen? Feine Sensoren in den dünnwandigen Porzellan-Flaschen der Bamberger Künstlerin Christina Toewe verwandeln Geräusche in Lichttöne. Andreas Ehret, vom Meißner Verein zur Förderung zeitgenössischer Porzellankunst, schaut fasziniert zu. Der Verein lädt ab Sonntag zur Porzellan-Biennale in die Albrechtsburg.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Schon das „Pssst!“ ist zu laut. In einer Handvoll durchscheinender Porzellanflaschen springen – durch einen Sensor geweckt – verborgene Lämpchen an. Rund 100 der weißen, über cremefarbenen bis goldenen Kleinplastiken hat die Bamberger Künstlerin Christian Toewe auf einem 14 Quadratmeter großen Podest verteilt. „Wispernde Flaschen“ heißt die geräuschempfindliche Installation, mit der sich die Designerin an der am Sonntag öffnenden zweiten Porzellan-Biennale in der Meißner Albrechtsburg beteiligt.

An diesem Donnerstagnachmittag wird noch aufgebaut. Knarrend öffnet sich hier eine massive Holztür, klappert dort Werkzeug. Wie ein Echo erzeugen die Geräusche von nah und fern immer neue Lichtmuster im Flaschenmeer. Der Spieltrieb wird geweckt. Was passiert beim Händeklatschen? Wie strahlt mein Lachen? Welchen Effekt erzeugt das Klacken von Stöckelschuhen? Eine Situation der Zwiesprache entsteht zwischen dem Besucher und der Installation. Gleichzeitig scheinen die Porzellan-Objekte selbst zu kommunizieren. Zwei mit den Hälsen zueinander geneigte Flaschen blinkern sich an wie ein verliebtes Pärchen.

Andreas Ehret, vom Meißner Verein zur Förderung zeitgenössischer Porzellankunst, dürfte kaum ein besseres Beispiel finden, um den Anspruch der nach 2016 zweiten Meißner Porzellanbiennale zu illustrieren. Porzellan könne weit mehr sein, als nur Ausgangsstoff für Teller und Tassen mit Blauen Schwertern, sagt er. Ziel der internationalen Schau sei es, die Vielfalt des Materials aufzuzeigen, den Zuschauern seine scheinbar unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten zu demonstrieren. Originalität habe dementsprechend ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl der insgesamt 31 Künstler und ihrer Arbeiten gebildet. Fast 80 Bewerber aus der ganzen Welt hatten sich um eine Teilnahme bemüht. Einige Arbeiten zu speziellen Themenfeldern stellte die Jury zurück, um diese für nächste Ausstellungen aufzusparen. Denn der Reigen soll weitergehen. Die Albrechtsburg sei als Gründungsort der ersten europäischen Porzellan-Manufaktur prädestiniert. Daran erinnert der Vorsitzende des Porzellankunst-Vereins Olaf Fieber. 1710 sei Meißen ein Ausgangspunkt für eine Innovationswelle gewesen. Das müsse die Stadt erneut werden.

Gleich im ersten Raum des Rundgangs hat die niederländische Künstlerin Marie-Josèe Comello unterdessen eine erste Installation vollendet. Ein Band von Porzellan-Ornamenten zieht sich über den Boden. Die Formen erscheinen bekannt, doch ihre Kombination verstört. Zwischen Elementen, die wie stilisierte Geflügelbeine wirken, schmiegen sich an Blütenteile erinnernde Porzellanstücke. Vier geriffelte Muscheln rahmen das Objekt ein. Solche Fragmente seien für sie der Ausgangspunkt. Sie spiele gern mit ihnen, füge zusammen, was in der Natur ursprünglich getrennt existiert, sagt Marie-Josèe Comello.

Neu an der zweiten Auflage der internationalen Leistungsschau in Meißen ist die Kooperation mit dem Porzellanikon in Selb, Europas größtem Spezialmuseum für Porzellan. Dessen Kuratorin Claudia Zachow hat geholfen, die Werke optimal in den Sonderausstellungsräumen im Erdgeschoss der Burg zur Geltung zu bringen. Und die Zusammenarbeit eröffnet neue Perspektiven. Sie arbeite daran, die Bienale im Anschluss nach Selb zu holen, sagt Claudia Zachow. Die Chancen stünden gut.

Die Ausstellung auf der Albrechtsburg ist ab Sonntag täglich 10 bis 18 Uhr zu sehen. Eintritt 4 bzw. 3,50 Euro.