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Donnerstag, 09.08.2018

Leutewitzer Loch soll verschwinden

Für den Hochwasserschutz wollen die Anwohner eine Senke beseitigen lassen. Das ist schwieriger als gedacht.

Von Stefan Lehmann

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Ortsvorsteher Ulrich Matz (l.) zeigt Riesas Landtagsabgeordnetem Geert Mackenroth die Stelle, die Leutewitz im Hochwasserfall zu einer Insel macht. Südöstlich des Ortsteils verläuft dann ein schmaler Überflutungsstreifen. Der ließe sich durch ein Anheben der Straße verhindern, sagen die Leutewitzer.
Ortsvorsteher Ulrich Matz (l.) zeigt Riesas Landtagsabgeordnetem Geert Mackenroth die Stelle, die Leutewitz im Hochwasserfall zu einer Insel macht. Südöstlich des Ortsteils verläuft dann ein schmaler Überflutungsstreifen. Der ließe sich durch ein Anheben der Straße verhindern, sagen die Leutewitzer.

© Sebastian Schultz

© Grafik/SZ

Riesa. Weil die Sache schon wieder fünf Jahre her ist, hat Ulrich Matz ein Handyfoto zur Veranschaulichung mitgebracht. Zu sehen ist darauf die Sicht von Leutewitz in Richtung Hirschstein. Kurz hinter dem Ortsausgang senkt sich die Straße, um dann wieder langsam anzusteigen. In der Delle steht das Wasser. Was auf dem Foto aussieht wie eine mehrere Meter breite Pfütze, ist für die Leutewitzer ein Problem. Denn 2002 und 2013 war der Riesaer Ortsteil damit von der Außenwelt abgeschnitten. „Mallorca war hier“, sagt Ortsvorsteher Ulrich Matz, und erklärt dann, was er damit meint: Rings um Leutewitz stand das Wasser, während sich die Anwohner auf ihrer Insel relativ sicher fühlen konnten.

Doch das Leutewitzer Loch, eben jene kleine Delle, über die das Wasser aus Richtung Elbe auf die Felder lief, war ein Problem. „Dort stand das Wasser schon teilweise 50 Zentimeter hoch“, erinnert sich Ulrich Matz. Da komme kein Pkw mehr durch – und wohl auch kein Rettungsdienst. In Leutewitz sollte deshalb schon vor 16 und fünf Jahren der Ort geräumt werden. „Die Busse standen schon hier“, erzählt Matz. „Da wurde ein richtig großer Aufriss gemacht.“ Nur hatte die Sache eben schon damals einen großen Haken: „Es wollte niemand gehen.“

Seitdem kämpfen er und die anderen Mitglieder des Ortschaftsrates um eine Lösung, damit Leutewitz beim nächsten Flutereignis gar nicht erst vor diesem Problem steht. Und diese Lösung könnte denkbar einfach sein, sagt der Ortsvorsteher: Die Senke müsste verschwinden. Dann wäre Leutewitz weiter aus Richtung Hirschstein erreichbar. Man könne doch einfach für den betreffenden Abschnitt die Straße aufschütten. „Man müsste sie dann noch verrohren, damit das Wasser unter der Fahrbahn durchfließen kann.“ Aber eigentlich könne das doch so schwer nicht sein. Doch viel passiert sei bisher eben nicht. Nicht nur die Ortschaftsräte vermuten vor allem einen Grund dahinter. „Für das betreffende Straßenstück sind die Stadtverwaltung Riesa und der Landkreis verantwortlich“, erklärt Ulrich Matz und zeigt auf eine Markierung. Kurz hinter dem Ortsausgangsschild beginnt die Kreisstraße 8558. Die Frage ist also: Wer müsste für die Aufschüttung der Straße zahlen? Stadt, Landkreis, oder beide? Und zu welchen Anteilen? Eine zufriedenstellende Antwort haben die Räte darauf bisher nicht bekommen. Stattdessen seien die Verantwortlichkeiten hin- und hergeschoben worden. „Dabei kann es doch eigentlich nicht um viel Geld gehen“, sagt Ulrich Matz. Es sei ja ein relativ kurzes Straßenstück, das sozusagen „angehoben“ werden müsste. Vielleicht könne man sogar auf Fördertöpfe zum Hochwasserschutz zurückgreifen. „Man hört ja immer, dass die Mittel kaum angefragt werden.“

Die Ansicht der Ortschaftsräte vertritt auch Riesas Landtagsabgeordneter Geert Mackenroth. Er spricht angesichts der verfahrenen Situation auch von einer „Schildaer Geschichte“. Im Oktober hatten sich die Ortschaftsräte an den CDU-Politiker gewendet, in der Hoffnung auf eine Lösung. Mackenroth stellte bereits eine Kleine Anfrage ans Wirtschaftsministerium, mit der Antwort ist er aber noch nicht zufrieden. Am besten wäre wohl ein runder Tisch, mit allen Beteiligten an Bord. „Sonst kriegt immer derjenige den Schwarzen Peter zugeschoben, der gerade nicht da ist.“ Die Leutewitzer könnten sich durchaus Hoffnungen machen, dass die Straße am Ende wirklich aufgeschüttet wird. „Es gibt zwei ähnliche Fälle“, sagt Geert Mackenroth. In einem davon hätten die Anwohner mittlerweile wohl recht bekommen. Wichtig wäre das laut Ulrich Matz auch, weil sich mittlerweile ein Pflegedienst in Leutewitz angesiedelt hat, der seine Klienten auch ambulant versorgt. Das Unternehmen könnte dann im Hochwasserfall überhaupt nicht mehr arbeiten, fürchtet Matz.

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