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Mittwoch, 14.03.2018

Lastwagen müssen auf B 172 bald zahlen

Ab Juli gilt die Lkw-Maut auf Bundesstraßen. Auch in Pirna ist eine Kontrollstelle geplant. Wie die funktioniert.

Von Franz Herz und Franz Werfel

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So wie diese Kontrollsäule an der Bundesstraße B6 bei Hannover wird auch die Mautsäule aussehen, die in Pirna geplant ist.
So wie diese Kontrollsäule an der Bundesstraße B 6 bei Hannover wird auch die Mautsäule aussehen, die in Pirna geplant ist.

© Toll Collect

Das Fundament für die neue Säule steht bereits an der B172 zwischen Krietzschwitz und Pirna.
Das Fundament für die neue Säule steht bereits an der B 172 zwischen Krietzschwitz und Pirna.

© Daniel Schäfer

Sächsische Schweiz. Die Lkw-Maut wird in diesem Jahr auf die Bundesstraßen ausgeweitet. Alle Fahrzeuge und Gespanne mit mehr als 7,5 Tonnen zulässigem Gewicht müssen ab Juli 2018 bezahlen, wenn sie beispielsweise auf der B  172 zwischen Tschechien und Pirna oder auf der B 170 zwischen Dresden und Zinnwald unterwegs sind. Ob diese Maut von den Transportunternehmen ordentlich bezahlt wird, muss kontrolliert werden. Dafür plant die Toll Collect GmbH, die für das Eintreiben der Maut verantwortlich ist, auch eine Kontrollsäule an der B 172. Sie wird in Pirna zwischen den Ortsteilen Krietzschwitz und Sonnenstein in Fahrtrichtung Innenstadt stehen, etwa 700 Meter hinter dem Ortsausgang Krietzschwitz. Das teilt Antje Schätzel von Toll Collect mit. Das Fundament dafür ist schon gegossen. Wann genau die Säule aufgestellt wird, könne sie noch nicht sagen, so Schätzel.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge soll es nach aktuellem Stand noch zwei weitere Säulen geben: An der B 170 steht die Säule im Dippoldiswalder Ortsteil Oberhäslich in Fahrtrichtung Dresden bereits. Eine weitere soll an der B 173 zwischen Grumbach und Herzogswalde aufgebaut werden.

Der Aufbau dieser Säulen geht Toll Collect zufolge recht schnell. Es werden dafür durchweg Fertigteile verwendet. Diese stellt die Firma Jenoptik in Jena her. In Thüringen werden die einzelnen Bauteile montiert. Für das im TecDax notierte Unternehmen ist das ein Riesenauftrag. Wie Jenoptik mitteilt, liege der Auftragswert für die bestellten Kontrollsäulen im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Auch das Betonfundament, auf das die Kontrollsäulen geschraubt werden, kommt aus einem Fertigteilwerk. Jede Kontrollsäule wird vier Meter hoch sein und in einheitlichem grün-blauen Design gestaltet.

Mit der Ausweitung der Mautpflicht auf die Bundesstraßen werden Toll Collect zufolge bundesweit rund 600 solcher Säulen neu errichtet. Das heißt aber nicht, dass diese Straßen ansonsten nicht weiter kontrolliert werden. Permanent sind Mitarbeiter des Bundesamts für Güterverkehr mit Autos unterwegs und prüfen stichprobenartig, ob die vorbeifahrenden Lkw ordentlich für die Straßennutzung bezahlt haben. Das Bundesamt gibt Toll Collect auch die Straßenabschnitte vor, auf denen gezielt mit Säulen kontrolliert werden soll. Zwischen zwei und 50 Kilometer sind diese Abschnitte lang, je nachdem, wie das Bundesstraßennetz in der jeweiligen Region aussieht. Wo genau Toll Collect die Säulen in den einzelnen Abschnitten aufbaut, entscheidet das Unternehmern anhand eines umfangreichen Kriterienkatalogs.

Säulen sind keine Blitzer


Wenn ein Lkw an einer solchen Säule vorbeifährt, macht diese drei Aufnahmen: eine Übersicht vom ganzen Fahrzeug, eine Seitenansicht und eine Detailaufnahme vom Kennzeichen. Eines machen die blau-grünen Säulen nicht: Sie überwachen nicht die Geschwindigkeit. Darauf weist Toll Collect ausdrücklich hin. An den Säulen wird auch keine Maut kassiert. Sie haben eine reine Kontrollfunktion.

Die erfassten Bilder werden dann mit den Daten im Rechenzentrum von Toll Collect verglichen. Dort sind alle Lkws gespeichert, für die die Maut bereits bezahlt ist. Kommt das Signal „Okay, Maut bezahlt“, löscht die Säule die Bilder sofort wieder. Hat der Fahrer aber keine Maut bezahlt, bekommt sein Unternehmen eine Rechnung. Wie teuer ein gefahrener Kilometer auf Autobahnen und Bundesstraßen für das Transportunternehmen ist, ist von der Schadstoffklasse und der Achszahl an dem jeweiligen Lkw abhängig. Der Mautsatz liegt zwischen 8,1 und 21,1 Cent pro Kilometer. „Im Mittel zahlen Unternehmen 13,8 Cent“, sagt Antje Schätzel.

Die meisten Lkw-Fahrer kennen die Maut schon gut. Auf den deutschen Autobahnen wird sie seit 2005 kassiert. Toll Collect rechnet mit bundesweit rund 30 000 Unternehmen, die bisher keine Maut bezahlen mussten, weil sie nur im Nahverkehr unterwegs sind und keine Autobahnen nutzen. Sie müssen sich jetzt damit befassen, ob sie mautpflichtig sind und welches Verfahren sie dafür nutzen wollen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Viele Lkws haben bereits ein eigenes Mautgerät im Fahrzeug. Wer aber neu von der Maut betroffen ist, für den gibt es günstigere Varianten. Die Fahrer können auch mit dem Handy oder einem PC ihre Fahrten buchen. Dafür hat Toll Collect im Februar eine neue App eingeführt.