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Mittwoch, 03.01.2018

Langläufer nutzen Homöopathie

Erst finden diese Mittel ihren Platz in der Gesellschaft. Jetzt bieten Mannschaftsärzte solche Präparate an – beispielsweise derzeit bei der Tour de Ski.

Von Gerald Fritsche

An der Homöopathie scheiden sich die Geister.
An der Homöopathie scheiden sich die Geister.

© Symbolbild/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Alles nur Einbildung oder ein heilendes Mittel? An der Homöopathie scheiden sich die Geister. Aber egal, wie man zu ihr steht: Sie hat ihren Platz in der modernen Gesellschaft gefunden – auch im Leistungssport. Immer mehr Sportmediziner arbeiten mit diesen Mitteln, beispielsweise im Deutschen Skiverband. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Tom Kastner, Mannschaftsarzt der Langläufer, auch solche Präparate in seinem Koffer für die Tour de Ski hat, die seit Dienstag und noch bis Donnerstag in Oberstdorf gastiert.

„Um es klar zu sagen: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit von Homöopathika“, betont er. „Es widerspricht naturwissenschaftlichen Gesetzen, was einen Mediziner mit naturwissenschaftlicher Ausbildung in einen Konflikt bringt.“ Der Arzt am Institut für angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig kennt die Bedeutung der Homöopathie für viele Menschen. Nicht von ungefähr stiegen zuletzt die Absatzzahlen solcher Substanzen und haben sich inzwischen auf einem hohen Niveau eingepegelt. „Das ist im Sport nicht anders als im normalen Leben“, erklärt er. „Die Frage ist, bei welchem Krankheitsbild ich homöopathische Präparate anbiete. Ich möchte dem Athleten etwas geben, obwohl es nicht zwingend notwendig ist, auf Wirkstoffe mit möglicherweise hohem Nebenwirkungspotenzial zurückzugreifen. Sportler, die damit eine gute Erfahrung gemacht haben, greifen gern darauf zurück.“

Fessel fühlt sich sehr gut beraten

Etwa Nicole Fessel. Die Skilangläuferin aus Oberstdorf hat seit jeher ein neurologisches Problem und ist permanent auf der Suche nach Hilfe. „Und da bin ich auch auf die Homöopathie gekommen“, meint die Allgäuerin. „Ich schwöre nicht auf sie, aber ich verwende sie. Unsere Ärzte beraten mich da sehr gut.“

Besonders die psychologische Seite wird laut Kastner bei Homöopathie angesprochen. „Diese Präparate können helfen, wenn man daran glaubt – ähnlich dem Placebo-Effekt. Da gibt es eine Wirkung zwischen Psyche und Körper“, sagt der Sportmediziner. Bei Fachtagungen und in Fachzeitschriften wird das Thema immer mal wieder behandelt, denn: „Als Arzt musst du deine eigene Position in dieser Frage auch mal zurückstellen und einfach mit der positiven Einstellung des Patienten, in dem Fall des Sportlers, arbeiten. Es ist einfach ein Vertrauensbeweis.“

Und noch etwas ist wichtig: Homöopathische Substanzen sind keine Naturheilmittel. Sportmediziner wissen, dass die Präparate, die sie über zertifizierte Betriebe beziehen, auch bezüglich Doping sauber sind. „Ich würde jedem, auch dem Volkssportler, davon abraten, homöopathische Präparate aus den Tiefen des Internets zu beziehen. Man weiß nie, was wirklich drin ist.“ , betont er.

Auch wenn der 33-Jährige kein Verfechter der Homöopathie ist, lehnt er sie nicht grundsätzlich ab. „Jeder muss seine Erfahrungen damit machen und für sich entscheiden, wie sehr er darauf vertraut. Vor allem als behandelnder Arzt sollte man aber die Grenzen des Einsatzes von Homöopathika kennen“, erklärt Kastner. (dpa)

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