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Freitag, 09.11.2018

Lange Haftstrafe für Brandstifter

Der 24-Jährige hat gestanden, den Holzhandel an der Stadtgrenze Radebeul angezündet zu haben. Nicht sein erstes Feuer.

Fabian S. wird in den Verhandlungssaal gebracht. Gesagt hat er zwar die ganze Zeit nichts, über seine Anwältin jedoch gestanden. Seit März sitzt der 24-Jährige in Untersuchungshaft. Gestern wurde er zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt.
Fabian S. wird in den Verhandlungssaal gebracht. Gesagt hat er zwar die ganze Zeit nichts, über seine Anwältin jedoch gestanden. Seit März sitzt der 24-Jährige in Untersuchungshaft. Gestern wurde er zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt.

© Ronald Bonss

Radebeul. Fabian S. versteckt sein Gesicht mit der Kapuze, als er von Justizbeamten in den Gerichtssaal gebracht wird. Mit zittrigen Händen hält er sich einen Zettel vors Gesicht, bis die Fotografen den Saal verlassen haben. Der 24-Jährige soll der Zündler sein, der zumindest für den Großbrand beim Holzhandel WHG in Coswig verantwortlich ist. Bei dem Feuer wurden Ware, vier Gabelstapler, zwei Holzverarbeitungsmaschinen sowie die gesamte Halle zerstört. Schaden: 7,5 Millionen Euro.

Weitere Fotos vom Brand in Coswig

Seit März sitzt der Neusörnewitzer deshalb in Dresden in Untersuchungshaft. Und obwohl er vorher die Tat bestritten hat, legt er vor Gericht nun ein Geständnis ab. Er lässt von seiner Anwältin eine Erklärung verlesen. Demnach zerschnitt er am 15. Februar gegen 1 Uhr den Maschendrahtzaun am WHG-Gelände, übergoss einen Stapel Holzpaletten mit Industrieverdünner und zündete diesen an. Danach sei er geflüchtet.

Im Vorfeld hatten sich die Prozessbeteiligten auf einen Deal geeinigt. Gesteht S., muss er mit einer Freiheitsstrafe zwischen fünf Jahren und neun Monaten und sechseinhalb Jahren rechnen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine höhere Strafe angestrebt. Durch das Geständnis konnte der Prozess deutlich beschleunigt werden. Schon am späten Nachmittag fiel das Urteil: sechs Jahre. Ursprünglich waren vier Verhandlungstage geplant.

Ein Leugnen der Tat hätte dem Angeklagten auch nicht viel gebracht. Die Beweise sind erdrückend. Am Tatort entdeckten die Ermittler DNA-Spuren am Zaun. Die führten schließlich zu Fabian S. Die Auswertung seiner Handydaten bestätigten den Verdacht, dass er zur Tatzeit in der Nähe war. In Gesprächen mit Freunden verstrickte er sich in Widersprüche.

Vor allem aber ist er einschlägig vorbestraft. Allein 2010 soll er viermal gezündelt haben. Autos und Lauben brannten da. Mit 1,6 Millionen Euro Schaden war das Feuer in der EWS-Lagerhalle in Neusörnewitz das größte. S. war da erst 16 Jahre alt und wurde zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Damals gab er vor Gericht an, in Zukunft straffrei bleiben zu wollen.

Danach taucht er ab 2015 mehrmals als Zeuge und Brandentdecker in den Ermittlungsakten auf. Als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gibt er meist an, zufällig vorbeigefahren zu sein. Auch den Brand bei Landmaxx im November 2017 meldete S. der Polizei und wurde als Zeuge vernommen.

Nachdem zwischen den Bränden stets ein paar Wochen lagen, brannte es im Februar 2018 in sehr kurzen Abständen. S. fühlte sich offenbar durch die Aussagen der Polizei herausgefordert. So berichtete die SZ am 13. Februar, dass die Ermittler nicht von einer Serie ausgehen. Ein Kriminaloberrat erklärte damals, dass es sich vermutlich nicht nur um einen Feuerteufel handle. Denn Zusammenhänge zwischen den Bränden hatte man nicht gefunden. Fabian S. beantragte an diesem Tag spontan Urlaub bei seinem Arbeitgeber und bekam diesen auch. In den beiden Nächten danach brannte es zunächst im Dehner Gartencenter in Brockwitz und dann im Holzhandel. Erst danach bildete die Polizei eine Ermittlungsgruppe. Schon wenige Wochen später konnte der gelernte Metallbauer festgenommen werden.

Freunde und Ex-Freundinnen beschreiben Fabian S. als unberechenbar und aggressiv. Er sei ein Pyromane mit großem Interesse für Feuerwehr und Brände, erzählt eine Frau den Ermittlern. Zu einer anderen habe er gesagt, dass er gern mal wieder etwas anzünden würde. Psychisch soll er sehr labil sein, bereits mehrfach versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

Bisher sieht es nicht so aus, als müsste S. sich für weitere Taten vor Gericht verantworten. Die Ermittlungsgruppe hat ihre Arbeit Ende August beendet. Laut seiner Verteidigerin gab es weitere fünf Brände, wo die Beamten Hinweise fanden, dass der 24-Jährige beteiligt gewesen sein könnte. Allerdings reichten die Beweise nicht für eine Anklage. In neun weiteren Fällen wurden keine Hinweise auf S. gefunden.

Seit Dezember 2016 hat es in Coswig und Weinböhla insgesamt acht große Brände gegeben. Die Brandserie begann im November 2016. Da brannte ein im Rohbau befindliches Einfamilienhaus in Neusörnewitz nieder. Kurz danach traf es die Halle eines Getränkehändlers, ebenfalls in Neusörnewitz und zwei Monate später wurde das Vereinshaus des SV Motor Sörnewitz angezündet. Im Juli 2017 folgte eine Lagerhalle des Lackherstellers Herlac, im November eine Landmaxx-Halle, im Dezember Hülsbusch in Weinböhla. Die Feuer bei Dehner und der WHG waren die letzten Großbrände.