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Samstag, 13.10.2018

Landwirte müssen ohne Dürrehilfe auskommen

Die staatliche Stütze wird voraussichtlich keinen Betrieb im Landkreis erreichen. Ist das ein gutes Zeichen?

Von Christian Eissner

Trockene Maispflanzen auf einem Feld bei Heidenau-Großsedlitz Mitte September.
Trockene Maispflanzen auf einem Feld bei Heidenau-Großsedlitz Mitte September.

© Norbert Millauer

Ausgedörrte, staubige Felder; Getreide, das wegen Wassermangels gerade einmal die Notreife schaffte; komplett ausgefallene Heuernten – die Nachrichten der vergangenen Monate ließen für die Landwirtschaft nichts Gutes erwarten. Erst jetzt, zum Ende der Saison, können die Bauern aber Bilanz ziehen. Ist 2018 in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge wegen des heißen und trockenen Sommers tatsächlich ein katastrophales Jahr für die Landwirte geworden?

Henryk Schultz, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, will weder schwarzmalen noch Entwarnung geben. Die Landwirte in der Region müssen deutliche Ernteausfälle verkraften, sagt Schultz, alles in allem seien diese bei den Feldfrüchten aber nicht so hoch wie befürchtet. Bei Raps und Mais, sagt Schultz, betragen sie um die zehn Prozent, wobei es von Betrieb zu Betrieb Unterschiede gebe – je nachdem, ob lokal ein paar Tropfen Regen mehr oder weniger gefallen sind. „Die momentan besseren Preise fangen diese Ausfälle aber teilweise wieder auf“, so Schultz. Gravierend seien die Verluste allerdings bei der Sommergerste mit rund 30 Prozent sowie beim Grünfutter fürs Vieh. Zwei Mahden sind dieses Jahr praktisch komplett ausgefallen, sodass es nun überall an Heu und Grassilage fehlt.

Nachdem die Bundesregierung angekündigt hat, den Landwirten zu helfen und nun auch die Bedingungen klar sind, könnten Sachsens Bauern seit Freitag die staatliche Dürrehilfe beantragen. Die Antragsfrist läuft bis zum 16. November. Insgesamt stehen 44 Millionen Euro Kompensation für Ernteausfälle bereit. Theoretisch. „In unserem Landkreis“, schätzt Henryk Schultz ein, „wird voraussichtlich kein einziger Landwirt etwas aus diesem Topf bekommen.“ Einerseits liegt das daran, dass die Betriebe wohl nicht die fürs Ausreichen der Hilfsgelder verlangten 30 Prozent Ertragseinbuße im gesamten Feldbau haben werden. Dass die Verluste niedriger ausfallen, sagt Schultz, sei als gutes Zeichen für die Landwirte in der Region zu werten.

Andererseits sei es fraglich, ob ein Betrieb sich um die Hilfe bewirbt, selbst wenn er sich Chancen darauf ausrechnet. Die bürokratischen Hürden für die Bauern sind tatsächlich sehr hoch. Ein Betrieb könnte 50 Prozent seiner Ernteausfälle erstattet bekommen, muss aber dafür nachweisen, dass er wirtschaftlich andernfalls nicht überleben kann. In die Berechnung gehen nicht nur einzelne Feldfrüchte ein, sondern es wird die gesamte wirtschaftliche Situation eines Betriebes betrachtet, also zum Beispiel inklusive Viehhaltung und Biogas-Produktion. Die Landwirte müssen dafür nach Angaben von Bauernverbänden nicht nur die kompletten Betriebszahlen der vergangenen drei Jahre offenlegen, sondern auch ihre privaten Vermögensverhältnisse. Das gilt auch für die Gesellschafter von Agrargesellschaften.

Aus Sicht der Geldgeber mögen diese Hürden verständlich sein, sagt Henryk Schultz, für die Bauern aber machen sie die staatliche Stütze nahezu unerreichbar. Der Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Kurreck, wählte dieser Tage in einem Interview, das er dem Online-Portal der Zeitschrift Top Agrar gab, noch deutlichere Worte. Die Dürrehilfe sei ein nicht mehr vermittelbares Bürokratiemonster, sagte Kurreck. „Es gibt kaum noch eine Beziehung zwischen witterungsbedingtem Schaden und dem Unterstützungsantrag.“ Ohne Betriebs- und Steuerberater seien die Anträge praktisch nicht auszufüllen, zudem seien die Bedingungen, an die die Hilfe geknüpft ist, in vielfacher Weise ungerecht. Betriebe, die sich ausschließlich auf Marktfrüchte spezialisiert haben, werden besser gestellt als Mischbetriebe, nennt Henryk Schultz ein Beispiel. Dabei seien gerade Betriebe mit Milchvieh wegen des Futtermangels besonders betroffen. Unterm Strich, sagt der Regionalbauerchef, könne jeder landwirtschaftliche Betrieb, der von vornherein nicht in Nähe des für die Dürrehilfe nötigen Ertragsverlusts komme, einfach nur froh und stolz sein.

Die Bauern blicken nun nach vorn statt zurück. Die Rapssaat fürs kommende Jahr sei trotz der anhaltenden Trockenheit besser aufgelaufen als erwartet, die Aussaatbedingungen für Gerste und Weizen blieben aber problematisch, so Schultz. Kann er dem trockenen und heißen Sommer auch etwas Gutes abgewinnen? Durchaus. Dank der stabilen Wetterlage konnten die Bauern ihre Arbeit wunderbar planen, Hau-Ruck-Aktionen wie im feuchten Vorjahr, das aus landwirtschaftlicher Sicht auch nicht optimal verlief, waren nicht nötig. Betrieben, bei denen sich abzeichne, dass die Futterversorgung für die nächsten Monate problematisch wird, werde der Regionalbauernverband bei der Vermittlung von Futter helfen, kündigt Henryk Schultz an.