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Mittwoch, 13.06.2018

Landwirt hilft bei der Insektenrettung

Neue Gehölzstreifen und Blühflächen sollen zwischen Elbe und Röder Lebensräume für bedrohte Tiere schaffen.

Von Manfred Müller

Das Bild täuscht: Noch ist der Raps nicht so weit. Die Aufnahme mit Gerhard Förster, Chef der Agrargenossenschaft Kreinitz, stammt vom Juli 2016. Dieses Jahr aber beteiligt sich sein Unternehmen an einem Projekt, das Felder bei Jacobsthal attraktiver für Insekten machen soll.
Das Bild täuscht: Noch ist der Raps nicht so weit. Die Aufnahme mit Gerhard Förster, Chef der Agrargenossenschaft Kreinitz, stammt vom Juli 2016. Dieses Jahr aber beteiligt sich sein Unternehmen an einem Projekt, das Felder bei Jacobsthal attraktiver für Insekten machen soll.

© Sebastian Schultz

Zeithain/Gröditz. Das Wort „Insektensterben“ ist in aller Munde – und wird in den Medien kontrovers diskutiert. Im vergangenen Herbst hatte der Entomologische Verein Krefeld die Ergebnisse einer Langzeitstudie veröffentlicht, die den alarmierenden Rückgang der Fluginsekten-Bestände belegte. Seit Ende der 1980er-Jahre schrumpften die Fänge, die immer unter gleichen Bedingungen gemacht wurden, um rund 75 Prozent.

Naturschützer, aber auch Wissenschaftler machen vor allem die intensive Landwirtschaft dafür verantwortlich. Den Einsatz von Insektengiften, dazu den Verlust von Nahrungsgrundlagen und Lebensraum. Feldraine, auf denen für viele Arten existenziell wichtige Pflanzen wuchsen, gebe es ja praktisch nicht mehr, sagt der Zoologe Johannes Steidle von der Universität Hohenheim. Die Feld-Monokultur sei für Insekten genauso wertvoll wie ein geteerter Parkplatz. Parallel dazu weisen Zählungen der Naturschutzverbände darauf hin, dass auch die Bestände von insektenfressenden Vogelarten – etwa dem Rotkehlchen – im Sinken begriffen sind.

Im Raum Riesa-Großenhain hat sich der Verein Elbe-Röder-Dreieck der Problematik angenommen. Die Organisation betreut den Nordwesten des Landkreises zwischen Gröditz, Großenhain und Nünchritz. Der Verein brachte vorige Woche in Gröditz Kommunalvertreter, Landwirte und Insektenforscher zusammen. Ziel der Konferenz: In der intensiv genutzten Agrarlandschaft östlich der Elbe Landschaftselemente zu schaffen, die Insekten und anderen Tieren das Überleben ermöglichen. „Wenn es genügend Blühwiesen, Heckenstreifen und andere Rückzugsgebiete gibt, fällt die intensive Ackernutzung auf dem Schlag nebenan nicht mehr so stark ins Gewicht“, erklärt Falko Haak. Der Regionalmanager beim Elbe-Röder-Dreieck plädiert für Realismus und ein Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz. Größere Flächen einfach brach liegenzulassen, sei für die meisten Agrarbetriebe keine wirtschaftliche Option, weil die dafür ausgereichten Fördermittel den Ertragsausfall finanziell nicht ausgleichen. Deshalb will der Verein Projekte initiieren und begleiten, die dem Insektenschwund entgegenwirken.

Eins davon soll noch in diesem Jahr mit Fördergeldern auf den Weg gebracht werden – die Anlage eines drei Kilometer langen und sechs Meter breiten Heckenstreifens nördlich von Jacobsthal. „Hier liegt der größte zusammenhängende Feldblock im Bereich unserer Mitgliedsgemeinden“, sagt Falko Haak. Dieser würde durch die Gehölzpflanzung geteilt, wobei ein Biotopverbund zwischen den Waldinseln am Elbufer und der Gohrischheide entstünde. Die Kreinitzer Agrargenossenschaft, die die Felder bewirtschaftet, hat sich bereiterklärt, als Projektträger einzuspringen. Haak ist zurzeit mit den Flächeneigentümern im Gespräch, von deren Zustimmung das Vorhaben abhängt. Funktioniert das, könnte der Streifen in zwei Etappen angelegt werden – die ersten anderthalb Kilometer noch in diesem Winter. Vom Heckenstreifen würden auch die Landwirte profitieren. Zum einen, weil er die Winderosion auf der riesigen Fläche vermindert. Zum anderen hielte er zumindest für den angrenzenden Acker die Feuchtigkeit im Boden.

Auch in den Ortschaften könnten neue Lebensräume für Bienen, Fliegen, Käfer und Schmetterlinge geschaffen werden, so die Anregung der Regionalkonferenz im Gröditzer Dreiseithof. Zum Beispiel durch die Anlage von Blühwiesen, wie es sie bereits in Großenhain gibt. „Das wird sicher noch Überzeugungsarbeit kosten“, sagt Falko Haak. Nicht jeder Anwohner sei glücklich darüber, wenn plötzlich kniehoch Pflanzen wachsen, wo er früher mit seinen Kindern oder seinem Hund spielen konnte.

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