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Freitag, 09.11.2018

Läden und Freizeitangebote fehlen

Das Glashütter Rathaus hat die Bürger um ihre Meinung gefragt. Die gaben auch überraschende Antworten.

Von Maik Brückner

Die Glashütter mögen ihre Stadt, die im idyllischen Müglitztal liegt und von einer wunderbaren Natur umgeben ist. Sie freuen sich, dass der Winterdienst funktioniert. Dennoch gibt es auch einiges, was sie stört. Ihnen fehlen Einkaufsmärkte, Kultur- und Freizeitangebote. Auch die medizinische Versorgung könnte besser sein. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse einer Bürgerbefragung, die jetzt ausgewertet wurde.
Die Glashütter mögen ihre Stadt, die im idyllischen Müglitztal liegt und von einer wunderbaren Natur umgeben ist. Sie freuen sich, dass der Winterdienst funktioniert. Dennoch gibt es auch einiges, was sie stört. Ihnen fehlen Einkaufsmärkte, Kultur- und Freizeitangebote. Auch die medizinische Versorgung könnte besser sein. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse einer Bürgerbefragung, die jetzt ausgewertet wurde.

© Frank Baldauf

Glashütte. Einmal Bürgermeister sein. In Glashütte konnten das die Bürger – gedanklich. Sie wurden von der Stadtverwaltung gebeten, sich Gedanken zur Stadtentwicklung zu machen. Jeder Bürger konnte sich in den letzten fünf Monaten dazu anonym äußern. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung, die unter dem Motto „Wenn ich Bürgermeister wäre …“ stand, wurden vor einigen Tagen von Martin Neumann vorgestellt. Der Mitarbeiter der Kommunalberatungsgesellschaft Steg leitete die Befragung und die Auswertung. Die SZ fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Wie viele Bürger beteiligten sich an der Befragung?
Die Steg verteilte rund 3 500 Fragebögen, unter anderem im Amtsblatt, im Rathaus, in der Bibliothek, beim Heufest in Reinhardtsgrimma und beim Stadtfest in Glashütte. „Insgesamt wurden 130 Fragebögen beantwortet zurückgeschickt“, sagt Neumann. Das ist eine Rücklaufquote von 3,7 Prozent. Das sei wenig. In anderen Kommunen kamen rund fünf Prozent der Fragebögen zurück. Über die Gründe könnte er nur mutmaßen. Doch das wolle er nicht.

An der Befragung haben sich überdurchschnittlich viele Bürger in den Altersgruppen 18 bis unter 40 Jahre und 40 bis unter 65 Jahre beteiligt. Bezogen auf die Wohnorte gab es große Unterschiede. Von den 130 Beteiligten kamen 84 Personen aus der Kernstadt, also rund 65 Prozent. Bezogen auf Gesamteinwohnerschaft machen die Bewohner der Kernstadt aber nur 25 Prozent aus. Insgesamt, so Neumann, seien die Ergebnisse der Befragung nicht repräsentativ.

Was gefällt den Glashüttern an ihrer Heimatstadt?
Viele Glashütter schätzen das gepflegte Stadtbild, die Sauberkeit in der Stadt, die intakte Bausubstanz sowie die schöne Landschaft. Die Bürger sind stolz auf den international guten Ruf, den Glashütte als Uhrenstadt hat. Die Entwicklung ihrer Stadt beurteilen die Bürger zu 51 Prozent positiv beziehungsweise eher positiv, 22 Prozent sehen das nicht so, 27 Prozent hatten bei neutral ein Kreuzchen gemacht.

Noch besser bewertet wird das Bus- und Bahnangebot. Das beurteilen 65 Prozent der Umfrageteilnehmer als positiv und eher positiv, 16 Prozent empfinden das Nahverkehrsangebot aber schlecht.

Mit dem Jobangebot in der Stadt sind viele (45 Prozent) zufrieden. Nach Ansicht der Befragten kommt das Rathaus seinen Pflichten in der Kinderbetreuung (69 Prozent positiv/eher positiv), beim Winterdienst (70 Prozent) und der Straßenunterhaltung (51 Prozent) nach. Mit dem Angebot an Seniorenheimen und altersgerechtem Wohnraum sind 35 Prozent zufrieden, 14 Prozent sehen das nicht so.

Wo sehen die Glashütter Nachholbedarf?
Die Glashütter sind aber auch mit einigen Dingen unzufrieden. Ganz oben steht das gastronomische Angebot, dem 92 Prozent der Befragten schlechte Noten geben. Nachholbedarf sehen viele auch bei den Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche, die von 48 Prozent als schlecht eingestuft werden. Ähnlich negativ werden die Einkaufsmarktsituation sowie die Freizeit- und Kulturangebote für Erwachsene bewertet. Mit der medizinischen Versorgung sind 34 Prozent unzufrieden. 27 Prozent sind zufrieden, 28 Prozent wollten sich nicht genauer festlegen.

Was kann die Stadt tun, um Abhilfe zu schaffen?
Mehrere Bürger machten auch Vorschläge, was zu tun ist, sagt Neumann. Demnach sollte die Stadt den Gastwirten Mietzuschüsse zahlen. Um weitere Einkaufsmärkte anzusiedeln, sollte Glashütte den Ketten Grundstücke anbieten. Außerdem sollte die Uhrenindustrie besser bei der Stadtentwicklung eingebunden werden.

Welche Vorhaben soll die Stadt in den nächsten Jahren anpacken?
Jeder Befragte durfte zwei Wünsche äußern, welche Vorhaben die Stadt in den nächsten Jahren in Angriff nehmen sollte. Knapp die Hälfte wünscht sich, dass Glashütte ein neues Stadtbad bauen sollte. Etwa 30 Prozent fordern den Bau des Müglitztalradweges und den Erhalt beziehungsweise Bau von Gemeinschaftshäusern. Rund 20 Prozent möchten, dass die Stadtverwaltung neue Wohngebiete erschließt und Brachen abreißt.

Wie sehen die Glashütter die Arbeit der Stadtverwaltung?
27 Prozent der Befragten bewerten die Mitarbeiter im Rathaus als bürgerfreundlich, 29 Prozent finden das überhaupt nicht. Mehrere Befragte wünschen sich, dass Bürgermeister Markus Dreßler besser mit seinen Bürgern kommuniziert, kritikfähiger wird und den Einwohnern besser zuhören soll. Zudem wird angeregt, jüngere Mitarbeiter im Rathaus anzustellen.

Wie wird die Arbeit der Stadt- und Ortschaftsräte bewertet?
Viele Befragte sind mit der Arbeit des Stadtrates nicht zufrieden. Nur 17 Prozent bewerten dessen Arbeit als gut, hingegen 51 Prozent als schlecht beziehungsweise eher schlecht. Der Ortschaftsrat in der Kernstadt wurde von 25 Prozent der befragten Bürger in der Kernstadt positiv beziehungsweise eher positiv bewertet. 56 Prozent beurteilten dessen Arbeit als negativ beziehungsweise eher negativ. Die Ortschaftsräte in den anderen Ortsteilen mussten aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen zusammen ausgewertet werden. Deren Arbeit wurde von 43 Prozent positiv beziehungsweise eher positiv bewertetet, 21 Prozent werten die Arbeit ihrer örtlichen Interessenvertreter negativ und eher negativ.

Wie geht es jetzt weiter?
Zur Auswertung der Studie waren nur etwa 15 Bürger gekommen. Über die Interpretation der Zahlen wurde nach Aussagen der Beteiligten sehr kontrovers diskutiert. In drei weiteren Foren sollen nun spezielle Themen besprochen werden. Geplant sind Bürgerdialoge zu den Themenkomplexen Einzelhandel und Gastronomie, Freizeit und Kultur sowie zur Uhrenindustrie.