• Einstellungen
Mittwoch, 11.07.2018

Kunden erobern den neuen Netto

Am Dienstag war Eröffnung in Königswartha. Zuvor mussten einige Hürden genommen werden.

Von Kerstin Fiedler

Der neue Netto-Markt entstand auf dem Gutsgelände an der Hauptstraße in Königswartha. Im Hintergrund ist das Vereinshaus der Gemeinde zu sehen. Für den Markt wurden einige, teilweise denkmalgeschützte, Häuser abgerissen.
Der neue Netto-Markt entstand auf dem Gutsgelände an der Hauptstraße in Königswartha. Im Hintergrund ist das Vereinshaus der Gemeinde zu sehen. Für den Markt wurden einige, teilweise denkmalgeschützte, Häuser abgerissen.

© Uwe Soeder

Königswartha. Zehn Prozent Rabatt in der Eröffnungswoche – das wollten sich offenbar viele Kunden bereits am ersten Tag nicht entgehen lassen. Der neue Netto-Markt auf dem Gutsplatz in Königswartha öffnete Dienstagmorgen um 7 Uhr seine Türen.

Helga Wosky aus Neschwitz kam mit ihrem Enkel Justin am Vormittag nach Königswartha. Der 14-Jährige wohnt mit seiner Familie in Königswartha, und alle gehen schon immer zu Netto einkaufen. „Ich finde den neuen Markt sehr schön übersichtlich. Allerdings muss man noch ein bisschen gucken, wo was ist“, sagt Helga Wosky. Sie findet den neuen Standort auf dem Gutsplatz schön. Das ist auch die Meinung vieler anderer Kunden. Breitere Gänge und ein größeres Angebot loben viele. Neu ist der Backshop. Hier hofft Roswitha Kleinmann aus Königswartha, dass die Preise nicht dem einheimischen Bäcker im Eingangsbereich schaden. „Im Markt sind die Backwaren ja doch um einiges günstiger“, findet sie.

Doch in der Filiale von Bäcker Bresan ist man optimistisch. Ute Kletzko ist schon seit 16 Jahren dort beschäftigt, seit fünf Jahren arbeitet sie in der Netto-Filiale. Bis Montag arbeitete sie noch im alten Netto, nun freut sie sich über die guten Bedingungen am neuen Standort. „Zum einen können sich die Kunden hier auch hinsetzen und Kaffee und Kuchen genießen. Und weil unsere Theke größer ist, haben wir mehr Kuchen im Angebot als am anderen Standort“, sagt sie. Der Frühverkauf ab 6.30 Uhr und die Öffnungszeit am Sonntag werden beibehalten. Für die älteren Kunden, denen der Weg zum neuen Standort zu weit ist, haben die Kolleginnen auch eine Lösung gefunden. „Da fährt das Bäckerauto mit ran und bringt alles vorbei“, sagt Ute Kletzko.

Dass es sich hier gut sitzt, bestätigt auch Familie Langner aus Groß Särchen. Sie hatte gerade in Königswartha zu tun und schaute beim Netto rein. „Mein Mann ist Kaffeetrinker, und da haben wir uns hier eine Pause gegönnt“, sagt Monika Langner. Besonders Getränke scheinen an diesem Vormittag hoch im Kurs zu stehen. Bier wurde kastenweise auf den Parkplatz gefahren, der im Bereich des Eingangs ein paar Schwachstellen zeigt. Kunden und vorbeifahrende Autos müssen hier gegenseitig Rücksicht nehmen. Da wird der Wunsch der Bäckereiverkäuferinnen, auch draußen noch Sitzgelegenheiten zu schaffen, wohl nicht erfüllt.

Mehrere Bewerber für alten Markt


Im Markt selber müssen sich nicht nur die Kunden neu orientieren. Auch für die Mitarbeiter des Netto-Marktes sind einige Neuigkeiten zu beachten. Aber da ist man zuversichtlich. „Einige Kolleginnen waren in der vergangenen Woche ja schon hier zum Einräumen. Und wir anderen werden uns auch bald alles gemerkt haben“, sagt zum Beispiel Ramona Jurk. An der Kasse helfen sich die Frauen dann gegenseitig. „Am meisten muss ich mich bei den Backwaren eingewöhnen. Die gab es ja vorher nicht“, sagt eine Kassiererin. Aber auch sie ist zuversichtlich und freut sich über den Markt.

Für die Leiterin des Königswarthaer Haupt- und Bauamtes, Martina Nytsch, ist diese Eröffnung das Ende eines langen Weges. „Ich finde, das Gelände hat gewonnen durch einen geordneten Markt“, sagt sie und wünscht sich, dass auch das Haus an der Gutsstraße eine Nutzung erhält. Für den alten Netto-Markt gibt es auf jeden Fall schon mehrere Bewerber, weiß sie. Und auch für die Bürger, die ins Rathaus wollen, hat sich die Parksituation nun verbessert. „Die Mitarbeiter stehen mit ihren Fahrzeugen auf dem Gutsplatz, sodass die Bürger ihr Auto auf den Parkplatz stellen können.“

Die Geschichte, bis es zum Bau dieses Marktes kam, ist lang. Schon 2010 wollte die Gemeinde das Areal der früheren Fischerei verkaufen. Damals sollte dort ein Edeka-Markt entstehen. Doch drei Jahre später war Edeka vom Tisch. Dennoch blieb das Vorhaben Einkaufsmarkt aktuell. Und letztlich gehört Netto auch zur Edeka-Gruppe. Schwierig gestaltete sich vor allem die Diskussion um den Abriss denkmalgeschützter Häuser. Dann wollte die letzte Mieterin aus einem Haus auf dem Gelände nicht ausziehen. Lange Gerichtsprozesse folgten.

Im Gemeinderat machten sich vor allem die Räte der parteifreien Wähler stark gegen diesen Markt. Und heute, nach der Eröffnung? Annemarie Rentsch ist eine von den beiden Räten der Parteifreien Wähler. Sie sagt, dass es schön ist, wenn der neue Markt vielen Menschen gefällt. „Aber ich glaube nicht, dass deshalb mehr Leute nach Königswartha ziehen oder der Tourismus angekurbelt wird“, sagt Annemarie Rentsch.

Desktopversion des Artikels