• Einstellungen
Freitag, 14.09.2018

Workshops mit Weltstars

Am Sonnabend bespielt das Dresdner Drum & Bass-Festival fünf Bühnen. Damit endet eine Erfolgsgeschichte.

Von Andy Dallmann

Zum dritten Mal ist der New Yorker Drummer Poogie Bell in Dresden dabei. Er trommelte unter anderem für David Bowie, Stanley Clarke, Randy Crawford, Al Jarreau, Chaka Khan und Marcus Miller. Und so kann er auch jede Menge Anekdoten erzählen.
Zum dritten Mal ist der New Yorker Drummer Poogie Bell in Dresden dabei. Er trommelte unter anderem für David Bowie, Stanley Clarke, Randy Crawford, Al Jarreau, Chaka Khan und Marcus Miller. Und so kann er auch jede Menge Anekdoten erzählen.

© PR

Matthias Barthel hat fürs nächste Jahr einen genauen Plan, in dem kommt das Drum & Bass-Festival allerdings nicht mehr vor. Seit 2007 kümmerte er sich als zentraler Strippenzieher darum, dass dieses spezielle Musikspektakel immer gewichtiger wurde. Doch nach dem jetzt anstehenden Durchgang ist die Familie dran. „Wir machen eine Reise rund um die Ostsee“, sagt er. „Zudem habe ich sehr viele berufliche Projekte, die mich fordern.“

Die Entscheidung, ob nach dem am Sonnabend auf fünf Bühnen stattfindenden Festival tatsächlich Schluss ist, liegt nicht bei Barthel. Er sähe es gern, wenn sich – gern jüngere – Enthusiasten finden würden, die das Ganze nahtlos fortführten. „Das wird so wohl nicht passieren“, vermutet er. „Ich habe aber schon die Hoffnung, dass es irgendwann weitergeht. Als Berater stelle ich mich auch gern zur Verfügung.“

Das Gesamtprogramm von Künstlerbuchung, Reiseplanung, Sponsorenjagd über Technikmiete und Werbung bis zum Chili-Kochen, das ist definitiv abgehakt. Gerade dadurch, dass er fast alles allein gestemmt und nur zum Festival selbst auf ein Freiwilligen-Team von rund 40 Leuten zugegriffen hat, ist seine Erfahrung ein regelrechter Schatz. Barthel weiß schon mal genau, wie man ein eher nischiges Musiker-Treffen zum regionalen Ereignis mit internationaler Verästelung aufbaut.

Programm zum Staunen

Kam anfangs, als das Festival sich mit Namen und Anspruch nur an Drummer wandte, in erster Linie die hiesige Szene zusammen, ging es nicht erst ab 2012 mit der Erweiterung zum Drum & Bass-Festival interkontinental zu. Stars aus Übersee flogen reihenweise ein, um sich und ihre Kunst feiern zu lassen. Sie gaben Workshops, plauderten mit dem Publikum, sorgten für eine bei derartigen Veranstaltungen sonst untypische familiäre Atmosphäre. Das kam und kommt an.

Unter den Hunderten Besuchern, so Barthel, sind große Gruppen aus Berlin und Hamburg, kleinere aus dem gesamten Bundesgebiet und selbst aus Holland. All denen präsentiert er jetzt noch einmal ein Programm, das ihn selbst staunen lässt. Etwa, weil Paul Turner und Derrick McKenzie, also Bassmann und Drummer der britischen Funkband Jamiroquai, anreisen. „Davon habe ich geträumt, schon weil ich selbst als Bassmann bewundere, was Paul Turner macht. Doch ich hätte es nie gewagt, Helden dieses Kalibers anzufragen“, erzählt Matthias Barthel. „Bis mir ein befreundeter Schlagzeuger erzählte, dass die beiden schon mal irgendwo einen Workshop gegeben hätten.“ Barthel versuchte sein Glück – und kam ganz schnell zu Potte. „Überrascht hat mich, wie wenig wichtig denen das Geld war.“

Am Sonnabend spielen und unterrichten außerdem Poogie Bell, Richard Spaven, Pete Lockett, Jost Nickel, Dirk Erchinger, Aaron Spears, Horacio Hernandez sowie Henrik Linder und Aron Mellergårdh von Dirty Loops. Noch einmal darf Barthel dann auch gespannt sein, was seine Künstler an Überraschungen parat haben. So trommelte Helge-Schneider-Begleiter Pete York einst mit einer Gummi-Ente statt mit Stöcken und mischte sich anschließend Bratwurst essend unters Publikum. Afrobeat-Instanz Tony Allen wiederum musste, weil er den Erfolg seines Workshops etwas zu ausgelassen gefeiert hatte, ins Taxi getragen werden. Sting-Drummer Danny Gottlieb spielte spontan ein Duett mit Festivalschirmherrn Günter Baby Sommer. „Und der superschnelle George Kollias, seit 2004 bei der Metalband Nile, machte unseren ersten Praktikanten Felix Mühle glücklich. Der hatte ihm ein paar seiner Songs vorgespielt – und Kollias nahm später zu Hause einen Gast-Track für das erste Album von Mühles Band Divine X auf.“ Nicht die einzige Aufstiegsgeschichte des Festivals: Bei der dritten Auflage mischte Romy Jaehnig noch als Praktikantin mit, jetzt ist sie die Chefin der Scheune.

Das Dresdner Drum & Bass Festival beginnt am Sonnabend ab 12 Uhr mit Workshops, 19 Uhr schließen sich diverse Konzerte an. Veranstaltungsorte sind Groove Station, Katys Garage, Scheune, Open-Air-Bühne und das Scheune-Zirkuszelt.

Desktopversion des Artikels