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Montag, 10.09.2018

Wackel-Schale auf Schwabbel-Grund

Von Kirsten Baukhage

So soll das vor dem Berliner Schloss geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal einmal aussehen. Doch der Bau des Denkmals wird immer schwieriger. Foto: dpa
So soll das  vor dem Berliner Schloss geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal einmal aussehen. Doch der Bau des Denkmals wird immer schwieriger. Foto: dpa

© picture alliance / dpa

Der von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gewünschte baldige Baubeginn für das Einheitsdenkmal vor dem Berliner Stadtschloss wird durch ein neues Gutachten wieder infrage gestellt. Das Landesdenkmalamt von Berlin erhebe darin gegen den Bau „aus fachlicher Sicht der Denkmalpflege erhebliche grundsätzliche Bedenken“, berichteten die „Berliner Zeitung“ und der „Berliner Kurier“ am Wochenende.

Das neue Gutachten sei notwendig geworden, weil die 2015 erteilte Baugenehmigung am 9. Oktober auslaufe, hieß es. Um dieses Denkmal, das an die friedliche Wende in der DDR und die deutsche Einheit erinnern soll, wird seit 20 Jahren gestritten.

Die Bedenken richten sich vor allem gegen die von den Designern Milla & Partner geplante Bauweise, sieben Betonpfeiler von 1,50 Meter Dicke in den sandigen Spree-Ufergrund zu treiben, um der begehbaren riesigen Wippe Standfestigkeit zu verleihen. Das Denkmal sei „eine wackelige Schale auf schwabbeligem Grund“, so das Gutachten.

Zudem werden Schäden an dem denkmalgeschützten Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals, auf dem die Wippe stehen soll, und dem darunter liegenden Gewölbe befürchtet. Ferner befürworteten die Denkmalschützer die Rückkehr der geborgenen, gut erhaltenen Mosaike des Sockels. Das historische Gewölbe unter dem Sockel sei mit fünf Millionen Euro instand gesetzt worden, betonen die Gutachter.

Die Kosten steigen weiter

Für die erste Baugenehmigung 2015 seien die damals schon bestehenden Bedenken wegen „eines übergeordneten öffentlichen Interesses“ – gemeint ist der Bundestagsbeschluss zur Errichtung des Einheitsdenkmals – zurückgestellt worden. Nun seien die Bedenken aber größer geworden.

Das Fazit laute eindeutig: „Die Eingriffe und der damit verbundene Verlust an Denkmalsubstanz und Denkmalqualität“ stehen einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung entgegen. Die Gutachter stellten zudem zwei Bedingungen: Das Mosaik müsse an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren und die Bauweise der Pfahlgründung des Denkmals sei zu überarbeiten.

Der für 2013 geplante Baubeginn verzögerte sich mehrfach, da an dem Standort schützenswerte Fledermäuse nisten und sich historische Mosaiken und Gewölbe befinden. Nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages im April 2016 einen Stopp der Umsetzung empfohlen hatte, beschloss der Bundestag im Juni 2017 erneut den Bau des Einheitsdenkmals nach dem 2011 gekürten Siegerentwurf vor dem Berliner Schloss. Allerdings wird das Denkmal nochmals teurer werden als bisher angenommen. Bislang stiegen die kalkulierten Kosten von ursprünglich zehn auf jetzt 17,12 Millionen Euro. Zuletzt war mit rund 15 Millionen Euro gerechnet worden.

Grund für den neuerlichen Aufschlag sind höhere Zuwendungen an die mit dem Bau beauftragte Agentur Milla & Partner sowie die teurere Sanierung des Sockels. (dpa)

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