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Dienstag, 02.01.2018 Der Krimi am Feiertag

Todsicherer Sieg für den Erlkönig

Die Saarbrücker beweisen, dass „Tatort“ auch stilsicher und kritisch geht. Und gemordet wird längst nicht mehr nur analog.

Von Nadine Franke

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Faktensammeln in bewährter Art, statt IT-Spezialist zu sein: Das Saarbrücker „Tatort“-Team bei der Arbeit – mit Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow).
Faktensammeln in bewährter Art, statt IT-Spezialist zu sein: Das Saarbrücker „Tatort“-Team bei der Arbeit – mit Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow).

© ARD

Einem Erlkönig des Nachts zu begegnen endet nie gut. Nur dass im Fall des Saarbrücker Krimis im Ersten nicht ein düsterer König im Wald den Tod bringt, sondern der beklebte Prototyp eines autonom fahrenden Autos. Und was dieses Auto alles kann: Es fährt nicht nur allein, sondern hat neben den Außen- auch vier Innenkameras zum Messen der Pupillenreaktion, am Lenkrad werten Sensoren den Schweiß an den Händen aus, und der Sitz zeichnet die Herzrate auf. Das Auto soll mehr Sicherheit bieten. Und wird gerade mit all der Technik im Neujahrs-„Tatort“ zur Todesfalle.

Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrick, gespielt von Devid Striesow, sieht sich mit der modernen Form der Kriminalität konfrontiert: Das autonome Auto wird zum Mörder. Ein Suizid ist schnell ausgeschlossen. Stattdessen hat ein Hackerangriff genügt, um die Gefahren der Digitalisierung zu zeigen. Damit bedienen die Saarbrücker genau die Bedenken, die viele wegen selbstfahrender Autos, GPS-Datenspeicherung oder beim Audio-Gerät Alexa hegen. An sich sollen diese Geräte den Alltag erleichtern. Aber für diese Bequemlichkeit bezahlen die Nutzer mit Daten. Eine Währung, die vielen noch unbekannt, in der Branche aber längst das neue Gold ist.

Für Hacker ist es ein Leichtes, Daten zu manipulieren, wie am Montag zu sehen war. Und die Polizei hängt hinterher. Dabei spielt sie eine wichtige Rolle für das Sicherheitsgefühl der Bürger. Nur hat ausgerechnet die Polizei die Digitalisierung verschlafen. Cybercrime ist mittlerweile Alltag, und doch gibt es auf dem Revier nur eine Expertin, die dafür extra aus ihrem Urlaub geholt wird. Ermittler Stellbrick hingegen lässt sich mit Leichtsinn selbst hacken, setzt auf altbewährte Methoden und ist sogar auf die Hilfe einer Hackerin angewiesen.

Genau das ist der Spiegel des Alltags. Auch in Sachsen fehlt es bei der Polizei an IT-Spezialisten. Die Anstellungen laufen, doch die meisten waren im Sommer noch damit beschäftigt, die unsicheren Windows-Vista-Computer zu überholen, mit denen die Beamten arbeiten.

Es ist Zeit für ein Update im Polizeialltag. Danach schreit auch dieser „Tatort“ und zeigt gleich, wo das Problem liegt. Stellbrick entwickelt sich nur bedingt weiter. Er wird sich zwar des Cybercrimes bewusst. Aber anstatt sich schulen zu lassen, zu modernisieren, für Sicherheit zu sorgen, wirft er lieber sein Smartphone weg.

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Max Brambach

    @3: Das wird ja immer primitiver: Seit wann nennt man fahrlässige Überholmanöver denn "ermorden"? Das ist doch Propaganda auf der alleruntersten Schiene.

  2. Hartmut Krien

    @MaxBrambach. Ohhh da höre ich jemanden nach den Kranichen des Übikus rufen. Wieso Überholmanöver??? Waren Sie dabei, sind sie ein Zeuge der sich nicht gemeldet hat??? Ich war nicht dabei und weiß nur, daß sein Fahrzeug gegen einen entgegenkommenden Laster gelenkt wurde. Von Fahrzeugen auf seiner Spur die er angeblich überholen wollte war mir bis zu Ihrem Hinweis nichts bekannt. Ich werde aber die Staatsanwaltschaft auf Ihre Information hinweisen. Mord verjährt bekanntlich nicht Herr Max Brambach

  3. Max Brambach

    @7: Na, kommen Sie mal wieder runter vom Baum. Einfach mal Wikipedia lesen: "...Uwe Leichsenring starb am 30. August 2006 bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 172 bei Pirna in der Sächsischen Schweiz, als er laut Polizeiangaben bei einem Überholmanöver frontal mit einem entgegenkommenden Lastkraftwagen zusammenprallte. Er erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen....". Aber woher wissen Sie denn, dass es Mord gewesen sein soll, wenn Sie nicht dabei waren? Ist doch lächerliche NPD-Propaganda.

  4. Max Brambach

    @7: Noch was: Der Dichter aus der von Ihnen zitierten Ballade von Schiller heisst nicht "Übikus", sondern Ibykus. Er kommt auch nicht aus Übigau. Steht übrigens auch bei Wikipedia (lesenswerte Lektüre, schafft Allgemeinbildung oder täuscht welche vor, wo keine ist).

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