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Dienstag, 13.03.2018

Nigel Kennedy rockt die Geige

Wenn der Stargeiger auftritt, sind dabei Komponisten oder Stilrichtungen eher Nebensache.

Von Jens Daniel Schubert

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Enfant terrible der Geiger: Violinist Nigel Kennedy am Sonntag im Dresdner Kulturpalast.
Enfant terrible der Geiger: Violinist Nigel Kennedy am Sonntag im Dresdner Kulturpalast.

© Oliver Killig

Eigentlich sollte David Garrett am Sonntag im Dresdner Kulturpalast spielen. Doch der musste krankheitsbedingt absagen – Nigel Kennedy übernahm, der früher gerne mal mit markigen Sprüchen über seinen Kollegen gelästert hat. „Bach meets Kennedy meets Gershwin“ hieß offiziell das Programm im nicht ganz ausverkauften Palast. Kennedy spielt immer noch das Enfant terrible mit Rockergeste, Lederjacke und neongelben Turnschuhen. Er ließ anfangs etwas auf sich warten, musizierte dann aber statt zwei schließlich satte drei Stunden.

Konkret wurde es ein „Programm nach Ansage“ – es ging durch Kennedys Musik-Kosmos. Seine Moderation war eher charmanter Small-Talk als Ansage. Mit Bachs Inventionen stieg er ein, zeigte sich von Anfang an als außerordentlich virtuoser wie eigenwilliger Künstler. Statt historisch informierter erlebte man eine spezielle Kennedy-Aufführungspraxis – meist sehr schnell, effektgeladen, mit Pausen und Verzierungen, wie sie der Künstler in diesem Moment empfand. Die Töne waren ausdrucksstark, aber nicht immer schön, die Beine zitterten, die Turnschuhe stampften. Seine Mitmusiker waren bewundernswert variabel reagierende Partner.

Nach Bach ging es zielstrebig zu Kennedys Eigenkompositionen. Ein jazziger Blick aus unterschiedlichsten Winkeln auf seine Geige. Er brachte sein Instrument in allen Varianten zum Klingen, kokettierte mit deren ebenso perfekten wie spielerischen Beherrschung. Insbesondere waren es rasante Läufe, schnelles Wiederholen, angerissene Akkorde und immer wieder Flageoletttöne, also hoch klingende Obertöne, die durch nur leicht aufgelegte Finger entstanden: zwanzig Minuten immer neue Impulse und doch ähnliche Mittel.

In der jazzigen Kennedy-Jamsession tauchten dann Gershwin-Motive aus der „Rhapsody in Blue“ oder aus „Porgy and Bess“ auf. Grundsätzlich lief aber vieles in Richtung Django Reinhardt und Gypsy Jazz. Da rotierten die Themen und der Saal applaudierte nach jedem Solo. Die Gitarristen glänzten, ihre Meisterschaft ergänzten die Effekte, die Kennedy präsentierte.

Der hatte sich in Fahrt gespielt, wollte nicht enden, bevor er sein Paradestück zelebriert hatte: „Monti’s Czardas Gypsy Dance“. Von da war es nur ein kleiner Hüpfer zurück zu Bach oder einem Stück, das man dem begeisterten Publikum als Bach verkaufen konnte. Und das war dann wirklich der Schluss. Faust gereckt und tschüss!

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Friedrich

    Ich hatte auch Karten für das David Garrett Rezital bei den Dresdner Musikfestspielen online gekauft. Bedauerlich das dieses dann durch Nigel Kennedy ersetzt werden musste. Aber richtigen Grund für Ärger gibt es durch das Handling nach der Rückgabe der Karten für dieses Konzert. Am 22.02.18 wurden die Karten im Kulturpalast zurückgegeben. Bis heute habe ich aber noch keine Rückerstattung erhalten. Es gibt noch nicht einmal eine Rückmeldung vom Veranstalter auf eine Mail-Erinnerung. So etwas bewerte ich als extrem Kunden unfreundlich bis naiv ignorant.

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