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Samstag, 10.03.2018

„Nennen Sie mich bloß nicht Maestro!“

In der exzellenten Doku „Mission Mozart“ proben Weltstars Klavierkonzerte des Salzburger Genies.

Von Rainer Kasselt

Während der Proben und in Gesprächen erläutern Nikolaus Harnoncourt (r.) und Lang Lang, wie sie gemeinsam die Mozart-Klavierkonzerte Nr. 17 und 24 interpretieren.
Während der Proben und in Gesprächen erläutern Nikolaus Harnoncourt (r.) und Lang Lang, wie sie gemeinsam die Mozart-Klavierkonzerte Nr. 17 und 24 interpretieren.

© © Harald Hoffman

Lang Lang ist voller Vorfreude und Respekt. Der chinesische Pianist wird mit den Wiener Philharmonikern Mozarts Klavierkonzerte Nr. 17 und 24 einspielen. Es sind seine ersten Mozart-Aufnahmen überhaupt. Der eigentliche Clou für den Tastenvirtuosen aber ist die Begegnung mit dem österreichischen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, der die Konzerte leitet. „Für mich ist er Mozarts Botschafter“, sagt Lang Lang. Ehrfürchtig fügt er hinzu: „Er ist wie ein Gott.“

Im Frühjahr 2014 wird der Goldene Saal des Wiener Musikvereins, berühmt durch die Neujahrskonzerte der Philharmoniker, für vier Tage zum Musiklabor und dient als Tonstudio. In dieser Zeit müssen die Aufnahmen sitzen. Ein Filmteam unter Leitung von Christian Berger ist bei den Proben dabei. Die Doku hat doppelten Wert. Sie ist Zeugnis der eindrucksvollen Zusammenarbeit zweier Weltstars und das filmische Testament Harnoncourts, der im Frühjahr 2016 starb. „Mozart kann man nur unterschätzen“, sagt der Dirigent, der mit seiner historischen Aufführungspraxis den Salzburger Komponisten gleichsam neu entdeckte. „Wir alle reichen nicht in seine Nähe. Was immer wir herausfinden, ist noch weit unter Mozarts Niveau.“ Die beiden recht unterschiedlichen Künstler sind neugierig aufeinander, höflich und bestimmt. „Nennen Sie mich bloß nicht Maestro, das sollte man nur zu Frisören sagen“, bittet der Dirigent. „Ich werde Sie chinesisch ansprechen“, witzelt der Pianist.

Lang Lang, der Jüngere, ist der Lernende. Vieles ist ungewohnt für ihn. „Können Sie die ersten 30 Sekunden des Satzes so spielen, als würden Sie sie erfinden?“, fragt der Ältere. Exaktheit und zugleich Freiheit des Spiels, das ist es, was Harnoncourt anstrebt. „Es ist selten, dass man mit einem Pianisten zusammentrifft, der so offen ist“, lobt er und nennt ihn einen „Zauberer“.

„Ich hatte einen wahren Meisterkurs bei Nikolaus“, sagt Lang Lang begeistert. „Er vermittelt die Musik so schlüssig und authentisch.“ Und Harnoncourt resümiert: „Diese vier Tage bekommen einen goldenen Stempel.“

„Mission Mozart“, Sonntag, 22.40 Uhr, Arte

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