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Freitag, 07.09.2018 Satire

Liebe Helene Fischer!

Heinrich Maria Löbbers schreibt einen offenen Brief an die Sängerin, die jetzt auch gegen Fremdenfeindlichkeit ist:

Helene Fischer, deutsche Schlagerkönigin, beim Lächeln.
Helene Fischer, deutsche Schlagerkönigin, beim Lächeln.

© Rolf Vennenbernd/dpa

Schöne Grüße von Christian Thielemann! Der Maestro der Sächsischen Staatskapelle hat neulich im Interview mit unserer Zeitung erzählt, dass er Sie gern mal einladen würde, beim traditionellen Silvesterkonzert mitzuwirken. Wäre das nicht großartig? Helene & Christian, das neue Traumpaar der Semperoper. Jetzt, wo auch Sie sich nach den Vorfällen in Chemnitz öffentlich gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt geäußert haben, hat mich das auf eine Idee gebracht: Machen Sie doch mit Thielemann, der ja auch nichts von Pegida wissen will, ein Konzert gegen rechts. Und da singen Sie dann, begleitet von der Staatskapelle, die Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“. Sie wissen schon, den Ärzte-Song mit der romantischen Textzeile „Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit“.

Von Lutz Bachmann habe ich keine Grüße. Vermutlich ärgert er sich schwarz und braun, dass jetzt auch Sie klargemacht haben, was Sie von ihm und seinesgleichen halten. Wahrscheinlich schreddert er gerade seine CD-Sammlung, der Lutz soll ja ein großer Helene-Fan sein. Aber wenn Bachmann und Konsorten künftig auch nur einmal weniger atemlos durch die Nacht torkeln, dann, Frau Fischer, hat sich Ihr Bekenntnis doch schon gelohnt.

Ist Ihnen nicht leicht gefallen, sich zu äußern, oder? Sie haben sich ja bisher nie politisch positioniert. Muss man auch nicht immer tun, finde ich. Wir müssen aufpassen, dass nicht jeder, der nicht bei drei gleich „Nazis raus“ ruft, schon als Rechtsextremist gilt. Die hauptamtlichen Gegen-Rechts-Rocker, die Campinos, Lindenbergs und Grönemeyers dieser Welt, die immer da sind, wenn’s brenzlig wird, haben Sie ja ganz schön unter Druck gesetzt und immer wieder nach Helene gerufen.

Was immer Sie bewogen haben mag, jetzt dem Ruf zu folgen: es war gut so. Schließlich kann man nicht nur mit Dosenbier, sondern auch mit Prosecco auf eine weltoffene Gesellschaft anstoßen. Wenn es darum geht, die Mitte zu gewinnen, hilft kein Kraftklub und kein feines sahniges Fischfilet. Diese tätowierten und gepiercten Haudegen machen doch denjenigen nur noch mehr Angst, die zuhause bleiben, Heimatmelodien hören und ihre Sorgen pflegen. Die wollen Schalala statt Antifa.

Wenn Schlager gegen rechts gesungen werden, ist das viel wirkungsvoller. So wie bei Roland Kaiser, der sich schon vor Jahren gegen Pegida gestellt hat. Uiii, da waren die Santa-Maria-Pegidisten aber stinksauer und wollten nie wieder zur Kaisermania.

Also, weiter so, Helene. Zeigen Sie den Aufwieglern und hasserfüllten Angsthasen, dass nicht die das Volk sind. Wir sind mehr! Reden Sie doch mal mit dem Florian. Vielleicht lädt der Silbereisen die ganze Schunkel-Brigade zum Großen Schlagerfest der Demokraten ein. Mit den Amigos, Andrea Berg oder Stefanie Hertel. Von mir aus kann zum Schluss sogar Heino noch Heimatlieder singen. Nur – bitte, bitte – nicht „Schwarzbraun ist die Haselnuss“.

Ihr Heinrich Maria Löbbers

Der Offene Brief ist eine Rubrik in dem wöchentlich erscheinenden Magazin der Sächsischen Zeitung.

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