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Montag, 10.09.2018

Intimer Trost

Von Karsten Blüthgen

Johannes Brahms, Ein deutsches Requiem, Kammerfassung von Iain Farrington(Hyperion)
Johannes Brahms, Ein deutsches Requiem, Kammerfassung von Iain Farrington (Hyperion)

Sein Gedenken an seine Mutter Christiane ließ Johannes Brahms wiederholt zu Musik werden, so im nachträglich komponierten fünften Satz des Requiems, „Ihr habt nun Traurigkeit“, mit dem Chor „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“. Einer der ergreifendsten Sätze, der auf einer neuen CD mit nur einem Quartett aus vier Streichern anhebt, bevor nach und nach solistisch Sopran und Holzbläser, schließlich der Chor einsetzen.

„Ein deutsches Requiem“ ist ein Renner. Gleichwohl dürfte es jede weitere Aufnahme schwer haben, sich auf dem gesättigten Markt zu behaupten. Gute Chancen hat jene mit der Yale Schola Cantorum unter David Hill schon wegen ihrer Instrumentierung. Brahms selbst fertigte einen Auszug für Klavier vierhändig an. Davon inspiriert und ebenso unbefriedigt, schuf Iain Farrington zwei Kammermusik-Fassungen, die das Klavier behalten und einen Kompromiss zur Farbigkeit des Orchesters suchen. In der hier erstmals aufgenommenen, achtstimmigen Version fügte der renommierte britische Arrangeur Flöte, Oboe, Klarinette sowie die Streicherfamilie hinzu.

Der Kammerchor der Yale University singt die Sätze beseelt, mit Wärme und Dramatik, fließend und im Text verständlicher als mancher deutsche Chor. Die Piano-Passagen fahren tief unter die Haut, einzig im Fortissimo bricht die Homogenität des Vokalklangs auf, wobei dieses Ausreizen der Dynamik angesichts der schlanken Instrumentierung kaum zwingend scheint.

Die Instrumentalisten sorgen für den besonderen, so intimen wie unmittelbaren Gesamteindruck dieser Einspielung. Alles erblüht farbenreich, wunderbare Linien treten in ihrer zerbrechlichen Schönheit hervor. Der Gewinn an Transparenz intensiviert den starken, berührenden Ausdruck. Fazit: Diese CD ist mehr als eine Hörempfehlung, regt sie doch zugleich eine neue Aufführungsmöglichkeit dieses Requiems an.

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