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Montag, 09.07.2018

Im Feuerwerk der Farben

Potsdams Museum Barberini zeigt mit Dresdner Hilfe Abstraktes von Gerhard Richter.

Von Sigrid Hoff

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Ein Mann und seine Kunst: Gerhard Richter in Potsdam.
Ein Mann und seine Kunst: Gerhard Richter in Potsdam.

© Bernd Settnik/dpa

Der zwei Meter lange, am Computer generierte Bild-Strip mit schmalen, horizontal angeordneten farbigen Streifen wirkt nüchtern kalkuliert und ist erst wenige Jahre alt. Viel malerischer mutet das 1972 entstandenen Werk Rot-Blau-Gelb an, bei dem die Farben, voneinander abgesetzt, mit breitem Pinselstrich mäandernd über die Leinwand gezogen sind. Die jüngsten abstrakten Bilder Gerhard Richters aus den Jahren 2016 und 2017 wiederum sind mit dem Messer gekratzt und entfachen ein wahres Feuerwerk an Farben.

Für den 1932 geborenen Maler, wohl der bedeutendste deutsche Gegenwartskünstler, ist die Beschäftigung mit der abstrakten Malerei eine Konstante. Sie zieht sich durch alle seine Arbeiten. Das Potsdamer Museum Barberini widmet diesem Werk unter dem Titel „Gerhard Richter. Abstraktion“ erstmals eine Ausstellung. Sie ist ab diesen Samstag bis zum 21. Oktober zu sehen. Ausgehend von der Arbeit „A B Still“ von 1986, das der Sammler und Mäzen Hasso Plattner 2016 für sein im selben Jahr eröffnetes Museum Barberini erwarb, zeigt die Schau 94 Werke aus immerhin sieben Jahrzehnten. Sie geht den abstrakten Strategien und unterschiedlichen Verfahren im Werk von Gerhard Richter nach, von den frühen Sechzigern bis zu jüngsten Arbeiten.

Noch nie ausgestellte Preziosen

Für die Ausstellung konnte Kurator Dietmar Elger von seinen Kontakten zu vielen Sammlern profitieren: „Wir haben nach Bildern gesucht, die in Privatsammlungen sind, die das Publikum noch nicht kennt, weil sie noch nie ausgestellt waren.“ Die Schau zeichnet die Entwicklung des Künstlers nach: von den frühen schwarz-weißen Fotobildern und Farbtafeln über die Bilder und „Vermalungen“ bis hin zu den „Abstrakten Bildern“. Sie entstand in Kooperation mit dem Gerhard-Richter-Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dessen Leiter Dietmar Elger ist, sowie in enger Abstimmung mit dem Künstler selbst.

„Gerhard Richter. Abstraktion“ verteilt sich auf neun Räume und beginnt im Erdgeschoss mit den „Grauen Bildern“. In den frühen Sechzigern, als die Malerei zunehmend an Bedeutung verlor, begann Gerhard Richter sich mit der Fotografie auseinanderzusetzen.

Viele seiner Bilder sind schwarz-weiß gehaltene, strenge Kompositionen, in denen er die Aufmerksamkeit auf die Struktur lenkt und mit der Illusion des getreuen Abbilds spielt. In diesen monochromen Bildern betont er die Plastizität des Farbauftrags. In den ab 1966 entstandenen Farbtafeln wird die Farbe dann zum Material. Ausgehend von Farbkarten aus dem Farbenhandel ordnet Richter einfarbige Quadrate auf der Leinwand an, wobei die Verteilung der Farben, ihre Position im Bild, ein Zufallsergebnis ist.

Ab den Siebzigern entstehen zunehmend Arbeiten, denen Richter selbst den Titel „Abstrakte Bilder“ gibt. Dennoch hadert er mit dem Begriff: „Abstraktion klingt so wissenschaftlich, als wenn ich von etwas abstrahiere, das sehe ich bei meinen Bildern nicht.“ Er arbeitet mit dem Prinzip von Unschärfe, das beim Betrachter aber durchaus gegenständliche Assoziationen auslösen kann.

In dem großen Saal im Obergeschoss bildet die Skulptur „Kartenhaus“, eine Installation aus rechteckigen Glasscheiben, die wie Spielkarten gegeneinander gelehnt sind, das Zentrum. Sie ist umgeben von überwiegend monochromen Papierarbeiten mit Fotoübermalungen, etwa der Serie „Elbe“ aus der Dresdner Kunstsammlung, wo hinter den abstrakten Farbschleiern ein reales Motiv wie etwa ein Mond aufscheint. Durch die Übermalung ergibt sich eine ganz eigene Mystik. Im letzten Raum beweisen die 2016 und 2017 entstandenen Gemälde die Lust des 86-jährigen Malers an der Farbe und dem freien Umgang damit, die hier in einen eruptiven Farbenrausch mündet. (epd)

„Gerhard Richter. Abstraktion“ ist im Potsdamer Barberini-Museum bis zum 21. Oktober montags sowie mittwochs bis sonntags von 10 bis 19 Uhr zu sehen.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Der echte jk

    Ich weiß nicht wie eine Frau Sigrid Hoff darauf kommen kann, Gerhard Richter als den wohl bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstler zu bezeichnen. Es ist sicher Geschmackssache, was Richter fabriziert. Aber er beschreibt sich selber recht treffend folgendermaßen: "Wenn ich ein Abstraktes Bild ... male, weiß ich weder vorher, wie es aussehen soll, noch während des Malens, wohin ich will, was dafür zu tun wäre. Deshalb ist das Malen ein quasi blindes, verzweifeltes Bemühen, wie das eines mittellosen, in völlig unverständlicher Umgebung Ausgesetzten ..." Mehr muss man dazu nicht sagen. Er schafft nichts Schönes, plant gezielt ein Kunstwerk, sondern er ist beim Malen verzweifelt, mittellos, in völlig unverständlicher Umgebung - ein Aussätziger. Und so sehen seine Bilder eben auch aus.

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