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Donnerstag, 02.08.2018

„Ich möchte ein Stück zurückgeben vom Glück“

Roland Kaiser spricht über seine Beziehung zu Dresden, sein soziales Engagement – und den perfekten Liedtext.

Mit wachsender Begeisterung kommt Roland Kaiser alle Jahre wieder nach Dresden zu seinen Fans am Elbufer.
Mit wachsender Begeisterung kommt Roland Kaiser alle Jahre wieder nach Dresden zu seinen Fans am Elbufer.

© Thomas Kretschel

Ab Freitag ist es wieder so weit: Viermal Roland Kaiser live am Elbufer in Dresden, und alle Konzerte sind längst ausverkauft. Die „Kaisermania“ ist inzwischen deutschlandweit legendär. Ungewöhnlich für die Schlagerbranche ist Kaisers politisches Engagement als bekennendes SPD-Mitglied. Darüber, aber auch über Liebe und Sex, sprach die Sächsische Zeitung mit ihm im Interview.

Herr Kaiser, Ihr Kollege Udo Jürgens sang: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.“ Auch Sie sind gerade 66 geworden. Leben Sie das Motto?

Das gilt auch für mich, ja. 66 – das ist natürlich eine Zahl, die damals Udo Jürgens ausgewählt hat. Aber ich finde, das ist ein guter Song, um zu erklären, dass man sich mitten im Leben befindet, immer an das Positive denkt und nach vorne guckt.

Sie haben eine besondere Beziehung zu Dresden. Werden Sie von Freunden und Kollegen oft darauf angesprochen?

Ja, sicher. Wenn ich gefragt werde, wie das zustande kommt, sage ich: Das kann ich auch nicht erklären. Ich habe die Stadt von Anfang an gemocht, und ich glaube, die Menschen mögen mich auch. Das ist das Geheimnis des Ganzen – mehr nicht. Ich habe sofort verstanden, warum man die Stadt Elbflorenz nennt. 2003 habe ich dann zum ersten Mal ein Konzert am Elbufer gegeben, und das habe ich dann jedes Jahr wiederholt. Mittlerweile allerdings gebe ich vier Konzerte im Jahr am Elbufer.

Wie beschreiben Sie die Stadt, wenn Ihre Freunde fragen?

Das ist eine Stadt mit viel Tradition, mit viel Kultur und mit, wie ich es empfinde, weltoffenen und toleranten sowie kulturell sehr interessierten Menschen, die offen für alle Entwicklungen sind.

Sie waren einer der Ersten und wenigen, die sich direkt zu Beginn gegen Pegida ausgesprochen haben.

Ich habe an einer Veranstaltung für Toleranz und Weltoffenheit teilgenommen.

Wie sehen Sie das Ganze heute?

Nun, man muss immer noch aufpassen, dass nicht ein paar wenige laute Menschen die schweigende Mehrheit überstimmen können. Es ist wichtig, dass sich die anderen, die Mehrheit der Dresdner, melden, wenn sie eben nicht derselben Meinung sind, die die Minderheit vorträgt.

Sie engagieren sich gegen Rechts. Warum tun das so wenige Schlagerstars?

Ich kann niemandem Vorschriften machen. Persönlich engagiere ich mich, weil ich das wichtig finde. Meine Stimme findet Gehör, und wenn ich etwas sage, tue ich das bewusst – als Künstler und als Bürger dieses Landes oder, wie damals, als Freund der Stadt Dresden.

Warum äußern Sie sich denn nicht auf der Konzertbühne?

Ich trenne das ganz genau. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann tue ich das bei solchen Veranstaltungen wie damals in Dresden. Oder in Interviews. Wenn ich auf die Bühne gehe, habe ich dem Publikum ein Konzert versprochen. Dann ist meine Aufgabe als Künstler, die Menschen so gut wie möglich zu unterhalten. Und sie mit einem guten Gefühl nach Hause zu schicken. Es ist nicht meine Aufgabe, auf der Bühne meine politischen Ansichten darzulegen.

Sie sind bei einer Pflegemutter aufgewachsen. Wie hat Sie das geprägt?

Meine Kindheit war glücklich. Wir konnten aber nicht aus dem Vollen schöpfen. Mein soziales Bewusstsein resultiert auch daraus, dass ich in einer nicht ganz so luxuriösen Kindheit groß wurde. Ich finde es eine völlig gesunde Einstellung, dass man, wenn man von der Gesellschaft auf die Sonnenseite des Lebens gestellt wurde, ein Stück zurückgeben möchte von dem Glück. Das ist meine Motivation für mein soziales Engagement.

In Ihren Liedern geht es nicht um Politik, sondern um Liebe. Immer nur um Liebe. Und Sex.

Dieses Thema, die Zweierbeziehung, beschäftigt die Weltliteratur seit Tausenden von Jahren. Es scheint die Menschen zu interessieren und zu beschäftigen. Das ist ein endloses Thema, ein ewiger Kreislauf. Es wird immer wieder darüber geschrieben, gesungen, gefilmt werden.

„Joana, geboren, um Liebe zu geben“ – würden Sie diese Zeile heute noch so schreiben? Das gesellschaftliche Frauenbild hat sich ja sehr verändert.

Natürlich. Ich würde das immer noch so schreiben, immer noch so singen. Ich kann genauso gut sagen, Männer sind dafür da, ihrer Partnerin Liebe zu geben. Das kann man sehen, wie man will. Da kann man vielleicht etwas hineininterpretieren, das war von mir als Texter aber nicht so gemeint.

Sie schreiben immer wieder auch für andere Künstler Songtexte. Was ist Ihnen dabei als Texter besonders wichtig?

In erster Linie stehe ich als Künstler auf der Bühne, erst in zweiter Linie sehe ich mich als Texter. Beim Schreiben kommt es mir darauf an, dass die Texte sauber gereimt sind, vernünftig klingen, einen guten Inhalt haben. Ideal wäre natürlich eine Geschichte mit Anfang und Ende.

Welche Musik hören Sie privat am liebsten?

Das ist viel durch meine Kinder beeinflusst. Viel Pop, viele Charts. Ich höre aber auch sehr gerne Evergreens wie Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Junior. Ich habe da keine Berührungsängste. Letztens war ich mit meiner Frau bei den Rolling Stones in Berlin. Die Stones sind Teil meiner Kindheit, mit 13 habe ich die Band zum ersten Mal auf der Waldbühne in Berlin gesehen.

Für die Bühne haben Sie sich dann nicht Rock ’n’ Roll, sondern Schlagermusik ausgesucht.

Ich mache Musik mit deutschen Texten, wie auch immer Sie diese musikalische Richtung nennen wollen. Ich habe damals einen Produzenten kennengelernt und mich dann wohlgefühlt in diesem Genre. Das mache ich jetzt seit 44 Jahren – und zwar mit wachsender Begeisterung.

Interview: Theresa Hellwig

Roland Kaiser gibt vier Konzerte bei den Dresdner Filmnächten am Elbufer: 3., 4., 10. und 11. August, Beginn jeweils 20 Uhr, alle ausverkauft. Das MDR-Fernsehen überträgt am 4. August live.

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