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Montag, 11.06.2018

Große Namen, große Worte

Dresden sang und musizierte vor der Frauenkirche. Drinnen wurde der Europäische Kulturpreis Taurus vergeben.

Von Birgit Grimm

Peter Maffay nimmt aus den Händen von Helma Orosz den Europäischen Kulturpreis Taurus in der Dresdner Frauenkirche entgegen. Die Kinder Emily und Johannes haben besondere Gründe, ihm zu gratulieren.
Peter Maffay nimmt aus den Händen von Helma Orosz den Europäischen Kulturpreis Taurus in der Dresdner Frauenkirche entgegen. Die Kinder Emily und Johannes haben besondere Gründe, ihm zu gratulieren.

© dpa/MonikaSkolimowska

Waren es nun acht, neun oder zehn Geehrte? Eigentlich noch viel mehr, weil die Dresdner Musikfestspiele, das Semperopern-Ballett und das European Union Youth Orchestra und die Dresdner Firma Cloud & Heat aus mehreren Menschen bestehen. Und auch Fürst Albert von Monaco käme allein nicht weit mit seiner Stiftung. Bleiben noch Daniel Brühl, der Schauspieler, Gerhard Richter, der Maler. Und die Sänger Piotr Beczala, Peter Maffay, Nana Mouskouri und Anja Harteros. Allesamt Weltklasse, allesamt Ausnahmekünstler. Es müssen mindestens lebende Legenden sein, an die das Europäische Kulturforum seinen Europäischen Kulturpreis vergibt. Der Verein mit Sitz in Dresden schmückt sich gern mit großen Namen und hat keine Scheu vor großen Worten: Frieden, Freiheit, kulturelle Vielfalt, der Erhalt des europäischen Kulturerbes. Doch in den Videos zur Vorstellung der Preisträger dominierten Zahlen wie Rekordumsätze auf dem Kunstmarkt oder Millionen verkaufter Musikalben. Das versteht jeder, doch es beeindruckt nicht alle.

Der Maler Gerhard Richter, der aus gesundheitlichen Gründen fern blieb, hatte Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen gebeten, den bronzenen Stier, also die Skulptur dieses undotierten Preises, bei den Hörnern zu packen. Götz Alsmann, der den Abend in Dresdens Frauenkirche moderierte, war sich „ganz sicher, dass der Preis dahin geht, wohin er gehört, Notfalls ins Archiv.“ Typisch Alsmann. Er meinte das Gerhard Richter Archiv der SKD, was sonst?!

Aber wo war Anja Harteros? Die Sopranistin wurde am Freitagabend weder gesehen noch gehört, nicht mal erwähnt. Stand sie im Stau? War sie plötzlich erkrankt? Oder wollte sie den Preis etwa nicht? Auf SZ-Anfrage teilten die Veranstalter am Sonntag mit, dass Harteros‘ Management erst kurz vorher abgesagt habe: „Angesichts der Dichte ihrer Termine kann Frau Harteros den Preis leider nicht persönlich in Empfang nehmen und möchte sich auf diesem Wege herzlich bei den Juroren für die hohe Auszeichnung bedanken!“ Geht doch. Götz Alsmann freilich hätte auch diese Information noch ein wenig aufgepeppt.

Sei`s drum. Der Abend auf den harten Kirchenbänken war ohnehin viel zu lang. Doch er hatte emotionale und unterhaltsame Momente. So schmachtete die Sopranistin Annette Dasch nach ihrer Laudatio auf Piotr Beczala mit ihm das Duett „Lippen schweigen“ aus Franz Lehars „Lustiger Witwe“. Alsmann verriet, dass der polnische Tenor gern mal James Bond spielen würde, und wünschte sich Frau Dasch als Bond-Girl. Der Typ hat ja Geschmack!

Für Überraschung sorgten drei Kinder: Elias aus Pirna am Klavier, und dann Emily und Johannes aus Leipzig als Laudatoren für Peter Maffay. Helma Orosz, Dresdens frühere Oberbürgermeisterin, outete sich als Maffay-Fan, lobte seine Tabaluga-Stiftung für traumatisierte Kinder und hatte die beiden Knirpse mitgebracht, weil sie aus verschiedenen Blickwinkeln vom Drachen Tabaluga und der Stiftung erzählen konnten. Das alles wurde auch nach draußen auf den Neumarkt übertragen, wo die Elbland Philharmonie spielte und der Musikfestspiel-Chor mit dem Publikum sang. Eine Dame an der frischen Luft bekannte, nur wegen Peter Maffay gekommen zu sein, der aber nur drin und nur „Eiszeit“ sang. Ob sie damit zufrieden war? Auch in der Kirche waren noch Plätze frei.

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