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Montag, 13.08.2018

Gespenster im Raum

Die Band Liars liefert eine Filmmusik, die aufgrund ihrer Soundqualitäten vorzüglich auch ohne Bilder funktioniert.

Von Uwe Salzbrenner

Liars, „1/1“Mute/Rough Trade
Liars, „1/1“ Mute/Rough Trade

Die New Yorker Band Liars begann ihre Karriere zur Jahrtausendwende mit Punk. Schon damals mit reichlich Disco-Schmiss und konkurrierenden Rhythmen versehen, beeinflusst von Rave-Musik und den Briten von Underworld. Später lassen Liars den Bass weg, dann die Gitarren, schrauben aus Geräuschen eine formidable Version der Hölle zusammen. Reduktion ist angesagt. Das Material wird von Album zu Album aus verschiedenen Quellen geborgt, vom Krautrock bis zur elektronischen Musik. Auch die Besetzung schrumpft. Erst sind Liars ein Quartett, bald ein Trio, dann zu zweit. Seit 2015 erfindet Sänger und Multiinstrumentalist Angus Andrew die Musik allein.

Das vorliegende Album ist ein Nachzügler, 2014 in Kopenhagen noch mit Aaron Hemphill eingespielt als Soundtrack für den Film „1/1“. Vor zwei Jahren hat Andrew es mit Gastmusikern auf dem Popmusik-Festival in Berlin vorgestellt, zur Weltpremiere des Films. Jetzt erfolgt die reguläre Veröffentlichung parallel zum ebenso grandios verspäteten Kinostart. „1/1“ wird, wie es aussieht, bloß in Berlin gezeigt, jedenfalls nicht in Dresden. Im Film redet die Hauptgestalt, eine junge Frau, mit sich selbst in einem Videotagebuch.

Entsprechend stabil und nahezu ohne eigene Worte sind die fünfzehn Musikstücke konstruiert. Der elektronisch erzeugte Klang bohrt sich gleichsam aus dem Nebenzimmer durch alle Störungen. Mix und Mastering stellen einzelne, warnend oder warm schwellende Töne im Raum wunderbar frei. Energisch schabt und pocht hier und da der Puls. Noch besser passt die angenehm unheimliche Stimmung der langsameren Stücke, die Spannung ihrer allmählichen Entfaltung. In „Helsingör Lane“ kommt Andrews Gespensterstimme hinzu, nicht notwendig durchgängig zu verstehen, gierig und verloren. Auch ein Sehnsuchtsprinzip: Die kalkulierte Kürze der Songs zwingt dazu, sie mehrmals zu hören.

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