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Donnerstag, 02.08.2018

Gefeiert als Sänger, ausgebuht als Dirigent

Plácido Domingo sang den Parsifal in Bayreuth und den Siegmund in der „Walküre“. Nun kehrte er ans Pult auf den Grünen Hügel zurück.

Von Britta Schultejans

Startenor Plácido Domingo arbeitet seit einigen Jahren auch als Dirigent. Hier dirigiert er bei der Eröffnung des Balls der Wiener Philharmoniker im Wiener Musikverein.
Startenor Plácido Domingo arbeitet seit einigen Jahren auch als Dirigent. Hier dirigiert er bei der Eröffnung des Balls der Wiener Philharmoniker im Wiener Musikverein.

© dpa/Georg Hochmuth

Es sind ungewohnte Töne für den Starsänger: Plácido Domingo, einer der größten Stars der Klassik-Szene, wird bei den Bayreuther Festspielen von Teilen des Publikums ausgebuht. Zwar gibt es nach der „Walküre“ am Dienstagabend auch Applaus für den 77-jährigen Spanier, doch die Unmutsbekundungen sind deutlich zu hören. Zuvor hat er allerdings nicht etwa wie vor achtzehn Jahren den liebenden Zwillingsbruder Siegmund gesungen, sondern das Orchester geführt.

Domingo ist seit Jahren auch als Dirigent tätig, in diesem Jahr steht er zum ersten Mal auf dem Grünen Hügel am Pult, wo er in den 1990er-Jahren noch den Parsifal sang. Domingo führt weitgehend ruhig, solide und ohne großen Bombast durch den zweiten Teil von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Ausgerechnet die große Arie „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ droht dem Maestro am Pult zu Beginn aber etwas zu entgleiten. Die Quittung dafür bekommt dann auch Tenor Stephen Gould als Siegmund von einigen Zuschauern. Auch er muss ein paar Buhs einstecken.

Die „Walküre“ ist ein Relikt, gewissermaßen ein Gruß von Frank Castorf, dessen hoch umstrittene Interpretation des „Ring des Nibelungen“, der 2013 Premiere hatte und die vergangenen Jahre in Bayreuth geprägt hat. Das gefiel längst nicht jedem Wagnerianer. Eigentlich hatte die Inszenierung schon ausgedient, mit dem berühmten Sänger als Dirigent kommt aber Teil zwei der Tetralogie in diesem Jahr noch einmal zurück. Ungewöhnlich für die Wagner-Festspiele, stehen die anderen drei Teile, „Das Rheingold“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“, in diesem Jahr nicht mehr auf dem Spielplan.

Castorf verlegt die Geschichte um liebende Geschwister, einen wütend donnernden Göttervater, dessen eifersüchtige Frau und eine mitfühlende Walküre in eine Ölförderanlage in Aserbaidschan. Das Öl als Gold unserer Zeit hatte Castorf schließlich einst als Regiekonzept für alle vier „Ring“-Teile ausgegeben. Kulisse ist ein schäbiger Förderturm auf einer Drehbühne. Castorfs Konzept funktioniert seit Jahren unabhängig vom Stück weitgehend gleich: Er setzt auf filmische Untermalung und lässt die Sänger oft von einem Kameramann begleiten. So nah hat man die Stars der Wagner-Oper selten bei der Arbeit beobachten können. Wenn allerdings, während Siegmund und Sieglinde sich selig in die Arme sinken, auf großer Leinwand eine Torte essende Erda beim Telefonat mit Wotan gezeigt wird, ist das eher Ablenkung als Mehrwert.

Castorf zeigte sich in diesem Jahr nicht mehr auf der Bühne. In den vergangenen Jahren hatte er stets nach Teil vier, der „Götterdämmerung“, ein Buh-Konzert über sich ergehen lassen. Die Sänger wurden in der aktuellen Bayreuther „Walküre“ aber eigentlich immer gefeiert. So auch in diesem Jahr. Anja Kampe als Sieglinde, John Lundgren als Wotan und vor allem Catherine Foster als Brünnhilde, das Gesicht und die Stimme von Castorfs „Ring“, wurden vorbehaltlos gefeiert. Mit der „Walküre“ endete die diesjährige Premierenwoche in Bayreuth. Die Festspiele dauern noch bis zum 29. August. (dpa)

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