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Donnerstag, 04.01.2018

Frontalangriff auf die Ohren

Hardrock hat sich allen Moden und Trends erfolgreich widersetzt. Selbst nach 50 Jahren zieht diese Musik Millionen von Fans immer noch in ihren Bann.

Von Matthias Bossaller

Deep-Purple-Schlagzeuger Ian Paice – hier im Juni beim Konzert in Leipzig – und seine Kollegen begründeten vor 50 Jahren den Hardrock als Genre.
Deep-Purple-Schlagzeuger Ian Paice – hier im Juni beim Konzert in Leipzig – und seine Kollegen begründeten vor 50 Jahren den Hardrock als Genre.

© Star Media

Am Anfang war das Riff. Es ist so einfach, dass selbst Menschen, die gar nicht Gitarre spielen können, es auf einer Saite hinbekommen. Gerade die Schlichtheit und die Eingängigkeit machten aus „Smoke On The Water“ einen Jahrhundertsong und Deep Purple zu einer der einflussreichsten Hardrock-Bands. „Ich glaube, wir haben mit unserer Musik gewissermaßen den Weg geebnet“, sagte Drummer Ian Paice. Die 1968 im englischen Hertford gegründete Band hat vor rund fünf Dekaden die harte Spielart des Rock mitbegründet.

Sie ist aber nicht die einzige Band, die diesen Stil mitgeprägt hat. Auch Led Zeppelin und Black Sabbath gehören dazu. Diese drei Combos gelten als die Urväter eines neuen Sounds, der härter war als alles andere zuvor. „Unser erstes Album sollte ein Frontalangriff auf die Ohren werden, mit einem Sound, den man so noch nie gehört hatte: radikal, intensiv und roh“, sagte Led Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page.

„Es begann, als der klassische Marshall-Verstärker erfunden war und der Gitarrensound so klang, wie auf der ersten Platte von Led Zeppelin oder Deep Purples ‚In Rock‘“, sagt Götz Kühnemund. Der 51-Jährige ist Journalist und kennt sich mit Hardrock und Heavy Metal aus. „Da kam dieser typische Gitarrensound auf, der alle süchtig gemacht hat“, verdeutlichte der frühere Chefredakteur von Rock Hard und jetzige Boss des Metalmagazins Deaf Forever.

Selbst nach all den Jahren füllen Deep Purple und andere alte Schwergewichte wie AC/DC oder Alice Cooper noch die Konzertsäle und sind ständiger Gast auf den großen Festivals. Wie Kühnemund würden wohl auch viele Fans ihr Erweckungserlebnis beschreiben: „Das erste Riff, das ich in meinem Leben gehört habe, hat mich so elektrisiert, dass ich diesen Moment immer wieder haben möchte.“ Den Hardrock und seine Fans zeichnet Beständigkeit und eine Art Wertekonservatismus aus, der ein Gegenmodell zum Zeitgeist mit seinen wechselnden Moden darstellt. „Der Bedarf nach authentischen Dingen wächst, je mehr sich alles auf Schnelllebigkeit ausrichtet“, sagte Kühnemund.

Für Hypes sind Hardrocker wenig empfänglich. Dieses Traditionsbewusstsein verhalf dem Genre auch, sich gegen später aufkommende Krisen zu wappnen. Zunächst entwickelt sich der Hardrock aber weiter zum Heavy Metal und brachte in den 80ern Megastars wie Guns N’ Roses oder Metallica hervor. Die beriefen sich auf Vorreiter wie Black Sabbath oder Deep Purple. „Sie waren mein musikalisches Rückgrat, als ich sie mit neun das erste Mal gehört habe“, sagte Metallica-Drummer Lars Ulrich über Deep Purple.

Dank einem veränderten Medienzeitalter und einem Musiksender wie MTV avancierten Guns N’ Roses Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre zu den letzten Superstars des Hardrock-Business. Die Gunners lebten das Klischee des Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll-Lifestyles wie kein anderer Vertreter und schafften es, ins Bewusstsein des Normalbürgers vorzudringen.

Erst Kurt Cobain und die Grungewelle bescherten dem Metal in den 90ern eine Identitätskrise. Plötzlich war es uncool, Hardrocker zu sein. „Das lag auch daran, dass die Mädels umgeschwenkt sind, weil Grunge tanzbarer war“, erinnerte sich Kühnemund. Aber der Metal hat diese Krise einfach ausgesessen. Grunge war am Ende nur eine Welle. Kurt Cobain ist tot, der Hardrock lebt weiter. Das plötzliche Interesse des Mainstreams am früher verpönten Heavy Metal hat dazu beigetragen: Über das Phänomen Wacken-Festival mit seinen etwa 80 000 Besuchern hat sogar das „Heute-Journal“ berichtet. (dpa)

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